Jobwechsel: Chancen und Risiken genau abwägen

Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
Pleiten, Entlassungswellen und Fusionen wirbelten die Karriereplanung von vielen IT-Mitarbeitern durcheinander. Deshalb zögern heute viele, einen ungeliebten gegen einen unwägbaren neuen Job auszutauschen.

"Das Jahr 2000 ist als Messgröße ungeeignet; damals reichte es, mit dem Finger zu schnippen, und alle liefen einem hinterher", erzählt der Informatiker Klaus Helling. Auf solche idealen Bedingungen sollten IT-Spezialisten nicht mehr hoffen, wenn sie sich auf Jobsuche begeben. Falls sie das überhaupt tun: So manche IT-Fachkräfte mit einigen Jahren Berufserfahrung sind zurückhaltend geworden, wenn es um eine offensive Karriereplanung geht. Viele beobachten den Arbeitsmarkt genau und überlegen sehr gründlich, ob sie sich um einen neuen Job bewerben. Selbst wenn die Karriereperspektiven im Unternehmen bescheiden oder die Frustration groß sind, fällt die Entscheidung für den Wechsel heute schwerer.

Yasmine Limberger, Avanade: "Viele nehmen Ärger in Kauf, statt nach einer Alternative zu suchen."

Darunter leiden vor allem kleinere, mittelständische oder am Markt noch wenig bekannte Firmen, die neue Mitarbeiter suchen. "Viele nehmen dauerhaften Ärger oder einen Karriereknick beim jetzigen Arbeitgeber in Kauf, statt nach einer Alternative zu suchen", vermutet Yasmine Limberger, verantwortlich für das Recruiting des Beratungsunternehmens Avanade aus Kronberg im Taunus. Avanade sucht verstärkt IT-Mitarbeiter mit einigen Jahren Berufserfahrung, doch viele scheuen das Risiko eines Jobwechsels. Auch Headhunter müssen mehr telefonieren als früher, um Kandidaten zu überzeugen: "Die Wechselbereitschaft ist nicht mehr so hoch", drückt sich der Personalberater Michael Neumann von Nexecute aus Frankfurt am Main vorsichtig aus.

Oft forcieren drohende Kündigungen oder anstehende Umstrukturierungen die Entscheidung, sich nach einem neuen Job umzusehen. Michael Müller arbeitete nach seinem Informatikstudium an der Fachhochschule zunächst im Microsoft-Umfeld. 1998 ließ er sich von einem Headhunter überzeugen, zu einem New-Economy-Unternehmen zu gehen. "Dort habe ich viel Verantwortung bekommen und bin nach vorne gespült worden, ohne über die nötige Berufserfahrung zu verfügen", erzählt der heute 35-Jährige rückblickend. "Ich habe Einblick in unterschiedliche Themen bekommen; doch als betriebsbedingte Kündigungen anstanden, habe ich mich intensiv nach einen neuen Job umgesehen."

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