Konsolidierung und Virtualisierung

IT-Zentralisierung ist wieder en vogue

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Anzeige  Der anhaltende Kostendruck zwingt Unternehmen, verteilte IT-Ressourcen wieder zusammenzufassen.

Schon seit Jahrzehnten schwingt das Pendel in der Unternehmens-IT zwischen einer zentralen Organisation und verteilten Ressourcen mit kleinen Gruppen in jedem Geschäftsbereich hin und her. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten und dem damit einhergehenden Kostendruck bekommen die Protagonisten der zentralisierten IT wieder Oberwasser. Werden IT-Ressourcen an einem Ort zusammengefasst, lassen sich viele neue Techniken und IT-Betriebsmodelle einfacher nutzen, beispielsweise die Virtualisierung, die Deduplizierung im Storage-Bereich oder auch Cloud Computing und diverse Formen des Outsourcings. Sie alle versprechen niedrigere Gesamtkosten.

Befürworter einer zentralen IT-Organisation führen noch weitere Vorzüge ins Feld. So lasse sich beispielsweise eine Disaster-Recovery-Strategie einfacher umsetzen, wenn IT-Ressourcen an einem Ort zusammengefasst sind, redundante Stellen für IT-Mitarbeiter fielen weg. Zudem könnten IT-Verantwortliche mit den Herstellern Mengenrabatte aushandeln, die Wartungsaufwendungen drücken und am Ende sogar Schulungskosten sparen, wenn die zentralen IT-Systeme stark standardisiert sind.

Vieles deutet darauf hin, dass Entscheider in Unternehmen vor diesem Hintergrund tatsächlich wieder verstärkt auf eine zentrale IT setzen. In einer aktuellen Erhebung der CW-Schwesterpublikation COMPUTERWORLD gaben 37 Prozent der 312 befragten Manager an, ihre IT-Ressourcen würden in den kommenden zwölf Monaten stärker zentralisiert. Noch deutlicher wird der Trend in einer Befragung unter 2500 CIOs weltweit, die IBM im vergangenen Jahr organisierte. Demnach erwarten 76 Prozent eine "stark zentralisierte IT-Infrastruktur" innerhalb der nächsten fünf Jahre (siehe dazu auch: IT-Kompass 2010 - die Anwenderstudie von IDC und COMPUTERWOCHE).

Im eigenen Unternehmen hat IBM im vergangenen Jahr eine umfassende Zentralisierung der IT abgeschlossen. Der Konzern verringerte die Zahl seiner Data Center von 155 auf fünf, das Portfolio der eingesetzten Anwendungen schrumpfte von 15.000 auf 4500. Ähnlich radikal gingen die Branchenschwergewichte Hewlett-Packard und Intel die Modernisierung ihrer IT-Landschaften an.

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