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Kalifornische Gesetzgeber wollen Chancen und Risiken der RFID-Technologie untersuchen

13.08.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Kalifornische Gesetzgebungsorgane haben ein Hearing auf den 18. August 2003 anberaumt, um die Gefährdungen der Privatsphäre von Konsumenten zu diskutieren, wenn sich in großen Ladenketten die RFID-Technologie durchsetzen sollte. RFID steht für Radio Frequency Identification und bedeutet, dass in Konsumgütern winzige Chips eingebaut werden, deren Inhalt und Signale drahtlos zu erfassen sind. Vordergründig könnte man also von der nächsten Generation von Barcode-Systemen reden. Tatsächlich fürchten Datenschützer aber, dass mit dieser Technik Bewegungsmuster von Kunden mehr oder weniger durchgängig erfasst werden können.

Senatorin Debra Bowen ist federführend bei der Organisation der Anhörung, bei der sich die kalifornischen Gesetzeshüter ein Bild machen wollen, welche Chancen und Risiken die RFID-Technologie bietet. Bowen hat sich in der Vergangenheit einen Namen gemacht als engagierte Vertreterin der Anti-Spam-Bewegung. Die Veranstaltung ist öffentlich und wird im State Capitol von Sacramento, der Hauptstadt Kaliforniens, abgehalten.

Während Befürworter der RFID-Technik diese als ökonomische und effiziente Möglichkeit ansehen, ihre Lagerhaltung zu optimieren und gleichzeitig auch Diebstahlsdelikten vorzubeugen, sehen Opponenten vor allem die Gefahr des gläsernen Kunden. Mit den winzigen Chips, die etwa in Kleidungsstücken eingearbeitet sind, kann nicht nur auf kontinuierlicher und aktueller Datenbasis der Warenbestand eines Kaufhauses etc. kontrolliert werden. Wenn die Chips nicht beim Kauf an der Kasse deaktiviert oder ganz entfernt würden, würde der Kunde mit der Ware auch eine zunehmende Anzahl von Chips mit sich herumtragen, die Informationen ausstrahlen: "Man geht dann überall herum und sendet ständig Daten aus, die mit entsprechender Empfangsgerätschaft aufgenommen werden können. Von Privatsphäre kann da nicht mehr die Rede sein", kritisiert Katherine Albrecht. Sie ist die Chefin der Konsumerschutzvereinigung Consumers Against Supermarket Privacy Invasion and

Numbering und eine überzeugte Gegnerin der RFID-Technik."Bei jeder Tür, durch die Sie in Zukunft gehen, könnten Sie erst mal von oben bis unten abgescannt werden."

Albrecht soll ebenso wie andere Konsumerschützer anläßlich des Anhörungsverfahrens am 18. August den Gesetzeshütern Rede und Antwort stehen. Es werden dann auch Befürworter der RFID-Entwicklung zu Wort kommen. Greg Pottie etwa, Elektroingenieurprofessor an der University of California in Los Angeles (UCLA), oder Dan Mullen, Kopf der Unternehmensgruppe Association for Automatic Identification and Data Capture Technologies, werden ihre Einschätzungen abgeben.

Senatorin Bowen hat bislang noch keinen Gesetzesvorschlag zu RFID erarbeitet. Die Anhörung sei lediglich der "Beginn einer Diskussion der anliegenden Problematik unter Politiktreibenden." (jm)