Leser fragen, Personalexperten antworten

Jobwechsel vom Konzern in den Mittelstand?

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Wer seine Arbeitsstelle wechselt, sollte sich zunächst einige Fragen selbst beantworten, wie der Inhaber des Frankfurter Beratungshauses Systrade, Shahram Rokni. in unserem Karriereratgeber empfiehlt.

Ein Leser steht vor einem Jobwechsel und möchte wissen, worauf er zu achten hat. Er schreibt im Karriere-Online-Forum der CW: "Ich trete in Kürze eine neue Stelle an. Aktuell bin ich als Mitarbeiter bei einem Konzern beschäftigt und übernehme in ein paar Wochen einen neuen Job als Führungskraft bei einem Mittelständler. Der erste Eindruck zählt ja bekanntlich. Welche Tipps haben Sie für mich, um die größten Klippen zu umschiffen?"

Shahram Rokni, Inhaber des Frankfurter Beratungshauses Systrade meint dazu: "Ob Mittelstand oder Großkonzern - es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Bei Konzernen läuft die Einarbeitung nach einer vorgebenenen Struktur zum Beispiel mit gemeinsamen Welcome Days, Paten und Leitfäden. Bei Mittelständlern und kleineren Unternehmen sind die ersten Tage im neuen Job eher ein Sprung in das kalte Wasser.

Shahram Rokni, Inhaber des Frankfurter Beratungshauses Systrade
Shahram Rokni, Inhaber des Frankfurter Beratungshauses Systrade
Foto: Systrade

Mein erster Chef hat mir etwas Wichtiges verraten: um gut miteinander arbeiten zu können, muss die vielzitierte Chemie zwischen den Kollegen aber auch zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern funktionieren. Daher sollten Sie als neuer Kollege, Mitarbeiter und Vorgesetzter erst persönlich und dann fachlich ankommen.

Keine Schonzeit von 100 Tagen

Sie sollten auch wissen, dass die in früheren Zeiten einmal einmal gegoltene 100-Tage-Schonfrist heute nicht mehr gilt. Ein Chef erwartet von seinen Führungskräften und Entscheidern rasche Ergebnisse. Auf der anderen Seite sollten Sie sich in den ersten Tagen in interessierter Zurückhaltung und Beobachtung üben. Wer schon nach wenigen Tagen den Kollegen oder sogar dem Vorgesetzten gegenüber forsch auftritt, hat schnell verspielt.
Mit Verbesserungsvorschlägen halten Sie sich während der ersten Wochen auch besser zurück.

Hören Sie aufmerksam zu und beobachten Sie. Das hilft dabei, Hierarchiestrukturen zu erkennen: Wer geht mit wem und wann in die Mittagspause? Wer ist Ansprechpartner für organisatorische Fragen? Wer ist das"Alphatier" im Team? Das ist natürlich kein einfacher Spagat, den es zu absolvieren gilt: Performance auf der einen Seite und Zurückhaltung auf der anderen. Was da immer helfen kann, ist zwischendurch beim Chef Feedback einholen. Spätestens nach drei Monaten - also nicht erst am Ende der üblichen Probezeit von sechs Monaten - sollten Sie nachfragen, was gut läuft, wo es noch hapert und wie Sie sich verbessern können. Damit klären Sie gleich die Erwartungshaltung des Vorgesetzten ab und können in etwa abschätzen, wie es weitergeht.

Ebenso wichtig ist auch, dass sie rechtzeitig das Gespräch ihren neuen Mitarbeitern suchen: Am besten Sie vereinbaren gleich in der ersten Woche kurze Gesprächstermine, um sich kennenzulernen. Es braucht Zeit, bis Sie sich eine Position innerhalb eines neuen Unternehmens erarbeitet haben. Die einfachste Regel für die ersten Tage im neuen Job lautet daher: Schalten Sie Ihren Menschenverstand ein und beweisen Sie Fingerspitzengefühl. (hk)

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