Ratgeber Karriere

Führung und Unternehmenskultur

Karriereratgeber 2016 - Christiane Leonhardt

21.04.2016
Vom 21. April bis 4. Mai beantwortet die erfahrene Managerin Christiane Leonhardt im Online-Forum der COMPUTERWOCHE Fragen rund um die Themen Führung und Unternehmenskultur.

Christiane Leonhardt war seit 1997 in verschiedenen Unternehmen in Management-Positionen mit Führungsverantwortung tätig - zuletzt als Director Marketing bei Citibank International plc in Lissabon. 2013 hat sie SLSplus, eine Beratung für Management und Marketing, mitgegründet.

Christiane Leonhardt ist Mitbegründerin der Beratung für Management und Marketing SLSplus und Dozentin an der Wiesbaden Business School.
Christiane Leonhardt ist Mitbegründerin der Beratung für Management und Marketing SLSplus und Dozentin an der Wiesbaden Business School.
Foto: SLSplus GmbH

Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist Management-Beratung, aber auch die Entwicklung von Führungskonzepten und ganzheitlicher Marketing-Lösungen für mittelständische und große Unternehmen. Seit 2011 lehrt sie als Dozentin Internationales Finanzdienstleistungs-Marketing an der Wiesbaden Business School, und schreibt auch als Expertin für das IDG-Expertennetzwerk.

Stellen Sie Ihre Fragen an Christiane Leonhardt einfach unterhalb dieses Beitrags über unsere Disqus-Kommentarfunktion. Sie werden dann zeitnah beantwortet.

 

Christiane Leonhardt

Liebe Frau Forster,

es ist sogar äußerst wichtig, eine Arbeitgeber-Marke nicht nur nach Außen zu kommunizieren, sondern sie auch im Unternehmen zu leben. Ansonsten sind die durch Kommunikationsmaßnahmen vermittelten Versprechen nicht authentisch. Und Sie verlieren die Mitarbeiter als Markenbotschafter. Identifizieren sich die Mitarbeiter aber mit der Marke, machen sie die unternehmerischen Interessen zu ihren eigenen und zeigen bei der Arbeit für ihr Unternehmen Begeisterung und Engagement. Um die Motivation von Mitarbeitern oben zu halten, gibt es eine Reihe extrinsischer Maßnahmen: mehr Geld, Titel, Status.

Aber ganz entscheidend ist der innere Anreiz, der in der Tätigkeit selbst liegt, die Identifikation mit dem, was man tut. In vielen Unternehmen gibt es keinen höheren Sinn als Profitmaximierung. Finanzziele sind richtig und wichtig, den einzelnen Mitarbeiter erfüllen diese Ziele selten mit großer Begeisterung. Dabei sind gerade die Leistung der Mitarbeiter entscheidend, um hochgesteckte Ziele zu erreichen.

Die Unternehmensführung muss eine Markenidentität vorleben, um das Mitarbeiterverhalten zu beeinfllussen. Durch eine gezielte Kommunikation nach Innen kann das Management verdeutlichen, dass die Mitarbeiter ein Teil von etwas Größerem sind und damit die Identifikation mit der Tätigkeit erhöhen. Hat ein Unternehmen definiert, was es zu etwas Besonderem, Größeren macht, muss es dies gemeinsam mit allen Mitarbeitern kommunikativ zum Leben bringen. Auf diesem Weg werden die Mitarbeiter Botschafter der Arbeitgeber-Kommunikation. Zu den möglichen Maßnahmen, um dies zu unterstützen, gehören beispielsweise interne Markenschulungen und der Aufbau eines Alumni-Netzwerks.

Viele Grüße
Christiane Leonhardt

Karina Forster

Liebe Frau Leonhardt,

Sie äußern sich häufig zum Thema Arbeitgebermarke und die Kommunikation nach Außen, um beispielsweise gute Fachkräfte zu gewinnen. Wir sind nur ein kleiner Mittelständler und kennen aber diese Herausforderung durchaus (ich arbeite in der Personalabteilung). Ist es nicht ebenso wichtig, eine Arbeitgeber-Marke nach Innen zu leben? Um Mitarbeiter zu binden? Und zu motivieren?

Beste Grüße

Karina Forster

Christiane Leonhardt

Hallo Herr Ludewig,

jedes Unternehmen hat eine eigene spezifische Unternehmenskultur, die sich aus bestimmten Werten und Normen zusammensetzt. Die Persönlichkeit des Gründers beziehungsweise des führenden Kopfes beeinflussen maßgeblich die Unternehmenskultur, die das Ergebnis einer - wie auch immer verlaufenen - Unternehmensgeschichte ist.

