Itil-Siegel schafft zu wenig Transparenz

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Die meisten IT-Ausschreibungen setzen heute beim IT-Dienstleister Itil-konforme Prozesse voraus. Der Standard BS 15 000 soll Itil zertifizieren. Das gelingt jedoch nur teilweise.

Hier lesen Sie ...

  • was der Standard BS 15000 beinhaltet;

  • welche Bedeutung er hat;

  • welchen Nutzen er Anwendern bietet;

  • wo seine Grenzen liegen;

  • warum ein entsprechendes Zertifikat wichtig für Service-Provider ist.

Mit dem British Standard 15000 (BS 15000) gibt es eine weltweit anerkannte Norm, mit der sich IT-Dienstleistungen zertifizieren und überprüfen lassen. Sie basiert zu großen Teilen auf dem in Großbritannien entwickelten Handbuch "IT Infrastructure Library" (Itil), das sich in Europa und insbesondere in Deutschland als De-facto-Standard für die Betriebsabläufe in IT-Abteilungen etabliert hat.

Service-Provider sind heutzutage gezwungen, Itil-konforme Lieferprozesse zu implementieren, denn in den meisten Ausschreibungen werden entsprechend aufgestellte Lieferprozesse vorausgesetzt. Der Nachweis darüber, dass Lieferprozesse den Itil-Anforderungen entsprechen, ist aufwändig. "In der Regel weisen Service-Provider ihre Itil-Konformität mit langen Beschreibungen nach. Wie will eine Anwenderorganisation diese mit anderen Antwortschreiben vergleichen?", fragt Simon Mingay, Research Vice President bei Gartner. BS 15000 schafft hier Abhilfe.

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass Outsourcing und IT-Dienstleister ohne BS-15000-Zertifikat künftig Services verkaufen können", orakelt Stefan Elbs, IT-Leiter bei BT Germany, dem eigenen Angaben zufolge ersten deutschen IT-Dienstleister mit BS 15000-Nachweis. Ausgestellt hat das Zertifikat die TÜV Süd Gruppe aus München, und auch dort ist man von der Bedeutung des britischen Standards überzeugt: "BS 15000 macht Itil zertifizierungsfähig", betont Hugo Atzmüller, Lead-Auditor beim technischen Überwachungsverein. "Der Standard hat sich schon zu einem Marktrenner entwickelt."

Immerhin hat er bereits so viel Aufmerksamkeit erfahren, dass die International Standardization Organsiation (ISO) sich mit ihm beschäftigt und ihn zu einer international gültigen Norm erheben will. Gartner-Analyst Mingay und andere Marktbeobachter rechnen mit der Verabschiedung des Standards ISO 20000 bereits im kommenden Jahr. Doch Mingay warnt angesichts dieser Anerkennung vor allzu hohen Erwartungen: "BS 15000erhöht die Wahrscheinlichkeit für Anwender, qualitativ hochwertige Dienste vom Service Provider zu beziehen. Er gibt aber keine Garantie dafür, sondern belegt lediglich, dass bestimmte Prozesse angenommen wurden."