Ulrich Engelhardt x Itellium

Karstadt goes Linux

Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media. Auf cio.de schreibt er über CIO Auf- und Aussteiger.
Sinkende Umsätze und zurückhaltende Kunden machen den Handelshäusern in Deutschland zu schaffen. Auch Ulrich Engelhardt muss bei KarstadtQuelle zuallererst Geld sparen.

Als Engelhardt 2003 Geschäftsführer der Itellium System & Services GmbH wurde, erschien KarstadtQuelle als gesundes Unternehmen. Deren IT-Tochter Itellium sollte als Profit Center auch externe Kunden versorgen. "Das ist heute zweite Priorität" sagt der 45-Jährige zur Strategieänderung. Jetzt heißt die Devise: Leistungssteigerung der IT und Konzentration auf das Kerngeschäft.

Ulrich ENGELHARDT Itellium
Ulrich ENGELHARDT Itellium

Der Diplommathematiker ist selbst lange Unternehmer gewesen: Von 1987 bis 2003 leitete er die von ihm gegründete SHE Informationstechnologie AG, die sich mit IT-Sicherheit beschäftigt. Doch dann kam die Wende: "Ich wollte etwas Neues machen." Heute hält er nur noch Anteile an seiner Firma und ist deren Aufsichtsratschef. Den Wechsel in das Angestelltenverhältnis hat er nicht bereut: "Eine Krise bietet auch Chancen. Man kann etwas bewegen, hat viele Freiräume." Es klingt fast so, als sei er verwundert, dass er schon so viel verändern konnte.

Wichtigstes Projekt war die Auslagerung des Rechenzentrums, des Netzwerks und des Applikations-Managements an den Dienstleister Atos Origin. Anfang 2004 begannen die Verhandlungen, neun Monate später wechselten 950 Mitarbeiter zu Atos Origin. "Wir haben einen fairen Preis ausgehandelt und eine degressive Kostenstruktur vereinbart", sagt Engelhardt. "Bis auf wenige Ausnahmen gab es keine Probleme. Allerdings gibt es einen deutlich höheren Steuerungsaufwand."

Ulrich Engelhardt

Wichtigstes Projekt: Outsourcing von Rechenzentrum, Netzwerk und Applikations-Management;

IT-Strategie: Durch IT-Einsatz sollen die Geschäftsprozesskosten optimiert werden;

Ein CIO muss …einerseits der Geschäftsstrategie folgen und andererseits geeignete Rahmenbedingungen für die IT vorgeben.

Nun wird die IT im Konzern umorganisiert. Damit aus den drei Mitspielern Itellium, Atos Origin und KarstadtQuelle nur noch zwei werden, fasst man die IT der Handelsorganisation bei Itellium zusammen. Die Warenhäusern bekommen bis Mitte 2006 eine neue Filialstruktur, neue Kassen, neue Bestandsführung, neues Kundenbestellsystem, neues Kiosksystem und mobile Datenerfassungsgeräte. "Unsere neue Filialplattform beruht auf Linux und Java. Wir haben dadurch Stabilitäts- und Funktionalitätsvorteile - und sind absolute Vorreiter", sagt Engelhardt stolz, der seit Anfang 2005 auch als CIO von KarstadtQuelle fungiert. Zu 60 Prozent ist die Umstellung bereits abgeschlossen.

Das Ende des Projekts wird Engelhardt nicht mehr als CIO von KarstadtQuelle mitverfolgen. Er wird zum 1. Januar Senior Vice President für den Bereich Consulting und Systemintegration bei Atos Origin in Essen. Gute Kontakte hat Engelhardt durch das Outsourcing von KarstadtQuelle an den IT-Dienstleister ja bereits aufgebaut.

Johannes Klostermeier