Ratgeber Karriere

Karrierechancen an der Schnittstelle von Business und IT

Karriereratgeber 2016 – Gregor Bleis, Q_Perior

08.09.2016
Vom 8. bis 21. September 2016 betreut der Personalprofi Gregor Bleis vom IT-Dienstleister Q_Perior das Online-Karriereforum der CW, in dem es unter anderem um Einstieg, Aufstieg und den Alltag in einem Beratungshaus geht.

Gregor Bleis ist gelernter Diplomkaufmann und verfügt über 14 Jahre Erfahrung im Personalwesen. Seit rund zweieinhalb Jahren ist er nun bei Q_PERIOR angestellt. Q_PERIOR ist eine inhabergeführte Business- und IT-Beratung, die vor allem Großunternehmen unterstützt. Das mittelständische Beratungshaus beschäftigt mittlerweile 660 Mitarbeiter und plant in diesem Jahr einen Umsatz von 110 Millionen Euro.

Gregor Bleis von der Business- und IT-Beratung Q_Perior beantwortet vom 08.09. bis 21.09.2016 Fragen im Ratgeber Karriere.
Gregor Bleis von der Business- und IT-Beratung Q_Perior beantwortet vom 08.09. bis 21.09.2016 Fragen im Ratgeber Karriere.
Foto: Q_Perior

Bleis kann sowohl Young Professionals als auch Berufserfahrenen Auskunft über die Karrierechancen in einer mittelständischen deutschen Unternehmensberatung geben. Wie gelingt der Einstieg ins Consulting? Welche verschiedenen Entwicklungsmöglichkeiten bieten Beratungshäuser? Wie sieht der Joballtag in einem IT-Projekt aus? All das sind Fragen mit denen sich der HR-Profi im Kontakt mit den Bewerbern täglich auseinandersetzt.

Stellen Sie Ihre Fragen an Gregor Bleis einfach unterhalb dieses Beitrags über unsere Disqus-Kommentarfunktion. Sie werden dann zeitnah beantwortet.

 

Gregor Bleis

Lieber Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Frage, die für viele Berater aus großen Häusern durchaus relevant und auch nicht ganz trivial ist.

Was ich am Markt beobachte: Hochschulabsolventen bzw. junge Berater gehen gerne (erst mal) zu einer großen, renommierten Beratung. Die Gründe: Brand im CV, Themen- und Kundenvielfalt sowie Internationalität.
Erfahrene(re) Berater, egal ob aus kleinen, mittleren oder großen Häusern, tendieren oft und zunehmend zu etablierten und leistungsfähigen, mittelständischen Beratungen. Die Beweggründe hierfür haben u.a. auch mit Ihren aktuellen Rahmenbedingungen zu tun.

Zwar gibt es bzgl. einer Beraterkarriere teils auch deutliche Unterschiede bei Beratungen ähnlicher Größe, am deutlichsten jedoch fallen diese im Vergleich groß vs. mittelständisch aus.

Der (gewünschte) Wettbewerb unter Kollegen hängt eng mit den Strukturen zusammen. Mittelständische Beratungen haben i.d.R. keine klassische Pyramidenstruktur. Die Karriereleiter wird nach oben nicht zwingend enger, es entfällt meist das up-or-out. Ein Weiterkommen hängt daher nicht so sehr von verfügbaren, freien Stellen ab.
Entscheidender für den Aufstieg ist hier v.a. die eigene Leistung und der direkte Mehrwert für das Unternehmen/die Kunden, d.h. die Frage, ob Sie Ihre Skills und Themen mitsamt Team/Ressourcen ausreichend vermarkten können. Das mindert nicht nur den Wettbewerb untereinander, sondern auch den politischen Faktor, sprich „kenne ich die richtigen Leute im Unternehmen?“. Auch die Sichtbarkeit (und Wirksamkeit) der eigenen Leistung ist in mittelständischen Beratungshäusern naturgemäß höher.

Das alles muss für einzelne Berater noch kein Grund sein, von einer großen in eine mittelständische Beratung zu wechseln. Sicher auch eine Typ-Frage. Und auch bei den Großen kann man Karriere machen. Die Strukturen jedenfalls geben das her. Mit Top Leistung und der nötigen „Härte“ kann es dann auch relativ schnell gehen.

