Tellerjongleure gesucht

Jobsuche zwischen Krisengetöse und Fachkräftemangel

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
In der IT sind Mitarbeiter gefragt, die ihre Branchen- und Technikkompetenz im Team zur Geltung bringen.

Von den Verwerfungen der Wirtschaftskrise bleibt die IT-Branche nicht verschont - oder doch? Die Signale aus dem IT-Arbeitsmarkt sind widersprüchlich und schwer zu verstehen. Einerseits wollen große Arbeitgeber wie SAP und Microsoft viele Arbeitsplätze streichen. Andererseits klagt die Branche nach wie vor über Fachkräftemangel. Angesichts dieser verwirrenden Meldungen ist es für Berufseinsteiger und Jobsuchende schwer abzuschätzen, wo sie einen passenden und zugleich sicheren Arbeitsplatz finden.

COMPUTERWOCHE-Podiumsdiskussion im Jobs & Karrierezentrum auf der CeBIT 2009
COMPUTERWOCHE-Podiumsdiskussion im Jobs & Karrierezentrum auf der CeBIT 2009

Auf dem Forum Jobs & Karriere der diesjährigen CeBIT haben sich Unternehmen und Personalberater in Vorträgen und Diskussionsrunden darum bemüht, Bewerbern Tipps und Orientierung zu geben. Vor allem ordnen die Unternehmen die sich widersprechenden Nachrichten aus der IT-Industrie ein. "Es gibt kaum noch ein Unternehmen, das ohne Informationstechnologie auskommt. Die Zukunft der gesamten Wirtschaft liegt in der Effizienzsteigerung, die die IT schafft. Wir arbeiten in einer wachsenden Branche", betonte Oliver Tuszik, Vorstandsvorsitzender von Computacenter in Deutschland. Die schlechte Nachricht ist, dass das Stellenangebot schrumpft. Laut Bitkom-Zählung gab es im September 2008 etwa 45.000 offene IT-Stellen. Diese Zahl hat sich mittlerweile auf geschätzte 10.000 unbesetzte Arbeitsplätze reduziert.

Anwenderunternehmen bleiben attraktiv für IT-Profis

Die Branche kann sich also den Turbulenzen der Wirtschaftskrise nicht vollends entziehen, eine Arbeitsplatzgarantie will folglich kein Unternehmen aussprechen. Es gibt aber Segmente, die verlässliche Beschäftigung versprechen. Insbesondere die Anwenderunternehmen erweisen sich als sicherer Hafen. Maschinen- und Automobilbauer sowie Unternehmen der Logistikbranche sind zwar vom wirtschaftlichen Abschwung gebeutelt, ihre Investitionen in langfristig wirkende IT-Projekte scheinen aber ungebrochen. "Anwenderunternehmen sind sehr attraktive Arbeitgeber", sagte Stephan Pfisterer, beim Bitkom zuständig für Arbeitsmarktfragen. "Sie bieten Stellen an der Schnittstelle zwischen betriebswirtschaftlichem und informationstechnischem Know-how. Die Mitarbeiter eignen sich eine Branchenkompetenz an, die sehr gefragt ist." Auch Jobs im IT-Betrieb scheinen vorerst sicher: Die laufende Wartung, Aktualisierung und Pflege der produktiven IT ist wichtig. Zudem sind die Arbeiten und Abläufe häufig bereits sehr effizient gestaltet. "Diese Aufgaben sind nicht so stark konjunkturanfällig", wagte der Bitkom-Manager eine Prognose.