Web

 

Kagermann sieht Indien mit gemischten Gefühlen

11.06.2007
SAP-Chef Henning Kagermann betont die Notwendigkeit, Softwareentwicklung global zu organisieren. Allerdings sei die Qualität nicht überall gleich hoch.

"Man kann nicht einfach 2000 Leute in Indien anheuern und davon ausgehen, dass diese sofort hoch integrierte Softwareapplikationen entwickeln", sagte SAP-Vorstandsprecher Kagermann in einem Gespräch mit der New York Times. Ursprünglich wollte der Softwarekonzern seine Entwicklungskapazitäten auf dem Subkontinent wegen des angeblich dort vorhandenen Talent-Pools ausbauen. In den vergangenen sieben Jahren sei die Niederlassung in Bangalore allerdings nur moderat gewachsen.

Der Schwerpunkt der indischen Entwicklungsarbeit liegt auf dem Design der SAP-Applikationen, berichtet Kagermann. Während die indischen Entwickler hauptsächlich an der Oberfläche blieben, kümmerten sich die Labors in Deutschland und den USA in erster Linie um die Integration von Funktionen und neue Softwarekomponenten. Die Basisarbeit finde in Deutschland statt. Hier verfüge SAP über reichlich Experten mit dem notwendigen Fachwissen zu Prozessen und Branchen-Knowhow.

Im kalifornischen Palo Alto hofft Kagermann auf neue Ideen und Innovationen. Das Silicon Valley sei eine Region, in der viele neue Firmen und Techniken aufkeimten. Es biete sich daher an, diese aufzugreifen und in die eigene Entwicklung zu integrieren. Als Beispiel nennt der SAP-Chef Entwicklungen in Richtung Web-basierende Applikationen.

Trotz seiner Kritik am Standort Indien sieht Kagermann keine Alternative zu einer global aufgestellten Entwicklerorganisation. Es sei eine Illusion zu glauben, man finde die klügsten Köpfe in einem einzigen Land. Gerade als Softwarekonzern müsse man sich weltweit um die beste Talente bemühen. Der 59-jährige Vorstandssprecher verweist in diesem Zusammenhang auch auf die derzeitige Debatte rund um den Fachkräftemangel in Deutschland (siehe auch: Fachkräfte-Mangel kostet deutsche Wirtschaft Milliarden).

Kagermann sieht SAP auf dem richtigen Weg, seine Entwicklungsarbeit global zu organisieren. Vor rund zehn Jahren seien fast alle Produkte ausschließlich in Deutschland entstanden. Heute belaufe sich der deutsche Anteil auf etwa zwei Drittel. Die wichtigsten Zentren liegen in den USA (1400 Entwickler), Indien (3000 Entwickler), China (1000 Entwickler) und Israel (900 Entwickler).

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, hat SAP vergangene Woche ein zusätzliches Entwicklungslabor in Palo Alto eröffnet (siehe auch: SAP forciert SOA-Initiativen mit neuem Testlabor). Dort soll in erster Linie das Zusammenspiel der SAP-Software mit Partnerprodukten getestet und verbessert werden. Kagermann hatte in diesem Zusammenhang auch alle Spekulationen zurückgewiesen, der Konzern wolle sich nach dem überraschenden Ausstieg von Technikchef Shai Agassi wieder stärker auf seine deutschen Wurzeln besinnen (siehe auch: Kampf der Kulturen bei SAP). (ba)