Was die Aufstiegsmöglichkeiten im Mittelstand betrifft, sollten Sie genau hinschauen. Wichtig ist ein professionelles und ausgereiftes Karrieremodell. D.h. u.a. eine Karriereleiter mit mehreren Stufen bzw. weiterführenden Rollen, idealerweise mit der Option einer flexiblen Karriereentwickung (bspw. eine Experten- und eine Managementlaufbahn), sowie klar definierte, transparente und realistische Anforderungen. Auch ein umfassendes, auf die jeweiligen Karrierestufen zugeschnittenes Weiterbildungsangebot und nicht zuletzt eine Führungskultur, die ein
Weiterkommen fordert & fördert (kein „elitärer Partner-Club“) machen den Unterschied. Letzteres erkennt man u.a. auch an der Quote an „Eigengewächsen“ in der Partnerschaft bzw. im Management.
Daraus resultiert i.d.R. dann auch die Möglichkeit, schnell voranzukommen. Konkrete Abstriche sehe ich dann keine. Man könnte meinen, dass man diese beim Gehalt machen müsste. Aber auch hier spielen viele mittelständische Beratungen mittlerweile auf Augenhöhe mit den Großen.

Ich hoffe, das hilft Ihnen ein gutes Stück weiter.

Mit besten Grüßen,

Gregor Bleis

Sebastian P.

Hallo Herr Bleis,
ich bin Senior Consultant und arbeite seit gut 5 Jahren in einer renommierten großen
Unternehmensberatung und möchte gerne weiter Karriere in der Beratung machen, evtl. sogar Richtung Partner. Da der Wettbewerb unter Kollegen bei meinem jetzigen Arbeitgeber sehr intensiv ist und Beförderungen m.E. stark damit zusammenhängen, wie „sichtbar“ Leistungen abgeliefert werden und wen man kennt, denke ich über einen Wechsel zu einer anderen (vielleicht kleineren) Beratung nach. Daher würde mich Ihre Einschätzung zu Aufstiegsmöglichkeiten in kleineren/mittelständischen Beratungshäusern im Vergleich zu großen Beratungen interessieren. Erfolgt der Aufstieg anders/schneller? Muss ich im Gegenzug dazu vielleicht Abstriche an anderer Stelle hinnehmen?
Mit freundlichen Grüßen
S.P.

Gregor Bleis

Hallo Herr Pfleiderer,

vielen Dank für Ihre Frage.

Ihrem Berufsziel (Senior) Consultant für ERP Systeme in 8 Jahren steht grundsätzlich nichts entgegen. Den Bedarf an qualifizierten IT-Beratern in diesem Umfeld wird es
weiterhin geben. Ob mit oder ohne Studium.

Entscheidend für Ihren zukünftigen beruflichen Erfolg als ERP-Berater wird sein, sich v.a. fachlich-inhaltlich in Bereichen wie Cloud und SaaS bewegen zu können. Und besser noch: die Fähigkeit, die „alte“ IT mit neuen, innovativen IT-Ansätzen und Konzepten verknüpfen zu können. Stichwort: „Bimodale IT“. Die Umschulung zum Fachinformatiker (IHK) ist sicher eine solide Basis.

Danach sollte sich auch Ihre Weiterbildung und Ihre Berufspraxis in den nächsten Jahren ausrichten. Für einen Wechsel in die Beratung benötigen Sie darüber hinaus insbesondere auch Projekterfahrung. D.h. das Praxiswissen darüber, wie Projekte aufgebaut und umgesetzt werden. Eine reine Linien- oder Support-Funktion reicht hier nicht aus.

Um dann mit Anfang/Mitte 40 - ohne Vorerfahrung in der externen Beratung - für ein
Beratungshaus interessant zu sein, braucht es zum einen State-of-the-art IT-Know-how. Das ist die Grundvoraussetzung. Entscheidend ist zum anderen - so meine Erfahrung - eine spezifische, hohe Branchenexpertise und eine überzeugende Persönlichkeit. Berufs- und Lebenserfahrung kann durchaus den Unterschied ausmachen gegenüber „Mitbewerbern“ mit Studium bzw. die gerade in den Job starten oder erst seit ein paar Jahren dabei sind.

Wenn es nicht gerade eine Top Management Beratung sein soll, haben Sie aus meiner Sicht alle Chancen. Was (fast) alle Beratungshäuser jedoch eint, ist ein Arbeitseinsatz
außer Haus und nicht selten ein klassisches Beraterleben mit 4-5 Tagen vor Ort und 3-4 Nächten im Hotel.

Angesichts der von Ihnen erwähnt „familiären Situation“, sollten Sie sich daher auch überlegen, ob der Berufswunsch Berater in die (zukünftigen) Lebensumstände passt.

