Nach erneutem Dumping-Vorwurf:

Japan und USA einigen sich im Chip-Konflikt

08.08.1986

TOKIO/WASHINGTON (CW) - Mit einem bilateralen Abkommen haben die Regierungen der USA und Japans einen vorläufigen Schlußstrich unter die Querelen auf dem Halbleitermarkt gezogen. Wer weiterhin Chips in die USA exportieren will, muß dem Tokioter Handelsministerium seine Preiskalkulation offenlegen.

Erst Mitte Juli hatten die zu den Marktführern gehörenden US-Firmen Intel, National Semiconductor und Advanced Micro Devices den Vorwurf ihres Industrieverbands SIA erneuert, die japanischen Importeure machten mit Dumpingpreisen den Markt kaputt. Um 25 Prozent hätten die fernöstlichen Konkurrenten schon wieder ihre 256-K-Eproms verbilligt. Mit dem aktuellen Preis von 3,25 Dollar verlangten sie nur ein Drittel dessen, was die Herstellung in den USA koste.

Der jüngste Vorstoß der industriellen Pressuregroup beim US-Handelsministerium scheint sich jetzt ausgezahlt zu haben. Die Regierungen wurden handelseinig: So schnell wie möglich soll jetzt eine Liste der am härtesten umkämpften Chip-Typen aufgestellt werden. Dem Vernehmen nach stehen 64-K-Epross und 256-K-Drams ganz oben auf der Prioritätenskala der US-Industrie. Dem japanischen Industrie- und Außenhandelsministerium (MITI) fällt die Aufgabe zu, die Herstellungskosten und die Exportpreise zu überwachen. Wer unter Selbstkosten anbietet, wird vor den Kadi zitiert. Die tatsächliche Preisgestaltung in den USA wird das Commerce Department in Washington im Auge behalten.

Die Vereinbarung rief inzwischen EG-Kommissar Karl Heinz Narjes auf den Plan. Er will prüfen lassen, ob sie mit dem Handelsabkommen GATT vereinbar ist.