Triple Play

Kabel Deutschland versucht große Sprünge

21.06.2010
Kabel Deutschland drängt mit Macht auf einen Markt, der mit Fernsehen nur noch wenig zu hat. Telefon und Internet versprechen enorme Wachstumsraten - trotz scharfer Konkurrenz.
Die KDG-Zentrale in Unterföhring bei München
Die KDG-Zentrale in Unterföhring bei München
Foto: Kabel Deutschland

Für den Börsenneuling ein lohnendes Wagnis, hat er doch einen wertvollen Trumpf auf der Hand. Die Geschichte ist nicht ohne Ironie. Das Netz, das Kabel Deutschland den Schritt auf den Telefon- und Internetmarkt erst ermöglicht hat, baute einst die Deutsche Bundespost. Die Telekom musste sich schließlich aus Wettbewerbsgründen von der Breitband- Infrastruktur trennen und die 1999 aus dem Konzern ausgegliederte Kabel Deutschland GmbH verkaufen.

Rund elf Jahre und etliche Wendungen später hat das von einem Finanzinvestor kontrollierte Unternehmen einen erfolgreichen Börsengang hingelegt und notiert von diesem Montag an im zweitwichtigsten Index Mdax. Vor allem aber macht sich die Firma zunehmend im Heimatmarkt der ehemaligen Mutter breit

Das Zauberwort heißt "Triple-Play", Paketangebote aus Fernsehen, Internet und Telefonie aus einer Hand. Die Kabelnetzbetreiber haben ihre Netze aufgerüstet, um sie "rückkanalfähig" zu machen, so dass die Verbraucher auch telefonieren sowie im Internet surfen und nicht nur Fernsehsignale empfangen können. Knapp neun Millionen Haushalte versorgen die Münchner in 13 Bundesländern mit Kabelfernsehen, 80 Prozent der Anschlüsse sind inzwischen fit für die Kombiangebote, bis 2012 sollen es alle sein. Bis jetzt zählt der Konzern gut eine Million Triple-Play-Kunden, Tendenz deutlich steigend.

Ein Anschluss für Fernsehen, Telefon und Internet - mit Docsis 3.0 sogar mit bis zu 100 Mbps.
Ein Anschluss für Fernsehen, Telefon und Internet - mit Docsis 3.0 sogar mit bis zu 100 Mbps.

Das Wachstumspotenzial ist enorm. Zudem versprechen die Paketangebote einen rund dreimal so hohen Umsatz wie das reine Kabelgeschäft. "Wir wollen so viele Kunden wie möglich für Telefon- und Internetdienste werben", kündigte Konzernchef Adrian von Hammerstein jüngst an. Kabel Deutschland habe noch soviel Potenzial in seinem Netz, "dass wir das erstmal abarbeiten müssen". Bis Sommer 2012 sollen alle von Kabel Deutschland mit Internet versorgten Haushalte mit Docsis 3.0 ausgestattet werden, einer Technologie, die Bandbreiten von bis zu 100 Megabit je Sekunde verspricht und damit mit Glasfaseranschlüssen von Telekomfirmen vergleichbar ist.

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