Banken

IT-Nachwuchs wird zum SAP-Profi ausgebildet

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Das "SAP Banking Curriculum", das die Universität Mannheim und der SAP-Dienstleister b2tec entwickelt haben, bereitet Studierende auf die veränderten Anforderungen im Privatkundengeschäft vor.

Mehrere Entwicklungen machen derzeit den Retail-Banken zu schaffen. Zum einen, so Alexander Mädche, Wirtschaftsinformatikprofessor an der Universität Mannheim, verursachen neue Geschäftsmodelle im Internet einen steigenden Wettbewerbs- und Innovationsdruck. Dieser wird durch die zunehmenden regulatorischen Anforderungen verschärft. Zum anderen verfügen die meisten Finanzinstitute über heterogene IT-Landschaften, die zu schwerfällig sind, um auf die neuen Marktanforderungen zu reagieren und laufend innovative Bankenprodukte umzusetzen.

Vielen Banken mangelt es an qualifizierten IT-und speziell SAP-Beratern.
Vielen Banken mangelt es an qualifizierten IT-und speziell SAP-Beratern.
Foto: styleuneed - Fotolia.com

Hinzu kommt, dass es vielen Banken an qualifizierten IT- und speziell SAP-Beratern mangelt. So stellt Stefan Schmidt, einer der Firmengründer des international tätigen SAP-Partners b2tec, eine Überalterung der Bankenmitarbeiter fest, die sich mit SAP-Systemen auskennen. Mit der globalen Verbreitung von SAP-Bankensoftware sei gerade in den BRIC-Staaten ein Mangel an SAP-Bankenberatern spürbar, der sich durch die am Arbeitsmarkt existierenden Experten längst nicht decken lässt.

Der nun an der Universität Mannheim entwickelte SAP-Kurs soll den Nachwuchs mit den Möglichkeiten vertraut machen, die eine Standardplattform wie SAP für Retail-Banken leisten kann. Er wendet sich vor allem an Studierende der Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik, die in einer viermonatigen Veranstaltungsreihe theoretische und praktische Kenntnisse über Enterprise Systeme im Retailbanking erhalten.

Stefan Schmidt ist Firmenmitgründer beim SAP-Partner b2tec. Sein Unternehmen hat mit der Uni Mannheim einen SAP-Kurs für Retail-Banken entworfen.
Stefan Schmidt ist Firmenmitgründer beim SAP-Partner b2tec. Sein Unternehmen hat mit der Uni Mannheim einen SAP-Kurs für Retail-Banken entworfen.
Foto: Privat

b2tec, seit mehr als zehn Jahren als SAP-Beratungs- und -Softwareunternehmen für Banken aktiv, steuert das praktische Wissen bei, wie sich diese Prozesse in der SAP-Welt abbilden lassen. Dazu gehört eine Einführung in die Modulwelt der aktuellen Version 8.0 der SAP-Lösung für das Kernbankengeschäft, in mögliche Architekturkonzepte und in die Integration weiterer Funktionen, etwa zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs oder zur Erstellung von Jahresendbescheinigungen für das Finanzamt. b2tec hat dazu die entsprechenden Schulungsunterlagen von SAP auf die Anforderungen des Curriculums zugeschnitten und lässt die Studierenden zusätzlich an einem SAP-Bankensystem üben, das vom University Competence Center an der Technischen Universität München betrieben wird. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen dabei, wie sie die Bankenprodukte selbst anlegen, entwickeln und Zahlungsverkehrsthemen abwickeln.

Am ersten Kurs, der von März bis Juni dieses Jahres stattfand, nahmen rund 40 Studierende teil, die zu je einem Drittel aus Lateinamerika, Asien und Europa kamen - für die erste Veranstaltung eine hervorragende Quote. Den Abschluss bildeten eine schriftliche Prüfung und so genannte Design Thinking Innovation Cases, in die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kreative Ideen für neue Bankenprodukte auf Basis der Standardplattform konzipierten.

Die Universität Mannheim plant, das SAP Banking Curriculum zusammen mit b2tec und SAP fortzusetzen; nächster Veranstaltungstermin wird das Frühjahrsemester 2014 sein. Dabei wollen die Initiatoren verstärkt auch das Thema SAP HANA einbinden. Damit noch mehr angehende Fachkräfte von dem neuen Lehrangebot profitieren können, werden die Kursunterlagen darüber hinaus dem SAP University Alliances Programm zur Verfügung gestellt. Dieses bietet Lehrenden und Studierenden international Zugang zu den neuesten SAP-Technologien. Weltweit versorgen die University Alliances derzeit mehr als 1300 Hochschulen und Schulen mit insgesamt 270.000 Studierenden mit Informationen. Die Hochschulen können das SAP Banking Curriculum als Rahmenwerk nutzen, um ihren Nachwuchs auf die neuen Aufgaben im Retailbanking vorzubereiten.

Viel Pionierarbeit

Alexander Mädche von der Uni Mannheim ist Mitentwickler eines neuen SAP-Kurses, der für eine stärkere Verschmelzung von Banken und IT sorgen soll.
Alexander Mädche von der Uni Mannheim ist Mitentwickler eines neuen SAP-Kurses, der für eine stärkere Verschmelzung von Banken und IT sorgen soll.
Foto: Privat

"Bislang gibt es kein Curriculum im Retail-Banking, das Management-, Prozess- und SAP-Technologiewissen in theoretischen und praktischen Lehrblöcken kombiniert." Mädche ist sicher, dass der Kurs dazu beiträgt, Banken und IT weiter zu verschmelzen, weil vielen Finanzinstituten der Sprung in eine standardisierte Prozess- und Systemwelt noch bevorsteht.

Für b2tec-Firmenmitgründer Stefan Schmidt würde die internationale Verbreitung des Curriculums die Chance bedeuten, möglichst viele junge Fachkräfte für einen Bereich heranzubilden, der hohe Anforderungen stellt: "Meine langjährige Projekterfahrung im Core Banking zeigen, dass die Prozess- und IT-Berater der Banken deutlich mehr Stress ausgesetzt sind als die anderer Branchen." Ständige Flugreisen und damit verbundene Zeitumstellungen, laufend veränderte Projektparameter zerren ebenso an den Nerven der Mitarbeiter wie die komplexen Strukturen im Bankenwesen.