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Junior dreht auf und gräbt Kasparow das Wasser ab

31.01.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das tat richtig weh: Die dritte Partie zwischen Mensch und Computer entschied die Maschine für sich - und das sehr eindrucksvoll. Nach drei Spielen zwischen Kasparow und dem Schachprogramm Junior, das auf einer Zwei-Prozessor-Maschine läuft, steht es nun unentschieden 1,5 zu 1,5.

Kasparow hatte von Beginn an Druck auf Junior gemacht. Insofern ähnelte die dritte Partie den beiden vorangegangenen. Hatte der Russe jedoch im ersten Spiel grandios aufgetrumpft und Junior förmlich überrannt, machte sich in der zweiten Auseinandersetzung schon eine Stärke des Computers bemerkbar: Gefühllos analysiert er die Positionen und spielt, ohne dass ihm Einwirkungen von außen etwas anhaben oder ihn beeinflussen können. In der zweiten Partie hatte Kasparow in aussichtsreicher Position nach einer kurzen Konzentrationsschwäche beim 26. Zug einen groben Fehler begangen, den Junior sofort bestrafte. Nur mit Mühe konnte Kasparow ein Remis retten.

Gleiches im dritten Showdown: Kasparow rannte gegen Junior an, als wollte er ihn in zwei Dutzend Zügen an die Wand spielen. Doch wieder konterte der Computer: Zuerst mauerte er einfach, ab Mitte des 20. Zuges wurde er zunehmend aggressiver. Beim 32. Zug genehmigte sich Kasparow eine gedankliche Auszeit, die prompt - und diesmal spielentscheidend - bestraft wurde. Kasparow mißachtete irrtümlich eine Chance Juniors auf einen Angriff. Der bedrohte sofort Kasparows weißen König mit Schachmatt und im Folgenden stand der Russe nur noch mit dem Rücken zur Wand.

Zwar versuchte der ehemalige Schachweltmeister noch, sich in ein Endspiel mit einem Remis zu retten. Aber er geriet zunehmend in Zugzwang, als ihm auch die Zeit davonlief (der Wettstreit wird mit klassischer Bedenkzeit ausgetragen). Nach dem 36. Zug ging nichts mehr für den Großmeister und Kasparow gab auf.

Am Sonntag, den 2. Februar folgt nun die vierte Partie in New York, am 5. und 7. Februar die restlichen beiden. (jm)