Leichtgewichtige Alternative zu Microsoft Sharepoint

Jotspot ist wieder da - als Google Sites

28.02.2008
Google erweitert sein gehostetes Anwendungspaket "Google Apps" um die neue Anwendung "Google Sites", eine leichtgewichtige Alternative zu Microsofts "Sharepoint".

Google Sites ist im Wesentlichen die Wiedergeburt des gehosteten Wiki-Dienstes JotSpot, den Google vor knapp anderthalb Jahren übernommen hatte und nun mit einer erweiterten Architektur präsentiert. Arbeitsgruppen innerhalb einer Firma können damit Websites für die gemeinsame Arbeit an Projekten erstellen. Dazu benötigen sie keinerlei Kenntnisse in HTML oder Web-Design.

Ein in Google Sites angelegtes Beispielprojekt
Ein in Google Sites angelegtes Beispielprojekt

In mit Google Sites erstelle Seiten lassen sich sehr einfach Dateien und Inhalte aus anderen Google-Applikationen und -Diensten einbinden, zum Beispiel Video-Clips aus YouTube, Fotos aus Picasa sowie Texte, Rechenblätter, Präsentationen und Kalender aus Google Apps. Sites wolle damit ein einfachere, skalierbarere und preiswertere Alternative zu Produkten wie Microsoft Sharepoint oder IBM Lotus Notes sein, sagt Matthew Glotzbach, Product Management Director in Googles Enterprise-Sparte.

Google hatte den Wiki-Dienst JotSpot im Oktober 2006 gekauft, für Neuanmeldungen geschlossen und sich zur Zukunft des Service ungewöhnlich bedeckt gehalten. JotSpot-Bestandskunden erhielten zwar weiterhin Unterstützung, beschwerten sich aber teilweise über Hosting-Ausfälle, Performance-Probleme und unzureichende Antworten auf technische Support-Anfragen.

Nach Auskunft eines Google-Sprechers werden die bisherigen JotSpot-Kunden heute über Google Sites informiert. Die meisten JotSpot-Wikis werden auch gleich auf Google Sites migriert. Einige wenige, die über Programmierschnittstellen (APIs) von JotSpot speziell angepasst wurden, können laut Glotzbach allerdings erst später umgezogen werden.

JotSpot war im Jahr 2004 gegründet worden und zum Zeitpunkt der Übernahme bei tausenden Unternehmen im Einsatz. Die Anwender lobten besonders die einfache Nutzung und erweiterbare Architektur. Schon damals konnten Nutzer ohne Programmierkenntnisse damit kollaborative Websites bauen und Anwendungen und Komponenten darein einbetten. Einige dieser Anwendungen werden auf Google Sites portiert, andere fallen nach Angaben des Google-Sprechers weg.

Google Sites fehlen die Programmierschnittstellen, mit denen externe Entwickler Applikationen für JotSpot schreiben und anpassen konnten. Google-Mann Glotzbach gibt an, das Apps-Team woll prüfen, ob Google Sites wieder eine eigene API bekommt. Ganz geschlossen ist der neue Service auch nicht - er kann zumindest "Google Gadgets" ablaufen lassen. Das sind in HTML und JavaScript geschriebene Minianwendungen, die man in Web-Seiten einbauen kann.

Glotzbach zufolge lassen sich mit Google Sites vielfältige Web-Seiten - etwa Intranets, Blogs oder öffentliche Sites - für unterschiedlichste Einsatzzwecke realisieren. Zur Verfügung steht die neue Komponente in den Apps-Ausprägungen "Standard", "Education", "Premier" sowie "Team".

Rebecca Wettemann, Analystin bei Nucleus Research, rät großen Unternehmen für den Einsatz von Google Sites zu einem strukturierten und hierarchischen Vorgehen. "Wie bei jeder anderen Intranet-Strategie auch geht es nicht bloß um das Posten von Seiten, sondern darum sicherzustellen, dass Leute auch die Informationen finden, die sie brauchen", sagt die Expertin. Andererseits werde es sich wohl kaum vermeiden lassen, dass Google Sites in einigen Unternehmen auch ad-hoc und "unterm Radar" eingesetzt werde, weil es so einfach zu benutzen sei.

Die Benutzeroberfläche von Google Sites ist zum Start nur in Englisch verfügbar, die Übersetzung in andere Sprachen ist in Arbeit. Firmen, die Sites sofort nutzen wollen, müssen die Display-Einstellung übergangsweise auf Englisch umschalten, bis ihre Sprache lokalisiert ist. Inhalte lassen sich aber schon jetzt in beliebiger Sprache eingeben. (tc)