Zwischen Interesse und Selbstmarketing

Karrierefaktor Small Talk

17.02.2013 | von Jürgen Hesse
Small Talk ist die Kunst des kleinen Gesprächs. Doch so klein, wie der Name es suggeriert, ist dieser Karrierefaktor nicht. Und man kann sich sogar darauf vorbereiten.

Es gilt, bei einer Begegnung oder einem ersten Kontakt Gesprächsthemen und Gemeinsamkeiten zu finden, über die nett geplaudert werden kann. Sie sollten einen in den Augen des Gegenübers sympathisch und interessant erscheinen lassen. Im Idealfall kann gekonnter Small Talk eine angenehme, ungezwungene Atmosphäre aufbauen, in der im Berufs- und Geschäftsleben wichtige Kontakte geknüpft werden und der Boden für fruchtbare Verhandlungen gelegt wird.

Small Talk und Karriere machen: die Zusammenhänge sind vielfältig.
Small Talk und Karriere machen: die Zusammenhänge sind vielfältig.
Foto: Robert Kneschke - Fotolia.com

Viele fühlen sich unwohl, wenn es darum geht, Gespräche mit vielleicht sogar vollständig unbekannten Geschäftspartnern zu eröffnen. Man fragt sich: Was wäre der richtige Gesprächsstoff? Welche Themen mag mein Gegenüber für eine lockere Plauderei interessant finden? Im Prinzip kann man durchaus entspannt an Gesprächseinstiege herangehen, denn zunächst reichen eine sympathisch, offene Ausstrahlung, Interesse am Wohlergehen des Gegenübers und ein Eisbrecher wie "Was für eine schöne Veranstaltung, finden Sie nicht auch?" vollkommen aus.

Balance zwischen Interesse und Selbstdarstellung

Sie sollten auf die Reaktionen Ihres Kontakts zu achten. Stimmt er Ihnen verbal und/oder non-verbal zu, lehnt er Ihren Einstieg ab oder scheint er ein ganz anderes Thema ansprechen zu wollen? Durch ein ehrliches Interesse geben Sie Ihrem Gegenüber die Chance für seinen Einstieg in das Gespräch. Gerade im Berufsleben dient Small Talk natürlich auch der Selbstdarstellung. Hierbei besteht die Kunst darin, sich als selbstbewusst und kompetent zu präsentieren, ohne sich selbst zu sehr in den Vordergrund zu drängen. Als Faustregel gilt: Erfolg versprechend sind nur Themen, die alle Gesprächspartner interessieren, denn sonst ist Langeweile programmiert.

Vorbereitung? Durchaus möglich!

Das Fundament für interessante, vielfältige Plaudereien ist eine grundsolide und gute Allgemeinbildung. Kenntnisse des aktuellen Tagesgeschehens vergrößern ohne Zweifel die Chancen, ein gemeinsames Gesprächsthema zu finden. Bei fest vereinbarten Terminen gilt: Empfehlenswert ist das Sammeln von Informationen über den Anlass einer Begegnung.

Steht eine private Einladung zum Geburtstag eines Geschäftspartners an, hilft die Kenntnis seiner Hobbys. Auch eine Einladungskarte kann Hinweise zu Themen liefern. Verweist ein Gastgeber darauf, eine Spende an XYZ sei ihm lieber als Geschenke, so ist dies einen hervorragender Anknüpfungspunkt. Auf der Suche nach interessanten Gesprächsthemen lohnt es sich manchmal, auch im Vorfeld gemeinsame Bekannte zu befragen, die den Gastgeber besser kennen. Generell gibt der Rahmen der Veranstaltung schon Gesprächsthemen vor. Handelt es sich beispielsweise um ein Firmenjubiläum, ist es ratsam, im Internet die Geschichte des Unternehmens und die entsprechenden faktischen Hintergründe zu recherchieren.

Small Talk - die Feinheiten

Ganz wichtig ist aktives Zuhören - wobei dies generell für erfolgreiche Kommunikation gilt. Versuchen Sie nicht nur die Worte zu hören, sondern auch den wirklich gemeinten Sinn und die Absicht, die hinter der Botschaft steckt, zu interpretieren. Das Gesagte und das Gemeinte ist nicht immer dasselbe. Denn jede Aussage beziehungsweise Botschaft hat verschiedene Ebenen. Manchmal kommt es ja nur auf die Betonung an, an der man die wahre Absicht erkennt.