Mit besten Grüßen,
Gregor Bleis

Gregor Bleis

Hallo lieber Fragesteller/ liebe Fragestellerin,

herzlichen Dank für Ihre interessante Frage! Interessant auch deshalb, da es in der Tat keine trennscharfe Abgrenzung mehr gibt zwischen den verschiedenen Beratungsarten. Gewisse Unterschiede bestehen jedoch weiterhin.

Die Geschäftsmodelle der Berater haben sich in den letzten Jahren spürbar verändert. Der Beratermarkt ist homogener geworden.

Strategieberatungen punkten zwar nach wie vor mit Expertise zu bspw. Produkt- und Marktstrategien, sprich mit den generischen Top Management Themen. Sie sind aber zunehmend auch in der operativen Umsetzung und in der IT unterwegs.

IT-Beratungen hingegen haben heute mehr Fachlichkeit und Management Themen im Portfolio. Das Ergebnis sind integrierte Business- und IT-Beratungen, die beide Welten zusammenbringen und teils auch strategische Fragen adressieren. Deren Asset: fundiertes, spezifisches Know-how in den Fachthemen auf Ebene mittleres/unteres Management bzw. auf Bereichs-/Abteilungsebene, kombiniert mit IT-Expertise und oft auch (IT-) Implementierungskompetenz.

Insofern sehen die Projekteinsätze in den unterschiedlichen Beratungshäusern mitunter ähnlich aus. Tendenziell haben die Projekte der Strategieberatungen jedoch kürzere Laufzeiten von wenigen Wochen oder Monaten, in der Business- und IT-Beratung dagegen von mehreren Monaten bis zu einem Jahr und länger. Die Projektgrößen i.S.v. Anzahl Projektmitarbeiter sind in der Strategieberatung - idealtypisch - ebenso kleiner als in der Business- und IT-Beratung. Die Projektzusammensetzung der Strategieberater kennzeichnet sich oft durch wenige sehr seniore Berater (Senior Manager/Partner) und viele eher juniore Berater. Die der Business- und IT-Beratungen ist meist heterogener und weniger hierarchisch aufgestellt.

Bevor Sie sich jedoch die Frage stellen, wie sich ein Beraterjob in der Strategieberatung vs. Business- und IT-Beratung auf Ihren CV bzw. Ihre Karriere
auswirkt, sollten Sie sich auch im Klaren darüber sein, ob Sie jeweils die Voraussetzungen und Interessen mitbringen. Top Noten, ideal an einer renommierten Uni oder MBA School, und/oder weitere herausragende Dinge im Lebenslauf sowie Interesse an übergreifenden Zusammenhängen sind Must-have’s in der Strategieberatung. IT-Affinität und ein Interesse an betriebswirtschaftlichen
Themen, ein erfolgreich abgeschlossenes Hochschulstudium sowie idealerweise erste Praxis - bzw. Projekterfahrung sind Hauptanforderungen in der Business- und IT-Beratung.

Der „CV-Effekt“ ist dementsprechend unterschiedlich. Strategieberatungen öffnen i.d.R. die Tür ins Top bzw. obere Management, Business- und IT-Beratungen eher ins mittlere/untere Management oder in die Fachabteilungen. Ein weiterer Effekt: höhere Gehälter in der Strategieberatung. Heißt aber auch: höhere bzw. sehr hohe Arbeitszeiten (nicht selten 70-80h/Woche). Hinzu kommt ein härterer Wettbewerb unter Kollegen. Die Betriebszugehörigkeiten in der Strategieberatung sind demnach naturgemäß etwas geringer.

Falls Sie es sich aufgrund Ihrer Vorqualifikation aussuchen können, wäre mein Tipp: wählen Sie die Art von Beratung aus, die Ihr Langfristziel/ Ihre persönliche Vision unterstützt, die Ihnen spannende Kunden, Projekte und Themen anbietet und v.a.: wo Sie sich wohlfühlen.

Viele Grüße und alles Gute & viel Erfolg beim Abschluss Ihres Studiums!

