Die beliebtesten Arbeitgeber

Junge Informatiker wollen zu Google, Apple und SAP

Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
Die jungen Beschäftigten der ITK-Branche sind zufrieden mit ihrem Job, schauen sich aber trotzdem nach Alternativen um. Wunscharbeitgeber bleibt Google vor Apple und SAP. Das ergab eine aktuelle Befragung, die das Trendence-Institut in Zusammenarbeit mit der COMPUTERWOCHE betrieb.

Befragt nach ­ihrem Wunscharbeitgeber, nannte die Hälfte der Young ­Professionals Google. Es folgen mit großem Abstand Apple (27 Prozent) und dicht dahinter SAP ­(23 Prozent). "Mitarbeiter der ITK-Branche sind extrem begehrt, allerdings auch deutlich zufriedener mit ihrem Job als andere Young Professionals", ­bilanziert Holger Koch, Geschäftsführer von Trendence in Berlin. Drei Viertel der Befragten erhalten regelmäßig Jobangebote, das entspricht durchschnittlich 4,4 Offerten in zwölf Monaten. Arbeitgeber müssen sich also anstrengen, ihre High Potentials zu halten. Andererseits ist die Zufriedenheit so hoch, dass es für Wettbewerber auch nicht ganz einfach ist, anderen die Talente abzuwerben.

Für die jungen Informatiker zählen heutzutage eher interessante Aufgaben, als das Gehalt.
Für die jungen Informatiker zählen heutzutage eher interessante Aufgaben, als das Gehalt.
Foto: dotshock - shutterstock.com

Das weiß auch Reiner Blackert, Geschäftsführer von Next Level, einer Kölner Agentur, die sich auf die Vermittlung von IT-Experten spe­zialisiert hat. "Überzeugen können wir Kandi­daten hauptsächlich mit neuen interessanten Aufgaben, weniger mit einem höheren Gehalt", sagt der Personalberater.

Mit attraktiven Angeboten können Headhunter wie Blackert anderen also durchaus IT-Profis abspenstig machen. Das Gehalt, mit dem laut Studie 30 Prozent der befragten IT-Nachwuchskräfte unzufrieden sind, reicht als Argument indes nicht aus. Wichtiger ist ein gutes Arbeitsklima: 40 Prozent der befragten Young Professionals über alle Berufsgruppen hinweg klagen über einen schlechten Führungsstil ihrer Vorgesetzten, in der ITK-Branche beschweren sich sogar 44 Prozent über unfähige Chefs.

Männer verdienen deutlich mehr als Frauen

Die Young Professionals in Telekommunikations- und IT-Unternehmen verdienen durchschnittlich 54.200 Euro pro Jahr - inklusive Boni. Allerdings fand Trendence heraus, dass es eklatante Unterschiede in der Behandlung von Männern und Frauen gibt. Das durchschnittliche Jahresgehalt der befragten Frauen beträgt 45.800 Euro, das ihrer männlichen Kollegen dagegen 57.800 Euro. "In den ersten fünf Berufs­jahren sind die Unterschiede noch nicht so groß, doch dann beobachten wir in der IT-Branche einen deutlichen Sprung im Gehaltsunterschied auf rund 25 Prozent. Kinder und Familienzeiten haben zwar einen großen Einfluss, doch auch Vollzeit arbeitende Frauen ohne Kinder verdienen weniger als ihre Kollegen", sagt Koch.

Dabei lobt sich die IT-Branche gerne selbst für Chancengleichheit und gerechte Bezahlung. Viele Unternehmen beteuern, dass es keine großen Unterscheide beim Gehalt gebe. Auch Reiner Blackert überrascht die Lücke: "Unserem Eindruck entsprechen diese großen Unterschiede beim Gehalt nicht." Das gängige Klischee, dass Männer härter um ihr Gehalt verhandeln, kann der Headhunter allerdings bestätigen. Seine Personalberatung informiert sich vorab über die vom Arbeitgeber vorgegebene Gehaltsspanne und bespricht dann mit potenziellen Kandidaten deren Vorstellungen. Ist die Differenz zu groß, suchen die Headhunter einen passenderen Kandidaten.

Reiner Blackert, Geschäftsführer von Next Level, überrascht die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen in der IT, auch wenn er das härtere Verhandlungsgeschickt von Männern bestätigen kann.
Reiner Blackert, Geschäftsführer von Next Level, überrascht die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen in der IT, auch wenn er das härtere Verhandlungsgeschickt von Männern bestätigen kann.
Foto: Next Level

Banken und Versicherungen mögen derzeit zwar mit schwierigen wirtschaftlichen Rahmen­bedingungen kämpfen, doch sie zahlen den Young Professionals mit durchschnittlich 62.700 Euro immer noch am meisten. Zumindest gaben das die Befragten im Sommer 2016 an, bevor Deutsche Bank und Commerzbank mit ihren vielfältigen Problemen einmal mehr in die Schlagzahlen gerieten.

