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Kagermann: SAP muss keine Angst vor Microsoft haben

10.02.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Walldorfer Softwarekonzern SAP sieht Microsofts Eindringen in den Markt für Mittelstandssoftware gelassen. In einem Gespräch mit dem "Handelblatt" erklärte SAP-Chef Henning Kagermann, die Gates-Company sei bei mittelständischen Kunden ein ganz ernst zunehmender Gegner. Aber man müsse deshalb vor Microsoft keine Angst haben. So sieht Kagermann sein Unternehmen wegen der sehr breiten Expertise in vielen Branchen strategisch überlegen. Microsofts Vorteil bestehe in dem Image, einfachere Software anzubieten.

Beim Preis sei SAP gegenüber Microsoft derzeit noch konkurrenzfähig. Sollte es jedoch notwendig sein, werde man alle Möglichkeiten einer intelligenten Preispolitik ausschöpfen, so der SAP-Chef. Generell sei Microsoft aber im Vergleich zu IBM unproblematischer, da es die ganz großen Unternehmen im Gegensatz zu Big Blue gar nicht bediene. Die möglichen Überschneidungen mit SAP seien daher geringer.

Das Softwarehaus will 2004 rund 1500 neue Arbeitsplätze schaffen. Diese werden laut Kagermann nicht ausschließlich in Billiglohnländern wie Indien entstehen, ebenso sei auch die Aufstockung der Vertriebsteams in den USA und Asien geplant. Hierzulande werde SAP vor allem in Forschung und Entwicklung einstellen. In dem Bereich werde jeder dritte neue Arbeitsplatz in Deutschland angesiedelt werden, so der Firmenchef, in Summe seien das aber weniger als ein Drittel der gesamten neuen Stellen.

Dies sei nicht viel, räumte Kagermann ein. Immerhin sei SAP aber in der glücklichen Lage, die notwenige Aufstockung in Billiglohnländern über Personalwachstum und nicht über einen Abbau an anderen Standorten vornehmen zu können. Zurzeit beschäftigt der Softwarekonzern in mehr als 50 Ländern etwa 30.000 Menschen. (mb)