ERP-Projekt fehlgeschlagen

Juwelierkette gibt SAP Mitschuld an Firmenpleite

Vice President Software & SaaS Markets PAC Germany
Shane Co., eine Handelskette für Schmuck aus Colorado, hat Gläubigerschutz (Chapter 11) beantragt. Die wirtschaftlichen Probleme führt das Unternehmen auch auf Schwierigkeiten mit einer Einführung von "SAP for Retail" zurück.

Im Jahr 2005 hatte Shane das SAP-Projekt begonnen, um neue Software für Kassen und für das Lager-Management einzuführen. Das mittelständische Unternehmen hatte sich für "SAP for Retail" entschieden, eine für Handelsgesellschaften konzipierte Business-Lösung. SAP vermeldete den Deal im Mai 2006. Implementiert wurde die Applikation durch den SAP-Partner CIBER Novasoft in den USA. Ursprünglich sollte das Projekt acht bis zehn Millionen Euro umfassen und die Software innerhalb eines Jahres ausgerollt werden. Jedoch stiegen die Kosten auf 36 Millionen Euro und die Einführung nahm 32 Monate in Anspruch, bis die Lösung im September 2007 in Betrieb gehen konnte (siehe auch "Warum ERP-Projekte scheitern").

Nach Angaben von Shane lieferte die ERP-Software jedoch keine akkuraten Lagerdaten, so dass die Bestände anwuchsen und nicht die erforderlichen Waren im Lager vorrätig waren. Dies habe Kosten verursacht und den Absatz sowohl während der restlichen Monate des Jahres 2007 als auch den ersten neun Monaten des folgenden Jahres beeinträchtigt. Das System arbeite zwar seit Ende 2008 stabil, doch biete es noch immer nicht den gesamten Funktionsumfang, der vertraglich vereinbart wurde. Acht unabhängige Experten würden nun daran arbeiten, die Probleme zu beheben.

Allerdings macht Shane keinen Hehl daraus, dass die hauptsächliche Ursache für die Pleite der Niedergang der Handelsumsätze für Luxusgüter in den USA ist. Im Jahr 2007 hatte die Handelskette 275 Millionen Dollar umgesetzt, die Einnahmen in 2008 dürften dagegen bei nur noch 207 bis 210 Millionen Dollar gelegen haben. Ein SAP-Sprecher in den USA teilte mit, man könne im Augenblick nichts zur Situation bei Shane sagen.

Der Handel ist eine der Branchen, in der sich SAP und Erzrivale Oracle einen besonders heftigen Wettbewerb liefern (siehe auch "SAP und Oracle buhlen um den Handel"). Andere Händler haben offenbar mehr Glück mit ihrer SAP-Einführung. Nach Angaben des Softwarehauses hatte unlängst die Firma Hästens, ein mittelständischer Hersteller von Luxusbetten in Schweden, der auch in Deutschland Geschäftsstellen unterhält, ein ERP-Projekt abgeschlossen.