Berufseinsteiger sind nicht gleich Berufseinsteiger

IT'ler ticken anders

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Während man von Berufseinsteigern erwartet, dass sie möglichst schnell eigenverantwortliche Projekte übernehmen und die Karriereleiter erklimmen möchten, sieht die Wunschlaufbahn beim IT-Nachwuchs anders aus. Ihr Verständnis von Karriere äußert sich nicht in dem Wunsch nach einer Führungsposition, sondern in fachlicher Spezialisierung.

Das Absolventenportal www.get-in-IT.de hat in seiner Umfrage "get started" gemeinsam mit der HTWK Leipzig mehr als 1300 Studierende und Young IT Professionals zu ihrer Erwartungshaltung an den Berufsstart befragt. Die Studie kommt zu dem Ergebnis: Junge IT'ler passen nicht in das klassische Karriereschema. Fachliche Entwicklungsmöglichkeiten sind für sie das entscheidende Kriterium bei der Jobsuche und erster Beleg für die Attraktivität eines Arbeitgebers.

Insgesamt 64 Prozent der Studienteilnehmer gaben dies als erstes Entscheidungskriterium an. Sie möchten ihre Fähigkeiten erweitern und innovativ arbeiten. Ihr Ziel ist es, Experte auf ihrem Gebiet zu werden. Dabei spielen andere Faktoren wie eine internationale Ausrichtung des Arbeitgebers (17 Prozent) oder flache Hierarchien (12 Prozent) eine weitaus weniger wichtige Rolle.

IT'ler haben eine andere Vorstellung von Karriere. Der Aufstieg soll insbesondere mit Spezialisierungen einhergehen.
IT'ler haben eine andere Vorstellung von Karriere. Der Aufstieg soll insbesondere mit Spezialisierungen einhergehen.
Foto: Sergey Nivens - shutterstock.com

IT'ler haben ein anderes Verständnis von Karriere

"Die Entwicklung des spezifischen IT-Rüstzeugs und anspruchsvolle Aufgaben sind offensichtlich entscheidende Antriebe für angehende Spezialisten in diesem Umfeld. Das verdeutlichen die Ergebnisse unserer Studie", erklärt Peter M. Wald, Professor für Personal-Management an der HTWK Leipzig, der die Studie wissenschaftlich begleitet hat. Spezialisierung im Fachgebiet stehe für den IT-Nachwuchs vor einer hierarchisch herausgehobenen Führungsposition. Das sei in dieser deutlichen Ausprägung durchaus ein Alleinstellungsmerkmal von IT-Absolventen.

Dieser klare inhaltliche Fokus im Rahmen der Jobsuche hat auch Auswirkungen auf den Blickwinkel, den IT-Berufsstarter auf das Image von Arbeitgebern legen. So sagt ein Drittel von ihnen, dass sie bei ihrer Jobsuche primär auf die spezifische Herausforderung der jeweiligen Position achten als auf das allgemeine Arbeitgeberimage des Unternehmens. Umgekehrt verhalten sich nur 21 Prozent der Studienteilnehmer.

Von ihrem ersten Arbeitgeber erwarten IT-Berufsstarter darüber hinaus eine fundierte Einarbeitung in ihre neuen Aufgabenbereiche, statt ins kalte Wasser geworfen zu werden. Über die Hälfte der Befragten wünschen sich eine gezielte Einarbeitung sowie Unterstützung durch erfahrene Mentoren oder Paten. Dies steht entgegen dem Trend anderer Berufseinsteiger, die möglichst frühzeitig eigenverantwortlich arbeiten und durch diese Herausforderung lernen wollen.

63 Prozent der IT-Absolventen sehen fachliche Entwicklungsmöglichkeiten als Hauptkriterium für einen attraktiven Arbeitgeber.
63 Prozent der IT-Absolventen sehen fachliche Entwicklungsmöglichkeiten als Hauptkriterium für einen attraktiven Arbeitgeber.
Foto: get in IT

Zielgruppengerechte Ansprache als Erfolgsprinzip

Aus Sicht der Unternehmen bedeutet das, dass der Begriff "Karriere" im Zusammenhang mit IT-Berufseinsteigern anders verstanden werden sollte. Statt der üblichen Aussichten auf eine Laufbahn in Richtung Führungsposition, besteht vielmehr der Bedarf, Einstiegsprogramme für IT'ler zu schaffen, die sich auf eine gezielte Einarbeitung und Spezialisierung konzentrieren, um so eine fachspezifische Perspektive zu schaffen. Unter Einstiegsprogramme dieser Art kann eine Spanne von Jobangeboten fallen, die von idealtypischen Traineeprogrammen bis zu Juniorpositionen reicht. In jedem Fall sollten sie eine strukturierte Einarbeitungsphase enthalten, die der Absolvent erwarten darf.

Die entsprechende Stellenausschreibung ist häufig der erste Kontaktpunkt und eine Chance für den Arbeitgeber sich im Sinne des Employer Branding zielgruppengerecht zu positionieren. Wer die eigene IT-Kompetenz klar hervorhebt und das konkrete Tätigkeitsspektrum für den Berufseinsteiger transparent macht, verschafft sich einen Vorteil im Wettbewerb um die gefragten IT'ler. Dies gilt insbesondere dann, wenn das Unternehmen nicht als originärer Arbeitgeber im IT-Bereich wahrgenommen wird. Voraussetzung dafür ist die enge Zusammenarbeit der Personalverantwortlichen im Unternehmen mit dem IT-Fachbereich.

"Zahlreiche Arbeitgeber sind verstärkt auf der Suche nach IT-Experten. Dabei sollten sie in erster Linie darauf achten, dass sie die Vorzüge der bei ihnen anstehenden Aufgaben sowie die fachlichen Entwicklungsperspektiven in den Mittelpunkt stellen", so Rainer Weckbach, Gründer und Geschäftsführer von get in IT in Köln. Dafür bedürfe es einem engeren Austausch zwischen HR und IT.

IT-Nachwuchsplattform "get in IT"

Die Onlineplattform www.get-in-IT.de richtet sich an eine klar definierte Zielgruppe: IT-Absolventen, IT-Berufseinsteiger und Young IT-Professionals mit maximal zwei bis drei Jahren Berufserfahrung. Die Plattform bietet zum einen den Überblick über IT-Einstiegsprogramme zum anderen redaktionelle Inhalte rund um die IT-Berufswahl, Bewerbung und Gehalt. Das Leistungsspektrum für Arbeitgeber reicht von spezifischen Employer-Branding-Lösungen bis hin zur Direktansprache interessanter Kandidaten.

Studie "get started"

An der Online-Befragung "get started" der HTWK Leipzig und get in IT beteiligten sich insgesamt 1304 Teilnehmer. 54 Prozent der Befragten waren Studierende im Bereich IT, weitere 46 Prozent IT-Berufsstarter mit erster Berufserfahrung. Das Durchschnittsalter bei den Berufstätigen betrug 27,75 Jahre, bei den Studierenden 24,69 Jahre. Wissenschaftlich begleitet wurde die Studie von Peter M. Wald, Professor für Personal-Management an der HTWK Leipzig. Die komplette Studie steht zum kostenlosen Download bereit unter: https://www.get-in-IT.de/whitepaper.