Unternehmenskultur besteht aus gewachsenen Wertvorstellungen, Normen und Überzeugungen innerhalb eines Unternehmens. Diese Werte- und Normvorstellungen spiegeln sich in den Kommunikations- und Verhaltensweisen der Mitarbeiter wider. Sie bestimmen den Charakter des Unternehmens, der auch nach Außen sichtbar wird. Werte und Normen sind die wesentlichen Elemente einer Unternehmenskultur. Werte bestimmen, was als „gut“ und „nicht gut“ gilt. Normen definieren, was "erlaubt" bzw. "nicht erlaubt" ist, was "belohnt" und was "bestraft" wird. Normen und Werte schaffen Klarheit für alle Mitglieder einer Organisation, sie bilden den Charakter und die Identität des Unternehmens und bieten eine Orientierungshilfe.

Sie erwähnten, dass vor allem ein jungen Bewerber viele Fragen dazu hatte. Für eine deutliche Mehrheit von jungen Menschen sind ein kooperatives Arbeitsklima, ein großer Gestaltungsspielraum sowie Innovationskultur ausschlaggebend für die Wahl einer Arbeitsstelle. Insofern hoffe ich, Sie konnten in diesen Themen entsprechend punkten. Viel Erfolg bei der Mitarbeitergewinnung.

Beste Grüße
Christiane Leonhardt

Christian Ludewig

Hallo Frau Leonhardt,

ich bin gerade dabei, einen neuen Mitarbeiter für mein Team zu suchen. Bei einem der Vorstellungsgespräche mit einem jüngeren Kandidaten wurde das Thema Unternehmenskultur und Werteorientierung sehr häufig angesprochen. Damit habe ich mich bis heute nicht tiefergehend befasst - worin äußert sich Unternehmenskultur und wie kann ich sie definieren?

Christiane Leonhardt

Sehr geehrter Herr Michaelis,

Sie sprechen ein hochsensibles Thema an, das leider häufig tabuisiert wird. Durch den Verlust eines engen Familienmitglieds verändert sich die Welt radikal. Das Arbeitsumfeld sollte dies unbedingt berücksichtigen und nicht einfach zum Tagesgeschäft übergehen. Sich so zu verhalten, als sei nichts passiert, ist unhöflich und der Situation nicht angemessen. Die Unsicherheit der Kollegen, Vorgesetzten und Mitarbeitern ist in solchen Fällen verständlicherweise sehr groß – ich habe es selbst erlebt. Ausweichen und Sprachlosigkeit sind naheliegende Reaktionen, können aber den Betroffenen sehr verstören.

Zumindest sollte eine Beileidsbekundung in schriftlicher oder mündlicher Form erfolgen. Ein Chef sollte das persönliche Gespräch suchen, um zu erfahren, was der Mitarbeiter jetzt braucht. Die Nachfrage vermittelt das Gefühl, dass einer besonderen Situation Rechnung getragen wird. Je nach Feedback vom Trauernden können Kollegen vorübergehend Aufgaben übernehmen oder anbieten, die Pausen gemeinsam zu verbringen. Der Eindruck, dass das Umfeld mitfühlt, wird Sicherheit auf allen Seiten schaffen – auch wenn der Dialog mit dem Betroffnen mit den unsicheren Worten beginnt: „Mir fehlen die Worte, für das, was ich sagen möchte.“ Das ist ein Anfang.

Ich wünsche Ihnen viel Einfühlungsvermögen für das heikle Thema. Bitte scheuen Sie sich nicht, nachzuhaken, wenn weitere Fragen entstehen,

viele Grüße
Christiane Leonhardt

Georg Michaelis

Sehr geehrte Frau Leonhardt,

einer meiner Mitarbeiter hat leider kürzlich ein enges Familienmitglied verloren. Nächste Woche wird er aus dem Urlaub zurückkehren und ich bin sehr unsicher, wie meine Kollegen, das Team und ich nun mit der Trauersituation umgehen. Ich freue mich sehr, wenn Sie eine Ratschlag für mich haben.

Viele Grüße

Georg M.

Christiane Leonhardt

Liebe Leserinnen und Leser der Computerwoche,

wie kommuniziert und geführt wird, ist essentiell für das Management von Unternehmen und damit ein wichtiger Wettbewerbsfaktor. Ob Sie nun Chef oder Mitarbeiter oder auf der Suche nach einer neuen Aufgabe sind - welche Fragen Sie auch immer rund um das Thema Führung und Kommunikation haben, ich freue mich auf den Austausch mit Ihnen!

Herzliche Grüße
Christiane Leonhardt

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