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Itanium 2: Was er wirklich leistet

09.07.2002
Erste Benchmark-Ergebnisse erlauben es erstmals, die neue IA-64-Generation leistungsmäßig einzuordnen. Die McKinley-Zahlen können sich sehen lassen.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Zum gestrigen Launch des "Itanium 2" wurden für den neuen Intel-Chip erstmals Ergebnisse in Industrie-Standard-Benchmarks veröffentlicht. Konkurrenten und Anwender werden somit erstmals in die Lage versetzt, die zweite IA-64-Generation im Vergleich zu RISC/Unix, IA-32 und anderen Alternativen im Server-Markt einzuordnen.

Nach Einschätzung von "Computerwire" stellt sich die Lage für die zweite Itanium-Generation deutlich rosiger dar als für den "Merced"-Vorgänger, sowohl was die Leistung für technische und kommerzielle Workloads betrifft als auch in puncto Preis-Leistungsverhältnis.

Integer: Nur der Power4 ist schneller

Von Seiten Intels stehen zwar noch Benchmark-Ergebnisse für die beiden populären generischen Test des SPEC aus, HP ließ aber bei der Vorstellung seiner Itanium-2-Hardware einige Eckdaten durchsickern. Im SPECint2000-Integer-Benchmark sei der McKinley mit 1 Gigahertz Taktfrequenz (und aller Wahrscheinlichkeit nach 3 MB L3-Cache) 1,1 mal so schnell wie der "Athlon XP 2100+" von AMD mit 1,67 Gigahertz pyhsikalischer Taktung, 1,2 mal so schnell wie Intels eigener Pentium 4 "Xeon MP" mit 1,6 Gigahertz sowie 1,3 mal so leistungsfähig wie der "Ultrasparc III" von Sun mit 1,05 Gigahertz Taktrate.

Floating Point: Itanium 2 rules

HP musste einräumen, dass der Itanium 2 nur rund 90 Prozent der Integer-Leistung des "Power4" von IBM erreicht. Dafür trumpft er im Fließkomma-Bereich so richtig auf und übertrift den Athlon MP um das 2,1-fache, den Power4 um das 1,1-fache, ist 2,1 mal so leistungsfähig wie Intels eigener Pentium-4-Xeon und 1,7 mal besser als Suns Ultrasparc III (Taktraten jeweils wie oben angegeben). Wie genau HP diese Werte ermittelt hat, blieb indes unklar - Intel beispielsweise muss den Xeon MP selbst noch der SPEC-Suite unterziehen, und aus den auf der SPEC-Site veröffentlichten wenigen Daten lässt sich keines der genannten Verhältnisse herleiten.

Web-Server: Alpha und Ultrasparc sehen alt aus

HP gab ferner an, sein neuer Vier-Wege-Server "rx5670" komme im Webserver-Test SPECweb99 auf rund 1520 gleichzeitige Verbindungen mit SSL-Verschlüsselung (Secure Sockets Layer). Mit diesem Wert läge das System weit vor beispielsweise vor einem Vier-Wege-Alpa-Server "ES40" mit 833-Megahertz-CPUs (500 simultane Verbindungen) oder einem "Sunfire V480" mit ebenfalls vier 900 Megahertz schnellen Ultrasparc-III-CPUs (568 simultane Verbindungen).

SAP SD: Merced und Xeon MP abgehängt

Was das Zusammenspiel mit der Unternehmenssoftware SAP R/3 betrifft, so bedient der rx 5670 mit vier 1 Gigahertz schnellen McKinleys laut HP 470 gleichzeitige Nutzer im SD-Benchmark (Sales and Distribution). Das wäre mehr als doppelt so viel Leistung wie bei Compaqs "Proliant DL590" mit vier 800 Megahertz schnellen Merceds (200 SD-User) und immer noch 1,5 mal mehr Power als beim "xSeries 440" von IBM mit "Summit"-Chipsatz und auf 1,5 Gigahertz getakteten "Xeon-MP"-Prozessoren (315 SD-User).

TPC-C: Seltsamer Preisnachlass

Für kommerzielle Anwender wohl am interessantesten dürften die veröffentlichten und geprüften Resultate sein, die HP für seine Itanium-2-Server im OLTP-Benchmark (Online Transaction Processing) TPC-C in Kombination mit dem Betriebssystem Windows 2000 Advanced Server und der Datenbank SQL Server Enterprise Edition von Microsoft erzielt hat: Der "rx2600" mit zwei 1 Gigahertz schnellen McKinleys, 12 GB Hauptspeicher und 3 TB Plattenkapazität erreichte hier 40.612 tpmC (Transactions per Minute) bei einem Preis-Leistungsverhältnis von 5,72 Dollar pro tpm. Dieser Preis berücksichtigt laut HP allerdings einen nicht näher bezifferten Rabatt für den Kauf über HP Direct, der das Resultat nicht unbedingt seriöser macht.

Zum Vergleich: Der Proliant DL580 G2 mit 1,6 Gigahertz schnellen Xeon MPs und den 32-Bit-Versionen der gleichen Software kommt auf 48.911 tpmC und einen Kostenfaktor von 6,56 Dollar pro tpm. IBMs x440 mit gleichen Chips und gleicher Software landet bei 55.139 tpmC und Kosten von 6,98 Dollar/tpm. Dells "Poweredge 6650" mit ServerWorks-Chipset "Grand Champion" erreicht nur 34.819 tpmC; HPs eigener "rp5470" mit auf 550 Megahertz getakteten "PA-8600"-Prozessoren schaffte Ende 2000 34,289 tpmC zu einem Preis von über 15 Dollar/tpm.

Nicht unerwartet kommt HPs neuer Vier-Wege-Bolide im TPC-Test auf die fast doppelte Leistung des kleineren Bruder; der "rp5670" landet bei 78.455 tpmC und einem Preis pro tpm von 5,12 Dollar (ebenfalls wieder inklusive des ominösen HP-Direct-Abschlages). Ein "Poweredge 8450" von Dell mit 900 Megahertz schnellen Pentium-III-Xeons schafft 69.902 tpmC bei Kosten von 8,46 Dollar pro tpm. Leider haben bislang weder IBM noch Sun ihre neusten Power4- und Ultrasparc-III-Server in Vier- oder Acht-Wege-Konfigurationen nach TPC-C getestet, sodass hier zum jetzigen Zeitpunkt ein Vergleich noch schwer zu ziehen ist. (tc)