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JTC: Fehlstart für Java-Tools-Interoperabilität

07.01.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Eine Initiative, die die Interoperabiltität zwischen den Java-Entwicklungs-Tools rivalisierender Hersteller vorantreiben soll, ist gestern ohne die zwei wichtigsten Player der Branche ausgerufen worden. Borland und IBM fehlten nämlich in der Liste der neun ISVs (Independent Software Vendors), die sich unter Führung von Sun Microsystems zur Java Tools Community (JTC) zusammengetan haben. Rückendeckung gab es zumindest von Bea Systems, Oracle, Compuware, SAP und SAS Institute.

Marktforscher zufolge belegen Borland und IBM die führenden Plätze im Bereich Java-IDEs (Integrated Development Environments), während Bea, Oracle und vor allem Sun versuchen, ihre Präsenz in der Entwicklergemeinde zu verstärken. So bemühten sich die JTC-Befürworter denn auch vor allem, Bedenken bezüglich einer drohenden Fragmentierung konkurrierender Java-Tools-Frameworks zu entkräften. "Hier geht es nicht um das 'Wer', genauso wenig wie um das 'Wie viele'", erklärte Ted Farrell, Chief Architect Application Development Tools bei Oracle. "Wir kündigen dies an, um mehr Leute an Bord zu holen." Und Suns Vice President of Marketing for Java, Web Services and Tools Joe Keller ergänzte, Borland und IBM seien bei der JTC weiterhin herzlich eingeladen.

Borland kommentierte die JTC-Gründung als "voreilig", insbesondere da noch nicht geklärt sei, in welchem Verhältnis die neue Organisation zum für die Java-Standardisierung zuständigen Java Community Process (JCP) stehe. "Bevor das nicht geklärt ist, ist eine Ankündigung verfrüht", sagte George Paolini, Vice President und General Manager von Borlands Java-Sparte. Beas Director Developer Marketing Dave Cotter räumte ein, dass bezüglich Rolle und Struktur der JTC noch einiges zu tun sei: "Wir müssen noch eine Menge Detailpunkte diskutieren."

Die JTC soll innerhalb des JCP Java Specification Requests (JSRs) einreichen und JSR sowie resultierende APIs (Programmierschnittstellen) kommentieren, die aus ihrer Sicht für Java-Tools taugen. Ein entsprechender Kompatibilitätstest, der sicherstellen würde, dass Anbieter JTC-konforme APIs standardgemäß implementieren, liegt aber (noch) nicht vor.

Bemühungen um eine stärkere Interoperabilität zwischen den Java-Runtimes und Tools verschiedener Hersteller laufen seit geraumer Zeit. Dazu gehören etwa die im November 2002 von Oracle veröffentlichte JSR198 und ein im vergangenen November erschienenes Set von APIs zur einheitlichen Programmierung einer Reihe von Features in den konkurrierenden Application-Servern "Websphere" und "Weblogic".

Angesichts dessen stellt sich die Frage, was Sun dazu bewogen hat, die JTC ins Leben zu rufen - insbesondere, da die McNealy-Firma eine Teilnahme am IBM-getriebenen "Eclipse"-Projekt im vergangenen Dezember erneut abgesagt hatte. Viele sehen darin nur einen weiteren Schritt im schon lange andauernden Kampf zwischen Sun und IBM um die Dominanz über die Java-Community. Suns Keller verteidigte die JCT dahingehend, dass auch IBM problemlos JCT-freundliche APIs implementieren könne, sobald diese vom JCP abgesegnet seien - denn dort sei Big Blue Mitglied. (tc)