Ratgeber Karriere

SAP-Arbeitsmarkt

Karriereratgeber 2016 – Thomas Biber, Personalberater

01.12.2016
Vom 1. bis zum 14. Dezember 2016 beantwortet der Personalberater Thomas Biber Ihre Fragen rund um Ihre Karrierechancen auf dem SAP-Arbeitsmarkt.

Der langjährige SAP-Berater ist heute Geschäftsführer von Biber & Associates, einer Personalberatung, die sich auf den SAP-Arbeitsmarkt im deutschsprachigen Raum spezialisiert hat.

Dr. Thomas Biber hat sich als langjähriger SAP-Profi auf die Vermittlung von SAP-Experten spezialisiert.
Dr. Thomas Biber hat sich als langjähriger SAP-Profi auf die Vermittlung von SAP-Experten spezialisiert.
Foto: Privat

Bis zum Jahr 2006 arbeitete Biber knapp acht Jahre als Projektleiter und Manager bei SAP und Siemens Business Services, zuvor war er als Berater bei Micro Strategy in Washington und London tätig. Biber & Associates ist eine auf das SAP-Umfeld spezialisierte Personalberatung.

Stellen Sie Ihre Fragen an Thomas Biber einfach unterhalb dieses Beitrags über unsere Disqus-Kommentarfunktion. Sie werden dann zeitnah beantwortet. (hk)

 

ThomasBiber

Der Markt und die Anforderungsprofile für SAP-Berater haben sich in den letzten Jahren verändert, was es Quereinsteigern zunehmend schwerer macht. Ein Einstieg in die SAP-Beratung ist dennoch grundsätzlich möglich und im aktuell recht guten Markt wäre derzeit auch ein guter Zeitpunkt.

Sie sollten sich allerdings darüber im Klaren sein, dass man in diesem Fall zunächst als Junior mit einem „Juniorgehalt“ anfängt. Das gilt auch, wenn man betriebswirtschaftliche Vorkenntnisse, zum Beispiel als Accountant, mitbringt und in der Vergangenheit schon mehr verdient hat.

Zudem vermittelt eine Weiterbildung oder Zertifizierung nur die elementarsten Kenntnisse. Um als SAP-Berater sein Fachgebiet halbwegs zu beherrschen, sind mindestens 2-3 Jahre Erfahrung in SAP-Projekten, einschließlich eigener Arbeit hinsichtlich Konzeption und Customizing beziehungsweise Entwicklung, erforderlich. Erst dann hat man ein hinreichend umfängliches Wissen, um ein Themengebiete wie SAP FI, alleine betreuen zu können.

Grundsätzlich ist der Einstieg über ein SAP Beratungshaus am einfachsten. Beratungsunternehmen haben in der SAP-Welt auch eine Art „Ausbilderfunktion“. Aktuell akzeptieren sie auch „frisch“ zertifizierte Junior Consultants. Als Beraterin bei einem solchen Arbeitgeber wären Sie 4-5 Tage pro Woche bei ihren Kunden in Projekten eingesetzt. Das bedeutet, dass Mobilität unbedingte Voraussetzung ist, da diese Projekte im ganzen Bundesgebiet oder auch im näheren Ausland angesiedelt sein können.

Der Einstieg in eine Position bei einem SAP-Endanwender – also einem Unternehmen, das SAP als ERP-Software einsetzt – ist für einen Quereinsteiger nahezu unmöglich. Hier wird im Allgemeinen ein erfahrener Bewerber gesucht und kein Quereinsteiger. Das bedeutet, der Weg in die SAP Beraterwelt führt in den allermeisten Fällen über ein Consultinghaus und damit über die Anforderung, mindestens 2-3 Jahre „auf Achse“ zu sein.

Weitere Informationen zum Thema „Quereinstieg in den SAP-Arbeitsmarkt“ finden Sie auch unter
http://www.tecchannel.de/a/stu... oder https://www.biber-associates.d....

Bilanzbuchhalter

Sehr geehrter Herr Biber,
Ich bin eine Diplom Betriebswirtin, beruflich habe ich bis vor kurzem im Rechnungswesen gearbeitet. Aktuell bin ich arbeitslos und beabsichtige eine Weiterbildung zum Berater FI CO anzufangen. Meine Frage ist, wie hoch sind die Chancen, dass ich danach einen SAP Berater Job finde? Es ist natürlich sehr individuell und lässt sich nicht so einfach zu beantworten. Aber ich habe schon verschiedene Meinungen gehört: .. "Es ist einfach da einzusteigen...", bis das Gegenteil
"...ohne IT Ausbildung ist man kein gefragter Spezialist..." Mich würde Ihre Meinung dazu interessieren?
Vielen Dank im Voraus!