Gregor Bleis

Pfleiderer Hans-Ulrich

Hallo Herr Bleis,
momentan befinde ich mich in einer Umschulungsmaßnahme zum Fachinformatiker (IHK) und habe großes Interesse an ERP Systemen und betriebswirtschaftlichen Abläufen. Danach möchte ich in einem Beratungshaus Fuß fassen und mich zum IT-Berater weiterbilden.
Ich bin jetzt 37 Jahre alt und kann ein anschließendes Studium momentan nicht mit meiner familiären und finanziellen Situation unter einen Hut bringen.
Mein momentan gestecktes Ziel lautet, mich in den nächsten 8 Jahren zum Junior und eventuell auch Senior Consultant zu entwickeln um dann beratend in Fragen rund um ERP breit aufgestellt zu sein.
Was denken Sie, welche realistischen Chancen es gibt dieses Ziel auch ohne ein Studium zu erreichen und welche anderen Weiterbildungsmöglichkeiten, die gefördert oder finanziell tragbar sind können Sie mir empfehlen.
Mit freundlichen Grüßen
Hans-Ulrich Pfleiderer

J. Schindel

Hallo Herr Bleis,
ich mache in Kürze meinen Master-Abschluss in BWL mit Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik und könnte mir einen Karrierestart in der Beratung gut vorstellen. Mich würde daher interessieren,
wie der Unterschied zwischen Business- und IT-Beratung im Vergleich zur reinen
IT-Beratung oder der klassischen Strategieberatung konkret aussieht. Was
bedeutet es zum Beispiel in Bezug auf mögliche Projekt-Einsätze und welche
Auswirkungen hat es auf meinen CV? Vielen Dank für die Beantwortung im Voraus!
Mfg J.S.

Gregor Bleis

Sehr geehrte Herr Oesterling,

vielen Dank für Ihre Frage. Das Thema vertiefende Weiterbildung stellt sich für viele Berufseinsteiger – von daher bin ich sehr froh, dass Sie mir diese Frage stellen….

Grundsätzlich gilt: eine kontinuierliche, gezielte und (ideal) offiziell anerkannte Weiterbildung ist für eine Karriere in der IT-Branche eine notwendige Voraussetzung. Nicht zuletzt, da sich die Halbwertszeit von Wissen hier ständig verkürzt.

Eine hinreichende Voraussetzung für einen Einstieg speziell in die Business- und IT-Beratung ist erfahrungsgemäß ein Studium mit relevantem Schwerpunkt. Sollten Sie hier Fuß fassen wollen, bietet sich dafür ein Studium der Wirtschaftsinformatik natürlich sehr an.

Ein Fernstudium, sofern mit dem Workload im Job vereinbar, bietet darüber hinaus die Möglichkeit, parallel dazu wertvolle Praxis zu sammeln. Und ist darüber hinaus ein Beleg dafür, dass Sie Biss und Ausdauer haben. Für einen Einstieg bspw. in eine umsetzungsorientierte Beratung fast noch wichtiger als die Theorie.

Ob es nach dem Bachelor auch noch ein Masterstudium sein muss, hängt dabei ganz von Ihren individuellen Zielen und Ihrem persönlichen „Karriere-Reifegrad“ ab. Ich empfehle Ihnen dazu einen Vergleich mit potentiellen Mitbewerbern auf dem Arbeitsmarkt (bspw. bei Xing, LinkedIn), gemünzt auf Ihre präferierten Wunscharbeitgeber und angestrebte Rolle. Auch um zu vermeiden als „over-educated“ zu erscheinen.

Falls Sie noch weitere Fragen haben, freue ich mich diese zu beantworten.

Viele Grüße

Gregor Bleis

Gregor Bleis

Liebe Leserinnen und Leser,

gerne stehe ich Ihnen in den kommenden zwei Wochen als Karriereratgeber zur Verfügung. Als Recruiting-Experte bei der Business- und IT-Beratung Q_PERIOR tausche ich mich täglich mit Bewerbern aus, von Young Professionals bis hin zu Beratern mit Jahrzehnten Berufserfahrung.
Ob Anforderungen an Bewerber, Erwartungshaltung im Job oder Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten in der Beratung – ich freue mich auf den Austausch mit Ihnen!

Viele Grüße aus München
Gregor Bleis

Ronny Oesterling

Guten Tag Herr Bleis,
ich mache momentan eine Weiterbildung zum IT-Business Manager (IHK). Diese wird voraussichtlich November 2017 enden. Im zeitnahen Anschluss möchte ich dann ein Fernstudium als Bachelor in Angewandte Informatik mit Vertiefung in Wirtschaftsinformatik anstreben. Der Abschluss soll dann ein Masterstudium in IT-Management oder Wirtschaftsinformatik sein.
Sehen Sie dadurch für mich gute Karrierechancen oder sollte ich an meinen Plan Änderungen vornehmen?

Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Ronny Oesterling

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