Die Automobilbranche entlohnt ihre jungen Angestellten mit rund 60.900 Euro pro Jahr und hat die zufriedensten Mitarbeiter. Knapp die Hälfte aller Young Professionals kann sich vorstellen, bei einem Autobauer anzuheuern. Dagegen dümpelt der Telekommunikations- und IT-Sektor in der Beliebtheitsskala mit knapp 26 Prozent im Mittelfeld vor sich hin, knapp vor dem öffentlichen Dienst. Doch das gilt für alle jungen Akademiker, die Beschäftigten der ITK-Branche sehen den Telekommunikations- und IT-Sektor zu zwei Dritteln als Wunschbranche. Nur 7,8 Prozent der dort Beschäftigten lehnen diesen Sektor komplett ab.

Beratung - love it or leave it

Auch wenn Banken und Versicherungen gut zahlen, sagten 47 Prozent aller Befragten, dass sie sich auf keinen Fall dort bewerben würden. Unter den Young Professionals des ITK-Sektors fällt die Ablehnung mit 36 Prozent moderater aus. Auch Consulting- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen müssen wohl an ihrem Image arbeiten, gelten sie doch bei gut 39 Prozent der IT-Beschäftigten als unattraktiv. ­Maschinenbauer sind ebenfalls kein Magnet für junge IT-Profis, auch wenn Indu­strie 4.0 und Automatisierung ganz neue Perspektiven eröffnen. 38 Prozent der Young Professionals aus dem ITK-Sektor wollen sich laut Umfrage auf keinen Fall bei einem Maschinenbauer ­bewerben.

Bloß kein Risiko

Zwar denken junge Talente mit drei bis fünf Jahren Berufserfahrung generell besonders intensiv über einen Jobwechsel nach, doch gerade die in der IT-Branche Beschäftigten fürchten sich vor den damit verbundenen Risiken. Ein Arbeitstag zur Probe bei einem neuen Arbeitgeber wird unter Berufserfahrenen immer beliebter, wie Personalberater Blackert beobachtet. Längst reicht es den jungen IT-Experten nicht mehr, mit den zukünftigen Chefs zu sprechen. Sie wollen auch die Kollegen und das ­Arbeitsumfeld näher kennenlernen. "Niemand kauft mehr die Katze im Sack", meint Blackert. Es komme durchaus vor, dass man sich über das Unternehmen und die Konditionen schon einig sei und der Kandidat nach einem Probetag doch noch absage. "Diese Sicherheitsschleife wird von vielen gewünscht, das erleben wir immer häufiger", sagt der Headhunter.

Blackert nennt den Standort als weiteren wichtigen Faktor für Bewerber. "Jemanden nach Berlin zu vermitteln ist einfach, auch Hamburg geht immer. Bei München wird es schon schwie­riger. Da zögern manche, weil sie wissen, dass Wohnungen dort besonders teuer sind." Eine unattraktive Stadt erschwert auch so manche Vermittlung zu einem Mittelständler in der Provinz.

Sicherheitsdenken und geringe Risikobereitschaft zeigen sich auch, wenn es um die Frage nach einer Unternehmensgründung geht. Etwa neun Prozent der Befragten im ITK-Sektor planen, in den kommenden zwölf Monaten eine eigene Firma zu gründen, 57 Prozent von ihnen können sich aber auch vorstellen, dass sie ihre Ideen in Kooperation mit einem Unternehmen umzusetzen.

Der Erfolg von einstigen Start­ups wie Google, Facebook oder Airbnb liegt aber gerade darin, dass sie etablierten Konzernen und deren ­Geschäftsmodellen wenig Respekt zeigen und diese angreifen. Davon wollen die Young Professionals hierzulande anscheinend wenig ­wissen, Sicherheit und Harmonie schätzen sie mehr als Wettbewerb. Dazu passt auch, dass von den im Sommer 2016 befragten Young ­Professionals nur etwa fünf Prozent den Job wechseln wollen, um mehr Verantwortung zu übernehmen.

Der ITK-Nachwuchs

Das Trendence Institute hat im Sommer 2016 rund 10.000 junge Akademiker mit durchschnittlich 3,6 Jahren Berufserfahrung befragt. Etwa 60 Prozent von ihnen verfügen über einen unbefristeten Arbeitsvertrag, knapp 16 Prozent sind auf Zeit ­angestellt, und weitere 13 Prozent absolvierten zum Zeitpunkt der Umfrage eine Weiterbildung, ein Aufbaustudium oder ­arbeiteten an ihrer Promotion. Zeitarbeit spielt in dieser Gruppe, in der je rund ein Drittel über einen Bachelor- und einen Master-Abschluss verfügen, kaum eine Rolle. Für die COMPUTERWOCHE analysierte Trendence exklusiv die Daten der rund 1100 Young Professionals, die in der IT- und Telekommunikationsbranche arbeiten.