Produkte einer neuen Generation

Java-Tools erstellen Datenbankanwendungen

25.04.1997

Am weitesten geht wohl die Steam Communications Inc. http://www.steamcom.com mit ihrem Vertrauen in Javas Leistungsfähigkeit: Die kalifornische Startup-Company bietet eine relationale Datenbank an, die vollständig in Suns Programmiersprache entwickelt wurde. Allerdings positioniert sie das als "lightweight" beworbene Datenbank-Management-System (DBMS) für Einsatzgebiete mit mäßigen Anforderungen. Das Produkt mit einem Speicherbedarf von nur 160 KB unterstützt neben den Standarddatentypen auch Binary Large Objects (BLOBs).

Mehrere Tools für Three-tier-Architektur

Keinerlei Einschränkung in puncto Skalierbarkeit sehen Anbieter von Java-Entwicklungswerkzeugen, mit denen sich wahlweise dreistufige Client-Server-Anwendungen erstellen lassen.

Besonders für hohes Transaktionsaufkommen gerüstet sieht sich die Kiva Software Corp. http://www.kivasoft.com mit ihrem "Enterprise Server". Es handelt sich dabei um einen Applikations-Server, der für Sun Solaris, HP-UX und Windows NT verfügbar ist. Das Produkt verfügt über native Treiber für die gängigsten SQL-Server und unterstützt zudem ODBC. Client-Software kann mit verschiedenen Sprachen oder Tools erstellt werden, für die Programmierung von Java-Front-ends bietet der Hersteller eine Klassenbibliothek an.

Völlig in Java gehaltene Lösungen offerieren bereits mehrere Firmen. Eine weitere Startup-Company in diesem Umfeld, die Bulletproof Corp. http://www.bulletproof.com , vertreibt mit "Jdesigner Pro" bereits die Version 2.0 ihres Entwicklungswerkzeuges. Es handelt sich dabei nicht um ein Allzweck-Tool für Java, vielmehr ist es auf die Erstellung von Datenbank-Front-ends spezialisiert. Über visuelle Methoden lassen sich diese schnell für ODBC- und JDBC-kompatible Datenquellen zusammenbauen. Die aktuelle Version unterstützt alle Funktionen des Java Development Kit (JDK) 1.1, darunter auch Javabeans.

Eine andere Neugründung, die Infoscape Inc., http://www.infoscape.com wartet ebenfalls mit einer völlig in Java gehaltenen Lösung auf. Der Hersteller bezeichnet "Fresco" als ein Rapid-Application-Development-(RAD-)Tool, das dreistufige Anwendungen für das Web erzeugen kann. Das Produkt besteht aus einem GUI-Designer, einem Applikations-Server namens "Information Server" und sogenannten "Adaptern" für die Datenbankanbindung. Beim Start der Anwendung lädt der Client nicht das ganze Java-Front-end herunter, sondern nur eine "Application Engine". Ihre Aufgabe besteht darin, zusätzliche Module bei Bedarf vom Information Server nachzuladen. Trotz der Möglichkeit, Code auf den Client auszulagern, läuft bei einer typischen Fresco-Applikation der Großteil der Logik am Server ab. Ist die Verbindung zwischen Client und Server hergestellt, dann wickeln beide die Kommunikation ohne Dazwischentreten eines Web-Servers direkt ab - anstelle von HTTP kommt allerdings ein leistungsfähigeres proprietäres Protokoll zum Einsatz.

Ein weiteres komplett in Java ausgeführtes Tool zur Erstellung von Three-tier-Anwendungen bietet die Apptivity Corp. http://www.apptivity.com an. Das gleichnamige Produkt besteht aus einer visuellen Entwicklungsumgebung und einem Applikations-Server. Entwickler können innerhalb der Programmierumgebung für jedes Java-Modul festlegen, ob es am Client oder am Server ablaufen soll. Letzterer ist multithreaded und bietet Funktionen für das Load-Balancing zwischen mehreren Instanzen an. Für den Datenbankzugriff unterstützt Apptivity JDBC. Auch diese Anwendungsarchitektur nutzt HTTP nur für das Herunterladen des Client-Codes, anschließend baut dieser eine direkte, leistungsfähige Verbindung zum Server auf.

Nach tropischen Früchten benennt die ebenfalls kalifornische Thought Inc. http://www.thoughtinc.com ihre Produkte. Neben Klassenbibliotheken wie "Vanilla Search", "Nut Meg" oder "Cinna Money" (Zimtgeld) bietet der Hersteller mit "Coco Base" eine Java-Middleware an. Die Software unterstützt JDBC, Remote Method Invocation (RMI) und Corba für den Zugriff auf unterschiedliche Datenquellen. Ein grafisches Point-and-click-Tool erlaubt auch Nicht-Programmierern die Erstellung von Datenbank-Clients. Beeindruckend ist die Möglichkeit, daß Datenobjekte während der Laufzeit auf neue Datenbankfelder oder -tabellen gerichtet werden können, ohne daß die Anwendung neu kompiliert werden müßte. Eine ebenfalls erhältliche Lite-Version wurde von Javasoft in Lizenz genommen.

Auf Anwendungsmodule konzentriert sich die Sanga International Corp. http://www.sangacorp.com mit ihren gleichnamigen "Enterprise Solutions". Nach Angaben des Herstellers handelt es sich dabei um eine Reihe von Java-Modulen für transaktionsintensive Geschäftsanwendungen. Darunter fallen das "Data Source Module" für den Zugriff auf eine Vielzahl von Datenquellen (auch auf Mainframes), "Transaction Logger" für Protokollieraufgaben, "Business Logic" mit Schablonen für Geschäftsregeln, "User Interface" zur Erstellung von grafischen Benutzerschnittstellen oder das "Security Module" zur Verschlüsselung.

Neben der Neuentwicklung von Datenbankanwendungen in Java konzentrieren sich Anbieter von Java-Tools auf die Öffnung von Host-Anwendungen Richtung Intranet. Die Openconnect Inc. http://www.openconnect.com , XDB Systems http://www.xdb.com und die Client Server Technology Inc. http://www.cst.com bieten Produkte zur Erstellung von Java-Front-ends an, mit denen auf Legacy-Applikationen zugegriffen werden kann. Das letztgenannte Unternehmen ist mit "Jacada" in der Lage, aus der 3270-Datenströmen die Funktionstastenbelegung der Altanwendung zu ermitteln und auf Basis dieser Informationen eine Java-Applikation zu generieren. In weiterer Folge findet keine dynamische Konvertierung von 3270-Strömen statt, das Java-Front-end tauscht mit dem dazugehörigen Applikations-Server nur mehr Daten aus. Die 3270-Kommunikation erfolgt ausschließlich zwischen diesem Server und dem Host.