Achten Sie auch auf Pausen, denn kurze Pausen bewirken erstaunliche Dinge. Warten Sie zwei, drei Sekunden, bevor Sie auf die Aussagen Ihres Gesprächspartners reagieren. So hat der andere die Chance, seinen Gedanken richtig zu Ende zu führen. Nicht zu neugierig und nicht zu vorsichtig - so sollten die Fragen formuliert sein, die Sie stellen. Mit Fragen wie "Gefällt es Ihrer Tochter auf der Schillerschule?" können Sie beispielsweise das Gespräch geschickt zu dem Thema lenken, das Sie interessiert, also vielleicht Bildungspolitik oder auch Schulauswahl für Kinder. Übrigens: Menschen lieben es, Ratschläge zu geben. Wer geschickt ist, nutzt diesen Umstand für erfolgreichen Small Talk. Wenn Sie jemanden um Rat bitten, ist das ein Vertrauensbeweis. Wenn Sie wissen, dass Ihr Gegenüber seinen großen Garten liebevoll pflegt, fragen Sie ihn doch, wie Sie Ihre Balkonpflanzen am besten durch den Winter bekommen. Sie zeigen, dass Sie auf sein Urteil Wert legen und dass Sie ihm zutrauen, er könne Ihnen weiterhelfen.

Im Gespräch mit Kollegen und Chefs

Sie begegnen Ihrem Chef im Flur und wissen nicht, was Sie erzählen sollen? Darüber brauchen Sie sich meist nicht den Kopf zu zerbrechen. Wer weiter oben in der beruflichen Hierarchie steht, ist meist ein begnadeter Small Talker. Gerade in der Wirtschaftswelt erreicht kaum jemand eine höhere Position ohne Kommunikationstalent. Was aber, wenn nun gerade Ihr Vorgesetzter eben doch kein Kommunikationsprofi ist? Ein guter Anhaltspunkt sind Komplimente: Die meisten Menschen werden gerne gelobt und Vorgesetzte sind da keine Ausnahme. Nun, vielleicht finden Sie ja aus der Fülle der Leistungen Ihres Vorgesetzten etwas, was Sie aus vollem Herzen gerne loben möchten.

Beim Small Talk zwischen Kollegen sind Themen außerhalb engagierter Fachdebatten oft besonders interessant. Wer hat wo und wie welchen Event besucht? Welches Sportereignis fasziniert das halbe Büro? Wie sieht die aktuelle Urlaubsplanung aus? Was gibt es an Neuigkeiten aus der Promiwelt? Im Prinzip bieten sich hier sehr vielfältige Themen, wobei stets eine gewisse Integrität zu beachten ist. Verletzendes Lästern über gerade nicht anwesende Mitarbeiter sorgt vielleicht für Unterhaltung, aber auch für Probleme.

Gekonnter Abschluss

Ein gekonnter Small-Talk-Abschluss ist sehr wichtig. So bleibt der angenehme Eindruck, den Sie während des Gespräches erzeugt haben, voll und ganz erhalten. Manchmal sucht man jedoch den schnellen Ausstieg, weil der Gesprächspartner nicht zwingend spannend ist. Dann machen Sie dem Gespräch ein selbstbewusstes und freundliches Ende. Am besten ist ein authentisch, situationsbedingter Abschied, etwa der Wunsch, die Antipasti vom Buffet zu erkunden oder einen gerade eingetroffenen Kollegen zu begrüßen. Versuchen Sie stilvoll und höfflich sich zu verabschieden, um möglichst positiv in Erinnerung zu bleiben.

Nur Mut, auf zum Small Talk, denn Sie kennen nun viele wichtige Erfolgskriterien dieses Karrierefaktors. Suchen Sie künftig strategisch passende Situationen, um Ihre Small-Talk-Kompetenzen eindrucksvoll zu beweisen. Diese gut durchdachte Auswahl ist der nächste Schritt, bei dem Ihnen übrigens auch eine Karriereberatung helfen kann.

Newsletter 'Job+Karriere' bestellen!