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Kabelnetzbetreiber Iesy und Ish wollen fusionieren

14.03.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach den geplatzten Übernahmeplänen der Kabel Deutschland GmbH (KDG) wollen sich jetzt die hessische Iesy und die nordrhein-westfälische Ish zum zweitgrößten deutschen Anbieter zusammenschließen. Ein entsprechender Vertrag sei zwischen den Eigentümern der Gesellschaften unterzeichnet worden, teilten beide Unternehmen am Freitag mit.

Winkt das Kartellamt die Fusion durch, entsteht auf dem deutschen Kabelmarkt mit 5,3 Millionen angeschlossenen Haushalten hinter KDG (9,7 Millionen Haushalte) ein zweiter großer Anbieter. Ohnehin ist Ish allein mit seinen 4,1 Millionen Kunden schon der fünftgrößte europäische Kabelnetzbetreiber.

Zum Kaufpreis und zu weiteren Inhalten der Verträge machten die Fusionspartner keine näheren Angaben. Nach Schätzung von Branchenexperten hat die Transaktion einen Wert von rund 1,6 Milliarden Euro. Der Plan sieht vor, dass die mehrheitlich im Besitz des Finanzinvestors Apollo befindliche Iesy die Ish-Gruppe mit Barmitteln erwerben wird. Anschließend hätten die Ish-Eigentümer - das ist vor allem ein Bankenkonsortium unter Führung der Citigroup und dem Finanzinvestor BC Partners - die Möglichkeit, ihre Verkaufserlöse teilweise zu reinvestieren.

Ob der milliardenschwere Deal bei den Kartellwächtern tatsächlich durchkommt, ist ungewiss. Schließlich hatten die obersten Wettbewerbshüter erst im August 2004 die Pläne der KDG durchkreuzt, die die drei Anbieter Ish, Iesy und Kabel Baden-Württemberg (KabelBW) zum Preis von 2,7 Milliarden Euro unter ihre Fittiche bringen wollte. Es brauche kein Netzmonopol, um den Markt für digitale Fernsehübertragung zu entwickeln, hatte seinerzeit der Präsident der Behörde, Ulf Böge, geurteilt.

Branchenexperten zeigten sich diesmal zuversichtlicher. "Grundsätzlich stehen die Chancen zur Genehmigung des horizontalen Zusammenschlusses recht gut", sagt der Telekommunikationsberater Bernd Jäger. Voraussetzung sei aber, dass der neue Verbund unter anderem seine größere Nachfragemacht nicht zur Diskriminierung gegenüber Programmanbietern nutze. Darüber hinaus müsse es dem Kartellamt eine Strategie für verstärkte Internet- und Telefonangebote vorlegen.

"Das Kartellamt kann ja nicht immer Nein sagen", erklärt Dieter Richter von der EWT Elektro- und Nachrichtentechnik GmbH in Nürnberg. Das Unternehmen ist mit 2 Millionen Kunden einer der großen Kabelnetzbetreiber der so genannten Netzebene 4, die über den direkten Hausanschluss verfügen. Anders als die KDG haben Ish und Iesy in den vergangenen Jahren erheblich in die Aufrüstung des Netzes für Internet und Telefonie investiert.

Optimistisch zeigt sich deshalb auch ish-Sprecher Stefan Lennardt: "Wir glauben, dass der jetzt geplante Zusammenschluss den Wettbewerb auf dem Kabelmarkt deutlich fördern wird." Größere Einheiten, heißt es in der Branche, und die Bündelung von Kräften könnte dazu beitragen, dem digitalen TV und dem schnellen Internet über das Kabel schneller zum Durchbruch zu verhelfen. "Dann muss keiner das große Rad alleine drehen", sagt ein Insider.

Für die Kabelhaushalte in Nordrhein-Westfalen und Hessen habe die geplante Verschmelzung zunächst keine Auswirkungen. Vielmehr sollen die Kunden künftig von einer breiteren Produktpalette profitieren. Eine Entscheidung des Kartellamtes erwarten die Unternehmen ohnehin erst für Juni 2005. (dpa/mb)