Neue Strategien sind gefragt

IT-Services im Wandel der digitalen Transformation

Daniel Liebhart ist Dozent für Informatik an der ZHAW (Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften) und Solution Manager der Trivadis AG. Er ist Autor verschiedener Fachbücher.
Der Schritt von der Industrialisierung der IT zur Digitalisierung hat weitreichende Konsequenzen für IT Organisation und deren Services. Angesichts der anstehenden Integration neuer Technologien gilt das optimale Betriebsszenario zu finden. Um dies zu realisieren, ist ein guter Mix zwischen internen und extern erbrachten Leistungen gefragt.

"Wie wir mit einander kommunizieren, wie wir lernen, wirtschaften, arbeiten - das Alles durchdringt der digitale Wandel", sagte die Bundeskanzlerin zur Cebit 2015. Die Digitalisierung basiert auf der vollständigen Vernetzung von Menschen und Maschinen. Sie verändert die Art und Weise, wie Unternehmen mit der Welt interagieren. Es kann jederzeit und überall gearbeitet werden, Kunden werden direkter angesprochen und sogar in interne Entscheidungen eingebunden. Produkte werden durch ganze Unternehmensnetzwerke immer automatisierter und flexibler in kleineren Stückzahlen gewinnbringend hergestellt.

Um ein Unternehmen auf die nächste Stufe der digitalen Transformation zu bringen, gilt es vorab einige Fragen zu klären.
Um ein Unternehmen auf die nächste Stufe der digitalen Transformation zu bringen, gilt es vorab einige Fragen zu klären.
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Darüber hinaus wird in naher Zukunft eine Vielzahl neuer Geschäftsmodelle möglich. Die Informationstechnologie und deren Innovationsfähigkeit avancieren zu entscheidenden Wettbewerbsfaktoren. Das hat Konsequenzen auf die Art und Weise, wie die unternehmensinterne IT betrieben wird.

Grundlegende Strategie gefragt

Mobile Workspace, Big Data, Internet der Dinge - das sind nur drei neue Technologien, die sich dank der vollständigen Vernetzung im Moment sehr schnell entwickeln. Sie versprechen enorme Produktivitätssteigerungen oder eine signifikante Senkung von Betriebskosten und viele Unternehmen werden bestrebt sein, von diesen Vorteilen möglichst zeitnah zu profitieren. Dazu müssen diese Technologien jedoch in langjährig gewachsene IT-Landschaften und Betriebsorganisationen integriert werden.

Diese Integration ist eine enorme Herausforderung, denn sie macht die unternehmensinterne IT zum integralen Bestandteil der digitalen Welt - mit allen Vorteilen und Risiken. Deshalb muss eine sinnvolle IT-Strategie gefunden werden.
Dazu bieten sich drei idealtypische Ansätze an:

  • Mit einer innovativen Unternehmens-IT wird versucht, sämtliche neue Technologien vor allem durch interne Services abzudecken. Man etabliert die Standardisierung der Rollout- und Betriebsprozesse mit dem Ziel, eine sehr agile Anwendungslandschaft bereitzustellen, die jederzeit Erweiterungen durch neue Technologien erlaubt.

  • Mit einer virtuellen Unternehmens-IT wird die bestehende IT mit Cloud Services erweitert - und damit versucht, die eigenen Systeme auf die Endgeräte der Mitarbeitender zu reduzieren. Mit diesem Vorgehen wird die bestehende Systemlandschaft schrittweise durch externe Dienste abgelöst.

  • Eine flexible Unternehmens-IT kombiniert beide Ansätze. Das Ziel dieser Strategie besteht darin, die bestehende Anwendungslandschaft zu standardisieren und in ihrer Komplexität zu reduzieren. Neue Technologien werden systematisch auf Eignung geprüft und bei Bedarf adaptiert.

Eines haben jedoch alle drei Strategien gemeinsam: Sie erfordern ein gründliches Überdenken bestehender Betriebsszenarien. Dies bedeutet im Klartext: Bevor Unternehmen von den Vorteiler der Digitalisierung profitieren können, muss die bestehende IT-Infrastruktur angepasst und die interne Organisation der IT-Services gründlich verbessert werden.

Grundlage: IT-Infrastruktur auf Kurs bringen

Was die Analystin Tina Nunno am Gartner-Symposium 2011 als "kreatives Zerstören" des Bestehenden mit dem Ziel Raum für die Einführung neuer Technologien zu schaffen bezeichnet hat, bedeutet aus Unternehmenssicht heute die bestehende IT-Infrastruktur zu überprüfen, ob sie den zukünftigen Anforderungen an eine flexible Service Erbringung überhaupt gewachsen ist.

Die Herausforderung im Infrastrukturbereich besteht darin, das enorme Technologieangebot sowie die eigenen Betriebsprozesse in Einklang mit den sich ständig ändernden Bedürfnissen der Digitalisierung zu bringen. Dabei sind beispielsweise folgende Faktoren zu prüfen:

  • Heterogenität der Systemumgebungen

  • Anforderungen an die Verfügbarkeit

  • Compliance Regeln

  • Lizenzkosten

  • Know-how

  • Transparenz

  • "Keep-the-Lights-on"-Aufwand

Dies geschieht normalerweise im Rahmen eines Assessments, welches eine umfassende Beurteilung der bestehenden IT-Infrastruktur bezüglich Risiken und Optimierungspotential erlaubt. In einem weiteren Schritt werden identifizierte Problemzonen im Detail analysiert, um sie anschließend zu entschärfen oder zu beseitigen. Dabei gilt es stets, eine gute Balance zwischen den drei Faktoren Kosten, Transparenz und Risiko zu finden.

In der Praxis hat es sich bewährt, typische Problemzonen wie Betriebsprozesse, Lizenzen, Backup & Recovery, Konfiguration & Kapazität sowie Betriebsmodelle genauer zu analysieren und für jede dieser Zonen die Faktoren Qualität, Risiko und Effizienz zu beurteilen. Um die IT-Infrastruktur auf Kurs zu bringen sollten Maßnahmen mit möglichst geringsten Kosten bei gleichzeitig höchstmöglicher Transparenz und geringstmöglichem Risiko ergriffen werden.

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