2D-Code als Schnittstelle zwischen Grabstein und Handy

Japanische Gräber docken an das Internet an

07.04.2008
Von pte pte
Das japanische Beerdigungsunternehmen Ishinokoe hat spezielle Grabsteine im Programm, die über Strichcodes mit Mobiltelefonen kommunizieren können.

Hintergrund des (leicht bizarren) Angebots ist die Möglichkeit, dass Menschen vor Ort am Grab Informationen über einen Verstorbenen aufrufen können. Der Barcode dient dazu, den Link zur virtuellen Trauerseite im Web auf das Handy zu übertragen. Fotos, Videos oder Geschichten, die an den Toten erinnern, können somit sofort online abgerufen werden. Zum Einsatz kommt bei den Internet-Grabsteinen ein sogenannter QR-Code. Dabei handelt es sich um einen 2D-Code, der mit der integrierten Handykamera abfotografiert wird. Eine entsprechende Handysoftware wertet die Informationen aus und ruft den im Code hinterlegten Link am Mobiltelefon auf.

Ishinokoe stellt mit dem Grabstein auch ein virtuelles Profil zur Verfügung. Neben den Erinnerungen an den Verstorbenen befinden sich dort beispielsweise auch Besucherlisten. Mit dem neuen Angebot will das Beerdigungsunternehmen den Friedhofsbesuch zeitgemäßer gestalten. Oft beschränke sich ein Friedhofsbesuch auf wenige Minuten, in denen Kerzen angezündet oder Blumen niedergelegt werden. "Wir hoffen, dass unser Trauerservice nicht nur für unsere Kunden zur Verfügung steht, sondern die gesamte Bestattungsindustrie verändert wird", sagt Yoshitsugu Fukuzawa, der Chef des Unternehmens. Hinterbliebene können somit bei jedem Besuch am Grab Erinnerungen aufrufen. Als primäre Zielgruppe für die neue Art des Andenkens sieht Fukuzawa die jüngere Generation. Das Hightech-Grab kostet rund eine Million Yen (umgerechnet 6.200 Euro).

In Japan und Korea sind die 2D-Codes weit verbreitet und werden von den Menschen gut angenommen. Die Codes finden jedoch auch in Europa eine zunehmende Anhängerschaft. Bekannt sind sie beispielsweise von Briefen, die mit der Deutschen Post versendet werden. Dort wird "Stampit" als elektronisch lesbare Briefmarke verwendet. Unter dem Namen "Mobile Tagging" bietet das Schweizer Transportunternehmen PostAuto die Möglichkeit, direkt am Handy mithilfe von Bildcodes Fahrplanabfragen zu starten. In den USA integriert das Unternehmen ShopText 2D-Codes in Zeitungsinserate und ermöglicht Kunden, die Produktinformationen automatisch auf das Mobiltelefon zu übertragen und per SMS zu bestellen. (pte)