IT intim - Die Sorgen der CIOs

IT moderiert zwischen Fachbereich und Unternehmen

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Wie läuft denn Ihre multinationale Template-basierende SAP-Einführung?
Markus Schaal, CIO, Xella
Markus Schaal, CIO, Xella
Foto: Markus Schaal

Danke, der Rollout bei Xella läuft sehr gut. Wir haben die Anwendungen im vergangenen Jahr schon in vier Landesorganisationen eingeführt, in diesem Jahr stehen sechs weitere an. Wir verfolgen einen Template-Ansatz mit einer 80/15/5-Regel; das heißt, 80 Prozent der Prozesse sind verbindlich, für 15 Prozent stehen Alternativen zur Wahl, und fünf Prozent unterliegen gesetzlichen Bestimmungen, die lokal unterschiedlich sein können.

Wir schwer es ist, solche Vorgaben nicht nur zu formulieren, sondern auch einzuhalten, wissen wir aus Erfahrung. Die lokalen Besonderheiten des Geschäfts abzubilden und trotzdem gleichzeitig weitgehend einen weltweiten Standard sicherzustellen ist ein permanenter Ausgleichsprozess.

Das zeigte sich auch beispielsweise bei unserer länderübergreifend einheitlichen CRM-Lösung. Die Vertriebsverantwortlichen haben oft gute Gründe dafür, warum ein Standardprozess ihrer Arbeit nicht gerecht wird. Da wandelt die IT auf Messers Schneide. Sie darf sich weder von vornherein verschließen, noch darf sie das Gesamtunternehmensinteresse aus dem Auge verlieren. Ansonsten ist der Projekterfolg gefährdet.

Obwohl das CRM-System längst ausgerollt ist, haben wir zu Beginn dieses Jahres einen neuen Change-Prozess begonnen. In diesem Rahmen werden die Anforderungen unter die Lupe genommen und vierteljährlich neu betrachtet. Die Prozessverantwortung dafür liegt jetzt bei der IT. Die Fachbereiche kennen ihre Geschäftsprozesse am besten, aber die IT weiß, was sich technisch implementieren lässt. Aus der fachlichen Diskussion hält sie sich aber heraus. Die findet auf höchster Management-Ebene statt, also mit Beteiligung der Geschäftsführer aus allen Ländern. Hier gilt dasselbe wie für die Eigentümer eines Mehrfamilienhauses: Wenn das Treppenhaus renoviert werden soll, dürfen und sollen alle mitreden; nur beim Bodenbelag in den eigenen vier Wänden hat jeder die Wahl zwischen Parkett und Teppichboden. Die IT macht das mit, solange niemand in seiner Wohnung Rasen züchten will.