Karriere-Ratgeber

Jobwechsler sollen nicht an höheres Gehalt denken

11.11.2010
Wer in die SAP-Beratung einsteigen will, sollte nicht nur ans Geld denken, sagt Karriere-Ratgeberin Yasmine Limberger.

Seit acht Jahren arbeitet ein Wirtschaftsinformatiker im Bereich IT-Schulung. Vor kurzem hat er eine Zertifizierung als SAP-Berater erworben und plant, nächstes Jahr den Job zu wechseln und in die SAP-Beratung einzusteigen. Im Online-Karriere-Ratgeber der COMPUTERWOCHE will er wissen, welche Perspektiven er hat: " Derzeit liegt mein Salär bei 56.000 Euro im Jahr, dementsprechend lohnt sich für mich der Wechsel erst ab 60. 000 Euro im Jahr. Wie und wo sehen Sie meine Chancen?"

Einstieg in die SAP-Beratung?

Yasmine Limberger, bei Avanade Deutschland GmbH verantwortlich für das Personal-Marketing, antwortet: "Als engagierter SAP-Spezialist haben Sie sicher gute Chancen, den Einstieg in die Beratung zu finden. Dennoch sollten Sie gerade zu Beginn realistisch sein. Warum lohnt sich für Sie ein Wechsel erst ab 60.000 Euro im Jahr? Das Gehalt sollte bei einem Wechsel nicht an erster Stelle stehen, sondern die langfristigen Aussichten und der Faktor, ob man seine Erfahrungen und Interessen im neuen Job auch richtig einbringen kann.

Yasmine Limberger, Avanade: "Ein Jobwechsel sollte daher nicht primär dazu dienen, mehr Geld zu fordern."
Yasmine Limberger, Avanade: "Ein Jobwechsel sollte daher nicht primär dazu dienen, mehr Geld zu fordern."
Foto: Yasmine Limberger

Oft beginnt die Karriere im Beratungsunternehmen direkt nach dem Studium beziehungsweise der Fachausbildung. Die meisten Beratungshäuser bieten hier entsprechende Programme an. Selbstverständlich kann man aber auch als erfahrener IT-Spezialist in die Beratung einsteigen. Von Vorteil ist es dabei, wenn man - so wie Sie- bereits Erfahrungen mit Kunden vorweisen kann. Dies sollten Sie neben Ihren technischen Kenntnissen in den Vordergrund stellen. Ein Bonuspunkt sind auch Ihre kommunikativen Fähigkeiten, die Sie als IT-Trainer täglich unter Beweis stellen müssen.

Beachten Sie, dass Sie als IT-Berater dennoch auf ganz neue Herausforderungen treffen werden und Ihr neuer Arbeitgeber in den ersten Monaten ebenfalls ein Investment tätigt, um Sie in die Prozesse und Projekt-Management-Methoden einzuführen. Jeder Kunde hat unterschiedliche Anforderungen. Es gilt, auf diese einzugehen und für den Kunden eine Lösung zu entwickeln, die für ihn auch einen Mehrwert darstellt. Betriebswirtschaftliche Kenntnisse sowie Erfahrungen im Projekt-Controlling werden also gegebenenfalls auch von Ihnen erwartet, wenn man Sie als Experten an Bord holt. Begründen Sie Ihren Wunsch, in die Beratung einzusteigen, mit einer überzeugenden Leidenschaft für das IT-Projektgeschäft.

Die Beratung bietet ein abwechslungsreiches Betätigungsfeld, für das Sie sehr gute Voraussetzungen und Qualifizierungen mitbringen. Dennoch sind auch erfolgreiche Unternehmen heute nicht mehr in der Lage, überdimensionale Gehälter zu zahlen. Ein Jobwechsel sollte daher nicht primär dazu dienen, mehr Geld zu fordern, sondern allgemein mehr Perspektiven bieten.

Wenn Sie im Bewerbungsgespräch nach Ihrem aktuellen Gehalt gefragt werden, stellen Sie dar, wie sich dieses zusammensetzt. Vergleichen Sie das Ihnen angebotene Gehalt auf alle variablen und fixen Komponenten hin. Sicher wollen Sie sich nicht schlechter stellen als zuvor, aber einen Gehaltssprung sollten Sie möglicherweise erst nach sechs bis zwölf Monaten erwarten, wenn Sie in der Beratung Fuß gefasst haben und sich durch Ihre Expertise und guten Leistungen profiliert haben. Fragen Sie daher in der Endphase des Bewerbungsgespräches genau nach, wie Ihre gehaltliche Entwicklung in den nächsten sechs bis zwölf Monaten aussehen kann und wovon etwaige Bonuszahlungen oder Beförderungen abhängen. Je klarer Ihnen eine strukturierte Karriereperspektive beim neuen Arbeitgeber erscheint, umso wohler werden Sie sich fühlen, da Sie den Eindruck haben, dass Ihr Einsatz und Ihre Kompetenz auch anerkannt werden.

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