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Java One: HP und Dell packen Java auf ihre PCs

12.06.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Mit HP und Dell hat Sun die beiden weltgrößten PC-Hersteller überzeugen können, ihre Rechner künftig mit Java auszuliefern. Die Verbreitung von Java auf dem Desktop hatte Ende 2001 einen ordentlichen Dämpfer erhalten, nachdem Microsoft entschieden hatte, Windows XP nicht länger mit Java auszuliefern. Dem war wiederum ein langwieriger Rechtsstreit mit Sun vorausgegangen, als dessen Resultat Microsoft von der aktuellen Java-Weiterentwicklung ausgeschlossen worden war.

Sun hatte Microsoft verklagt, weil der Redmonder Konzern eine speziell für Windows getunte Java Virtual Machine entwickelt und damit aus Sicht der McNealy-Firma das Java-Grundkonzept der Plattformunabhängigkeit untergraben hatte. Im Januar dieses Jahres verhängte zuletzt ein Gericht eine einstweilige Verfügung gegen Microsoft, Windows mit Suns virtueller Maschine auszuliefern. Diese wurde allerdings aufgrund einer anhängigen Berufung Microsofts vorläufig ausgesetzt.

HP wird ab dem dritten Quartal 2003 alle seine Windows-Desktops und -Notebooks sowohl für Firmenkunden als auch für Consumer mit Java ausliefern; Dell macht die Sun-Technik zum Standard für Systeme mit Windows oder Linux als Betriebssystem (hier ist noch kein Termin bekannt). "Die erzielte Übereinkunft ist weitreichend", freute sich Java-Erfinder James Gosling. "Das ist eine enorme Chance". Apple liefert Mac OS X bereits seit geraumer Zeit mit integriertem J2SE aus, auch Red Hat und Lindows.com haben bereits Partnerschaften mit Sun.

Suns Softwarechef Jonathan Schwartz erwartet nun einen regelrechten "Dominoeffekt", infolgedessen noch zahlreiche weitere PC-Hersteller auf den Java-Zug aufspringen. Überbewerten sollte man die aktuellen Deals aber sicher nicht - die mangelnde Verbreitung von Java auf dem Desktop kann nicht allein an den Konflikten zwischen Sun und Microsoft liegen. Andere Software, die nicht Bestandteil von Windows ist - man denke etwa den Shockwave-Player von Macromedia, den Real Player oder Quicktime - haben sich Nutzer auch immer installiert, wenn sie das Bedürfnis danach verspürten. "Ich habe nie von einem unserer Nutzer gehört, dass ihr Zögern gegenüber Java daran gelegen hätte, dass es nicht in ihrem Betriebssystem enthalten war", meint dann auch Analyst Nick Gall von der Meta Group. (tc)