ThomasBiber

Dieser Frage begegnen wir oft. Ihre Annahme, dass Kenntnisse im betriebswirtschaftlichen Bereich Ihr Profil abrunden, ist richtig. Die Annahme, dass Weiterbildungen weiterhelfen, wird durch unsere Erfahrungen dagegen nicht gedeckt. Grundsätzlich empfiehlt sich immer, Projekterfahrung einer eventuellen Weiterbildung oder Zertifizierung vorzuziehen.

Das heißt, wenn Sie die Chance haben, direkt in einen guten SAP-Job einzusteigen, dann sollten Sie diese Gelegenheit nutzen und niemals zugunsten eines Kurses ausschlagen. In einem Job in einer SAP-Beratung bauen Sie das nötige betriebswirtschaftliche und prozessorientierte Wissen innerhalb von rund zwei Jahren automatisch auf.

Mit einem reinen Informatik Background wären Sie zunächst mal ein eher „technisch gestrickter" SAP Berater. Es gibt in der SAP Welt eine ganze Reihe Themen, die sehr technisch sind und in denen man als Informatiker sehr gut aufgehoben ist. Dazu gehören alle entwicklungsnahen Themen (ABAP, ABAP/OO, Entwicklung für mobile Endgeräte, JAVA, etc.), Schnittstellenthemen (XI/PI/PI), Datawarehousing oder alle Infrastruktur-nahen Themen (Basistechnologie, HANA, Systemarchitekturen).

Wenn Sie allerdings eher in eine Applikations-orientierte Richtung innerhalb der SAP Welt gehen möchten, macht es schon Sinn, das eigene Wissen hier auszubauen. Auch das kann mit etwas Glück on-the-job erfolgen, indem Sie beispielsweise einen Direkteinstieg in Richtung SAP Finance Beratung versuchen – auch hier empfehle ich, das als erste Option zu sehen. Falls das nicht klappt, könnte ersatzweise ein berufsbegleitender MBA oder etwas ähnliches in Frage kommen. Eine Zertifizierung im Bereich SAP Finance würde Ihnen, meiner Meinung nach, kein hinreichend tiefes betriebswirtschaftliches Wissen vermitteln.

Nur wenn Sie keine Stelle finden sollten, ist es empfehlenswert, einen Kurs zu belegen statt gar nichts zu tun. Wenn Sie aber einen Direkteinstieg in einen Job, der Ihren Vorstellungen entspricht, erreichen könnten, dann sollten Sie diesen Job immer vorziehen. Kurse werden von Arbeitgebern immer als „nice-to-have“ gesehen. Sie bringen aber keinen signifikanten Vorsprung bei der Stellensuche.

SAP-Student

Vielen Dank für Ihre Antwort Herr Biber.

Ich hätte noch eine weitere Frage. Welche Art von Weiterbildung/Zertifikaten halten Sie für einen SAP-Entwickler sinnvoll um weiter in der Hierarchie aufzusteigen?

Mich interessiert es insbesondere welche Art von Weiterbildung sie abseits der SAP-spezifischen Zertifizierungen/Weiterbildungen empfehlen.

Ich persönlich habe einen reinen Informatik-Background und das Gefühl rein technisch aus dem Studium(Bachelor+Master) schon sehr viel mitzubringen und frage mich, ob es für mich als Informatiker nicht am besten wäre meine Kenntnisse in wirtschaftlichen Bereich auszubauen. Wie sehen Sie dies?

ThomasBiber

Danke für Ihre Frage. Ja, Ihre Tätigkeit während des Studiums dürfen Sie durchaus als Berufserfahrung anführen. Rein rechnerisch kämen Sie also auf rund zwei Jahre Berufserfahrung als Entwickler. Das entspricht in der Regel auch dem Zeitraum, nach dem Berufseinsteiger ohne praktische Vorkenntnisse ihren Status als Junioren verlieren und beginnen, sich auf dem SAP-Arbeitsmarkt umzusehen.

