Virenanalyst

Kammerjäger im Internet

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Virenjäger analysieren verdächtige Software, legen Köder aus und schreiben Reparaturroutinen für Antivirenprogramme. Ein klares Berusfsbild gibt es noch nicht, dennoch gelten die Chancen am Arbeitsmarkt als gut.
Alexander Vukcevic, Leiter des Virenlabors Deutschland bei Avira: "Der Virenjäger muss Spaß an einer analytisch orientierten Tätigkeit haben."
Alexander Vukcevic, Leiter des Virenlabors Deutschland bei Avira: "Der Virenjäger muss Spaß an einer analytisch orientierten Tätigkeit haben."
Foto: Avira

Die Arbeit von Alexander Vukcevic lässt sich leicht mit der eines Virologen vergleichen: Beide versuchen anderen zu helfen, indem sie Viren analysieren und Schutzmaßnahmen einleiten. Der 32jährige Vukcevic war schon als Kind von der Informationstechnik begeistert, hat im Alter von zehn Jahren seinen ersten funktionstüchtigen PC zusammengebaut, Freunden den Rechner getunt und später konsequenterweise eine Ausbildung zum Kommunikationstechniker abgeschlossen. Virenanalyst wurde er eher durch Zufall. "Ich sah die Stellenanzeige, und weil mich das Thema interessierte, habe ich mich beworben und wurde eingestellt", erzählt er.

Starke Eigenmotivation

Renate Rumsauer, Manager Human Resources bei Avira: "Der Beruf des Virenanalysten ist immer noch eine Nische - aber eine sehr gefragte."
Renate Rumsauer, Manager Human Resources bei Avira: "Der Beruf des Virenanalysten ist immer noch eine Nische - aber eine sehr gefragte."
Foto: Avira

Im Lauf der Zeit ist Vukcevic vom Virenjäger zum Leiter des Virenlabors Deutschland bei Avira, einem Hersteller von Antivirensoftware, aufgestiegen. Manchmal erreichen ihn und seine Kollegen bis zu 80.000 Dateien täglich, von denen Anwender meinen, dass sie virenverseuchte Codes enthalten. Diese Kunden sind eine von vielen Informationsquellen dar-über, was alles durch die digitale Welt geistert. Mit jedem Tag, der vergeht, müssen mehr Computer geschützt werden. Deshalb nimmt parallel dazu der Bedarf an Virenanalysten zu, wenngleich noch auf einem rein zahlenmäßig überschaubaren Niveau: "Der Beruf des Virenanalysten ist noch immer eine Nische - jedoch eine aktuell sehr gefragte. Derzeit sind weltweit etwa sechs- bis siebentausend Virenjäger tätig", so Renate Rumsauer, Manager Human Resources bei Avira. Sie bezeichnet die Berufsaussichten für Virenanalysten als sehr gut: Zum einen tauchten täglich neue Sicherheitslücken und Angriffsmethoden auf, zum anderen werde es auch in nächster Zukunft keine hundertprozentig sicheren Systeme geben.

"Um als Virenanalyst einzusteigen, empfehlen wir eine Ausbildung in einem IT-Beruf oder ein Informatikstudium, im Idealfall mit dem Schwerpunkt IT-Sicherheit", so Rumsauer. Zudem zählten gute Kenntnisse in allen gängigen Betriebssystemen und Teamfähigkeit zu den Grundvoraussetzungen.

"Starke Eigenmotivation ist eine weitere wichtige Eigenschaft der Virenanalysten", ergänzt Virenlaborleiter Vukcevic. Häufig arbeite ein Team an einem Thema, doch jeder auf seinem Spezialgebiet - zum Beispiel einer bestimmten Analyseform. Als Virenjäger sollte man laut Vukcevic Spaß an einer analytisch orientierten Tätigkeit haben. Auch wenn die Arbeit teilweise wiederkehrenden Mustern folgt, sei es wichtig, sich ständig zu motivieren.

50 Virenjäger auf Pirsch

Beim IT-Sicherheitsexperten vom Bodensee sind heute rund 50 Fachkräfte in die Virensuche und -analyse sowie die direkte Entwicklung von Schutzmechanismen eingebunden. Weitere Spezialisten arbeiten in den firmeneigenen Virenlaboren in Rumänien und Malaysia.

Viel Schulung erforderlich

Um die Spezialisten fit für ihre Aufgaben zu machen, werden sie im Rahmen interner Trainings mit speziellem Wissen versorgt. Darunter fällt der Umgang mit dem Assembler-Programm IDA. "Mit dieser Standardanwendung für Virenanalysten wird der Maschinencode in eine lesbare Form umgewandelt, damit wir Befehl für Befehl durchgehen können, um zu schauen, welchen Schaden das Virus auslöst", erklärt Vukcevic. Dieses statische Vorgehen ist die eine Analyseart. Bei der dynamischen Suche werden die Schadprogramme auf isolierten und besonders geschützten Rechnern ausgeführt, um zu überprüfen, was sich daraufhin am System ändert. In beiden Fällen schreiben die Virenanalysten eine Reparaturroutine für die Antivirenprogramme und sorgen so für die mehreren Updates pro Tag.

Um die Software auf dem neuesten Stand zu halten, bevor die mit virulenten Codes befallenen Dateien bei den Anwendern ankommen, legen die Virenjäger so genannte Honey-Pots im Internet aus, analysieren aktive Botnetze oder durchstreifen Server nach neuen Malware- und Virenarten. Seine Arbeit sei täglich eine neue Herausforderung durch immer professioneller arbeitende Gegner, resümiert Sicherheitsprofi Vukcevic.