Rudolf Schwarz / Migros

IT-Systeme sichern schnellen Nachschub

Ina Hönicke ist freie Journalistin in München.
Lücken in Supermarktregalen gibt es in den 600 Migros-Filialen nicht. Einheitliche IT-Systeme sorgen für reibungsloses Nachbestellen.

IT-Projekte unterschreiten selten den Zeit- und noch seltener den Kostenrahmen. Umso erfreulicher fällt die Bilanz für Rudolf Schwarz und sein größtes Projekt, die IT-Vereinheitlichung im Migros-Kerngeschäft, aus. Die war nicht nur zehn Prozent billiger als geplant, sondern zwei Jahre vor Projektende fertig. "Das erfüllt uns mit gewissem Stolz", sagt Schwarz. Mittlerweile laufen in allen zehn Einzelhandelsgenossenschaften, die ihrerseits insgesamt 600 Filialen besitzen, und bei 14 Lebensmittelherstellern IT-Prozesse, angefangen von der Warenwirtschaft über Finanzen und Rechnungswesen bis zur Personaladministration einheitlich auf SAP-Basis.

Erfolgsbausteine

- IT-Vereinheitlichung im Migros-Kerngeschäft;

- Zentralisierung der IT-Services;

- SAP-Retail-Projekte für Food- und Non-Food-Sortiment;

- Synchronisation von Prozess- und IT-Nutzen;

- Strategische Landkarte der Migros IT-Services.

Gleichzeitig zentralisierte Schwarz die IT-Services inklusive Betrieb in Competence Centers. Die Struktur des genossenschaftlich organisierten Migros-Verbundes barg einige Hürden: Da die Genossenschaften gleichzeitig Besitzer der Migros-Konzernzentrale sind, mussten die einzelnen Vertreter erst überzeugt werden: "Alle Systeme - egal ob für Trocken-Sortimente oder Non-Food - waren irgendwie unter einen Hut zu bringen. Einfach war das nicht." Ein weiteres Problem sei gewesen, dass an den zentralen Systemen 600 Filialen hängen.

Heute steuert die Zentrale fast den gesamten Nachschub. Ausnahme bilden die Frische-Sortimente. Für Schwarz war es wichtig, auch die Beschäftigten zu überzeugen, dass neue Lösungen nicht dafür eingesetzt würden, Mitarbeiter abzubauen. Stattdessen sollte die gewonnene Zeit dem Kunden zugute kommen. Zu den Vorteilen des neuen Systems gehöre zudem die höhere Warenverfügbarkeit. Dank automatisiertem Warennachschub habe Migros die Bestände reduzieren können. Der Schweizer Manager: "Die Ware, die heute verkauft wurde, schieben wir am nächsten Tag nach." Ein solch flexibles System sei im Einzelhandel revolutionär. Die volle Durchgängigkeit der Systeme von der Produktion bis zum Handel bietet laut Schwarz eine gute Ausgangslage, um neue Technologien wie RFID einzusetzen. Über diese denkt Migros mit Hilfe von Experten der SAP AG und der Universität St. Gallen in einem eigenen Labor nach, zurzeit steht das Thema "Artikel-Tagging" auf der Agenda.

Zur Person

- seit 1998 CIO und Leiter IT-Services beim Migros Genossenschafts-Bund, Zürich;

- 1995-1998 Leiter Finanzen und Informatik und Stellvertreter des Geschäftsleiters bei der Migros-Genossenschaft Winterthur/Schaffhausen, Winterthur;

-1985-1995 Leiter Finanzen und Informatik und Stellvertreter des Unternehmensleiters bei der JOWA AG, Großbäckereien, Volketswil;

-1978-1984 Leiter Finanzen/Informatik bei der Limmatdruck AG, Spreitenbach;

- 1969-1977 Leiter Rechnungswesen, dann Interne Revision bei Volg in Winterthur;

-1977 Abschluss Fachdiplom zum eidgenössisch diplomierten Experten in Rechnungswesen und Controlling.

Auch wenn Schwarz in jungen Jahren noch keine so ganz klare Vorstellung darüber hatte, welcher Beruf ihn am meisten interessiert, so war ihm eines klar - dass er Chef werden will. Diesen Wunsch hat er sich bei Migros IT-Services auf jeden Fall erfüllt.