Inwieweit sich das nun auf Ihr Einstiegsgehalt auswirkt, hängt auch davon ab, was Sie in diesen vier Jahren genau gemacht haben. Wenn Sie während dieser Zeit eher „old school“ ABAP Entwicklung gemacht und einfache ABAP-Reports oder Z-Transaktionen gebaut haben, würde ich empfehlen, eher konservativ einzusteigen und nicht zu versuchen, mit dem Gehalt in die 50.000 Euro Richtung oder gar darüber zu gehen.

Haben Sie allerdings mit ABAP/OO oder neuen Entwicklungstechnologien und Plattformen wie etwa FIORI oder HANA gearbeitet - und das nicht nur gelegentlich, sondern als Schwerpunkt Ihrer Tätigkeit in den vier Jahren - dann kann Ihr Einstiegsgehalt durchaus im Bereich von 50.000-60.000 Euro liegen. Mit ein wenig Glück kann es auch etwas darüber hinausgehen, da die genannten Fachkenntnisse aktuell auf dem SAP-Arbeitsmarkt stark nachgefragt sind.

Wenn Sie zudem noch reisebereit sind, sollte Ihrem Einstieg ins Consulting aktuell nichts im Weg stehen. Mit etwas Glück gibt’s dann nach der Probezeit auch noch einen Firmenwagen. Manche Arbeitgeber bieten den ihren Mitarbeitern erst nach ca. 2-3 Jahren an, einige aber auch schon nach der Probezeit. Das ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich.

SAP-Student

Sehr geehrter Herr Biber,

während meines Studiums war ich 4 Jahre lang halbtags bei einer SAP-Beratung im Entwicklungsbereich tätig. Dort habe ich mich um Themen rund um ABAP gekümmert.

Im den nächsten Monaten werde ich mein Studium beenden. Ich plane meinen Einstieg als SAP-Entwickler bei einen Anwenderunternehmen. Leider weiß ich nicht, inwieweit meine bisheriger Tätigkeit als Berufserfahrung zählt und ob ich mich als Einsteiger oder als Erfahrener bewerben sollte. Ebenso ist mir nicht klar, ob ich mich bei den Gehältern bei den von Ihnen genannten Band für Einsteiger bzw. das für den Wechsel nach 3 Jahren orientiern soll.

Können Sie mir hier bitte einen Rat geben?

Mit freundlichen Grüßen

ThomasBiber

Liebe Leserinnen und Leser,

schon junge SAP-Berater können Jahresgehälter zwischen 40.000 und 50.000 Euro erzielen. Nach drei bis fünf Jahren und einem Jobwechsel sind bereits 70.000 bis 90.000 Euro erreichbar. Doch wovon hängt die Gehaltsentwicklung ab? Welche Firmen bieten welche Vorteile? Was ist zu beachten und was ist zu tun, um die eigene Karriere nach den eigenen Wünschen zu gestalten? Welche Betätigungsfelder und Spezialisierungen sind am aussichtsreichsten?

Um langfristig zufrieden zu bleiben, gilt es im SAP-Umfeld die Augen offen zu halten und das eigene Alter, die Reise- und Umzugsbereitschaft zu bedenken. Wer sich in einer angenehmen Position zurücklehnt, kann trotz der ungebrochen hohen Nachfrage nach SAP-Skills empfindliche Rückschläge erleiden.

SAP-Berater arbeiten akribisch und unter höchstem Einsatz am Erfolg ihrer Projekte. Viele vergessen dabei, dass sie mit mindestens der gleichen Gründlichkeit an ihren ganz persönlichen Zielen arbeiten sollten. Dazu gehört, jährlich zu evaluieren, ob man noch am richtigen Platz ist. Ein Wechsel nach drei bis fünf Jahren auf einer Stelle bietet oft hervorragende Perspektiven - sowohl fachlich wie privat.

Dank meiner langjährigen Tätigkeit als SAP-Berater und meiner heutigen Tätigkeit als Personalberater für SAP Professionals kenne ich den SAP-Arbeitsmarkt aus unterschiedlichen Perspektiven. Ich möchte SAP-Spezialisten Mut machen, ihre Karriere aktiv zu gestalten. Dazu, sowie zu allen Aspekten rund um den SAP-Jobmarkt, freue mich auf Ihre Fragen in den nächsten zwei Wochen in diesem Forum.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Thomas Biber
Geschäftsführer Biber & Associates
https://www.biber-associates.d...

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