Merkel im Hightech-Land

Kanzlerin dreht CeBIT-Runde

06.03.2012
Diesmal gab es keine Hiobsbotschaften per SMS. Nach dem stressigen Messerundgang 2011, der vom Guttenberg-Rücktritt überschattet war, konnte Angela Merkel am Dienstag entspannt über die CeBIT flanieren.
Angela Merkel, Dilma Rousseff und Ernst Raue beim Rundgang über die CeBIT 2012
Angela Merkel, Dilma Rousseff und Ernst Raue beim Rundgang über die CeBIT 2012
Foto: Deutsche Messe AG

Die "Handy-Kanzlerin" dürfte sich gefreut haben, dass ihr das heiß geliebte Mobiltelefon diesmal nicht zur Unzeit dazwischenfunkte. Locker und entspannt schlenderte Angela Merkel am Dienstag über die CeBIT in Hannover. Vor einem Jahr war der traditionelle Rundgang über die weltgrößte Computermesse weitaus stressiger ausgefallen. Nach einer alarmierenden SMS hatte sich die CDU-Politikerin zum außerplanmäßigen Krisentelefonat ausgeklinkt: Ihr durch die Plagiatsaffäre massiv geschwächter Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg war plötzlich zum Rücktritt entschlossen.

Der Stress-Tour vom 1. März 2011 folgte nun eine Gute-Laune-Runde. "Machen wir es doch ruhig auf Englisch", schlägt die Kanzlerin vor, als Software-AG-Chef Karl-Heinz Streibich beim Besuch seines Standes fragt, welche Sprache sie und Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff denn bevorzugen. Die Staatschefin des diesjährigen CeBIT-Partnerlands strahlt zurück, der Leiter der Software-Schmiede legt los und erklärt den mächtigen Damen die Vorteile einer digitalisierten Plattform, die bürokratische Hürden im internationalen Güterverkehr abbauen soll.

"Gilt das auch für die Maut?", fragt Merkel - und signalisiert ihrem mitlaufenden Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mit erhobenem Daumen Respekt für die Beteiligung Bayerns an dem Projekt. So geht es munter weiter, zumindest äußerlich herrscht betont gelöste Frühlingsstimmung. Auch Bundesforschungsministerin Annette Schavan hat die Regierungschefin wieder im Schlepptau, vor zwölf Monaten hatten die Parteifreundinnen noch mit ausdrucksloser Miene auf das Telefondisplay mit den Nachrichten aus der Hauptstadt gestarrt.

Dieses Jahr scheint die allgegenwärtige Sicherheits- und Protokolltruppe ("Machen Sie mal Platz da!") angespannter zu sein als der hohe Besuch selbst. Merkels Bodyguards haben viel zu tun, als sie am Brasilien-Stand durch die Menge schreitet. Großes Gedränge, höfliches Händeschütteln, geduldiges Zuhören - selbst das eher monotone Portugiesisch des Präsentators quittiert Merkel mit einem routinierten Lächeln. Sie stellt Nachfragen, bekommt sogar ein wenig Applaus zum Abschied. Da können auch ein paar Demonstranten nicht weiter stören, die auf Transparenten eine Umsetzung der Energiewende auch in den Außenbeziehungen fordern: "Atomtod exportiert man nicht!"

Auf zum nächsten Termin. Bei Microsoft geht es um elektronisches Regieren, Merkel und Rousseff tragen sich in das digitale Gästebuch eines fiktiven "Neustadt" ein. Am Telekom-Stand lobt Konzernchef René Obermann die CDU-Vorsitzende für ihre Anstrengungen zur Erhöhung der IT-Sicherheit. Das 2011 in Kraft getretene De-Mail-Gesetz, mit dem etwa die Identitätsprüfung bei E-Mails und anderen Formen der Online-Kommunikation festgeschrieben wird, sei auch ihrer Fürsprache bei den IT-Gipfeln der Bundesregierung zuzuschreiben. Merkel nickt artig - und klebt ein symbolisches Siegel auf den großen T-Brief.

Der Presse- und Kanzlerinnen-Tross bahnt sich seinen Weg über das Messegelände. Nach einem Info-Aufenthalt zur "E-Medizin" bei SAP-Vorstandssprecher Jim Hagemann Snabe und einer Stippvisite auf dem fast eine ganze Halle ausfüllenden Stand des Branchenriesen IBM darf Merkel bei Fujitsu einen Tablet-Rechner in ein Aquarium tunken - Manager Rolf Schwirz freut sich über die Strapazierfähigkeit des Geräts. "Man sieht: Sie können es sogar auf den Boden werfen."

Am Ende gerät der Ausflug ins Hightech-Land zu einer lockeren Pflichtübung. Den Roter-Knopf-Termin bei Vodafone - der noch schnellere LTE-Datenfunk wird live in ihrer mecklenburgischen Heimat eingeschaltet - meistert Merkel trotz Staatsschuldenstresses und Koalitionsknatschs mit Gelassenheit. Unerwartete Schreckensmeldungen hin oder her: Gegen die totale Erreichbarkeit habe sie nichts, beteuerte die Kanzlerin: "Ich schreibe ja viele Nachrichten." (dpa/tc)