Software Defined Networking (SDN) als Opensource

Juniper liefert einen der ersten SDN-Controller aus

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Als einer der ersten Hersteller liefert Juniper nun einen SDN-Controller aus. Gleichzeitig gibt das Unternehmen sein SDN-Betriebssystem als Opensource frei. Mit Partner IBM sollen erste Private-Cloud-Angebote auf SDN-Basis vermarktet werden.
Telekom testet SDN
Telekom testet SDN
Foto: Telekom

Nach dem bereits 40 Kunden in den letzten Monaten Junipers SDN-Controller im Rahmen eines Betatests auf Herz und Nieren prüfen konnten, liefert das Unternehmen den Controller jetzt offiziell aus. Damit ist Juniper einer der ersten Hersteller, die einen SDN-Controller kommerziell vermarkten. Glaubt man Brad Brooks, Senior Vice President bei Juniper Networks, dann waren die Erfahrungen der Betatester durchaus positiv. Brooks zufolge waren die Anwender vor allem davon überrascht, dass der Einstieg in die SDN-Welt deutlich einfacher war als sie erwartet hatten. Ferner hätten sie die Flexibilität gelobt, mit der sich Netze nun automatisieren lassen. Überraschend für Hersteller und Tester war wohl auch, dass viele Anwender im praktischen Umgang mit SDN deutlich mehr Anwendungsszenarien für die Technik entdeckten als vorher geglaubt.

Ein Umstand, der eventuell auch der Tatsache geschuldet ist, dass der SDN-Controller durchaus auch sinnvoll in Legacy-Umgebungen eingesetzt werden kann. "Wir unterstützen hierzu die gängige offene Protokolle wie BGP oder XMMP", erklärt Manager Brooks. Gerade am Beispiel des Border Gateway Protocol (BGP) lässt sich der Unterschied zwischen alter Netzwelt und SDN einfach veranschaulichen. Vereinfacht dargestellt tauschen in der klassischen Welt die Router untereinander Informationen darüber aus, wie ein Ziel zu erreichen ist. Im SDN-Umfeld melden sie nun diese Informationen an einen SDN-Controller. Da dieser den Überblick über das gesamte Netz hat, berechnet er die optimalen Routen selbst und meldet diese dann per BGP an die Router. Bei der Berechnung kann der Controller zudem eine Vielzahl von anderen Parametern einbeziehen, um den optimalen Weg zu finden.

Bei der Ankündigung der Auslieferung des SDN-Controllers überraschte Juniper noch mit einem anderen Bekenntnis: Die Company stellt ihr SDN-Betriebssystem JunosV Contrail unter Opensource gemäß Apache Licensing 2.11 zur Verfügung. Darauf angesprochen, ob Juniper damit nicht gleich den noch jungen SDN-Markt selbst kannibalisiere, weil Anwender sich etwa einen SDN-Controller auf Basis eines Intel-Blade-Server selbst bauen, gibt sich Brooks zuversichtlich: "Das ist kein Problem, wenn der Kunden den Controller selbst baut, für das darunter liegende physikalische Netz braucht er aber leistungsfähige Hardware - und die können wir liefern."

Folgt man Brooks Ausführungen weiter, dann ist im SDN-Zeitalter mitnichten Schluss mit den teuren propietären Switches etc. Gerade diese Switche mit eigenen herstellspezifischen ASICs werde es weitergeben und etliche Anbieter setzten darauf, dass die Nachfrage nach diesem Highperformance-Equipment im Zuge der Virtualisierung noch weiter steigt. Des Weiteren sieht Brooks in der Opensource-Strategie keine Gefahr, "weil die Anwender schnelle Bugfixes und Support nur mit dem Kauf eines SDN-Controllers bekommen". Zudem will man für die eigenen Switches Apps verkaufen. Bei Juniper hält man wie bei anderen Herstellern auch die Tage der klassischen Netz-Appliances (etwa Firewalls) für gezählt. "Diese laufen im SDN-Zeitalter virtualisiert als Services im Netz", so Brook. Mit Firefly will Juniper als ersten Service eine virtuelle Firewall vermarkten.

Einen anderen Service, den Brooks als "echte Private Cloud" bezeichnet, will Juniper gemeinsam mit IBM schnüren. Die beiden Partner wollen gemeinsam Angebote aus physikalischen Servern, Storage und Netzwerk schnüren und virtualisieren. Die virtuelle Ressource werde dann per SDN orchestriert.