Diskussion auf der CeBIT

IT-Profis verzweifelt gesucht

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
IT-Firmen brauchen viele neue Mitarbeiter. Die Personalsuche fällt schwer, weil die Anforderungen hoch, die Arbeit stressig und die Jobs nicht alle sicher sind.
Über den Fachkräftemangel diskutierten (von rechts) Computacenter-Chef Oliver Tuszik, Softcon-Vorstand Brigitte Stuckart, CW-Moderator Hans Königes, Accenture-Manager Frank Mang und Hans-Joachim Weis von der IG Metall.
Über den Fachkräftemangel diskutierten (von rechts) Computacenter-Chef Oliver Tuszik, Softcon-Vorstand Brigitte Stuckart, CW-Moderator Hans Königes, Accenture-Manager Frank Mang und Hans-Joachim Weis von der IG Metall.
Foto: Breitenwirkung

Zuerst die gute Nachricht: Die Geschäfte für die IT-Dienstleister laufen wieder bestens, die Nachfrage kommt aus allen Branchen, große IT-Konsolidierungsprojekte, die wegen der Wirtschaftkrise auf Eis lagen, werden wieder angeschoben. Diese neuen Aufträge setzen die Serviceunternehmen gleichzeitig unter Zugzwang. Sie müssen möglichst schnell sehr viele neue IT-Experten einstellen, der hohe Bedarf lässt sich aber nicht sofort oder nur unter hohen Anstrengungen decken. Soweit die schlechte Nachricht. Kann man deshalb von einem dramatischen Fachkräftemangel in der IT sprechen? Auf diese Frage fanden die Diskussionsteilnehmer im Karrierezentrum der COMPUTERWOCHE auf der CeBIT (Halle 6, Stand D 22) keine einvernehmliche Antwort.

Oliver Tuszik von Computacenter sagt: "Heute müssen wir uns wieder bei den Bewerbern bewerben."
Oliver Tuszik von Computacenter sagt: "Heute müssen wir uns wieder bei den Bewerbern bewerben."

Für Computacenter-Chef Oliver Tuszik, der aktuell 350 offene Stellen besetzen muss, ist es deutlich schwerer geworden, erfahrene Projekt-Manager oder IT-Berater als neue Mitarbeiter zu gewinnen. Einige Positionen sind schon ein Jahr lang unbesetzt. "Den Fachkräftemangel hat es immer gegeben und er ist auch nicht kurzfristig zu lösen. Aber heute müssen wir uns wieder bei den Bewerbern bewerben", umschreibt er die veränderte Situation auf dem Arbeitsmarkt.

Gibt es den Fachkräftemangel wirklich?

Hans-Joachim Weis vom Vorstand der IG Metall bezweifelte indes, ob ein akuter Mangel an Fachkräften bestehe. Gegen einen solchen spreche nicht nur die immer noch hohe Zahl von 31.000 IT-Arbeitslosen. Auch zeige die aktuelle Entgeltanlayse der Gewerkschaft, für die knapp 27.000 Daten aus 118 Unternehmen ausgewertet wurden, dass die Gehälter der IT-Experten trotz Aufschwung nur moderat um etwa 1,5 Prozent gewachsen sind. Dazu Weis: "Wäre der beschworene Fachkräftemangel schon eingetreten, hätten die Gehälter viel deutlicher steigen müssen."