Zertifikat - und nun? (Teil 1)

Itil - nur im Rahmen sinnvoll

08.03.2010 | von 
Christoph Dewey
Managing Partner bei Dewey & Partner in München
Viele Unternehmen lassen ihren IT-Betrieb nach gängigen Standards oder Best Practices zertifizieren. Aber das allein bringt keinen Vorteil.
Foto: Pixelio/Wes
Foto: Pixelio/Wes
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Während der zurückliegenden fünf Jahre hat fast jede IT-Organisation in Konzernen und großen Mittelstandunternehmen Prozessinitiativen gestartet, die auf den effizienten und störungsfreien Ablauf von Projekten oder IT-Prozessen zielten. Die Vorhaben orientierten sich meist an Best Practices und Quasistandards wie Itil, Prince2, Cobit, BS 15000 oder ISO 20000.

Die Initiativen haben unterschiedliche Ziele. Oft dienen sie dazu, gesetzliche Compliance-Anforderungen zu erfüllen. Ein Itil-Projekt soll häufig sicherstellen, dass alle an einem IT-Service Beteiligten dieselbe Sprache sprechen. Ein wichtiger Grund für solche Vorhaben ist auch der, Best Practices übertragbar und Benchmarks aussagefähig zu machen.

Aber die Marktstandards haben auch einen Nachteil: Sie verleiten die Unternehmen dazu, das Thema Prozess-Management auf die Formalisierung und die Zertifizierung beziehungsweise den Audit der Prozesse zu begrenzen.

Prozessdesign ist die leichtere Übung

Die Standards vereinfachen vor allem das Prozessdesign. In den meisten Fällen werden die Abläufe also möglichst nah am Standard modelliert, trainiert und eingeführt. Damit erreichen sie bei einem Audit nach CMMI (Capability Maturity Model Integration) aber höchstens den Reifegrad 3. Unerreicht bleiben die Stufen 4 und 5, die für das quantitative und qualitative Messen und Managen der Prozessleistung stehen.

Das fällt umso mehr ins Gewicht, als das Prozessdesign nur etwa 20 Prozent des Gesamtaufwands in derartigen Initiativen ausmacht. Die Aufwandsersparnis ist also begrenzt. Der tatsächliche Kraftakt besteht in der - für eine Zertifizierung notwendigen - Implementierung der Prozesse. Und genau hier sind die Grundlagen für ein Performance-Management zu legen. Eine Rückbesinnung auf die Ziele von TQM (Total Quality Management) im Allgemeinen und die des Prozess- und Performance-Managements im Speziellen tut Not.

COMPUTERWOCHE-Serie: "Zertifikat - was nun?"

Dieser Artikel gehört zu einer dreiteiligen Serie. Sie widmet sich folgenden Themen:

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