IT-Industrialisierung macht Komplexität beherrschbar

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Beim diesjährigen "Executive Forum" der COMPUTERWOCHE stand die Reduzierung der Fertigungstiefe im Mittelpunkt der Diskussionen.

Billiger, flexibler, leistungsfähiger – um diese Ziele zu erreichen, eifert die IT derzeit der Fertigungsindustrie nach: Sie ist auf der Suche nach Möglichkeiten für eine "Industrialisierung" ihrer Services. Diesem Bemühen widmete die COMPUTERWOCHE ihr diesjähriges "Executive Forum".

Networking für CIOs

Rund drei Dutzend handverlesene IT-Chefs – darunter auch eine Chefin – waren in diesem Jahr der Einladung nach Rottach-Egern gefolgt, wo die COMPUTERWOCHE bereit zum fünften Mal ihr jährliches "Executive Forum" ausgerichtet hatte. Neben Vorträgen und lebhaften Diskussionen waren diesmal auch Vieraugengespräche mit CIO-Kollegen eigener Wahl arrangiert worden. Auch die Freizeitaktivitäten kamen nicht zu kurz – angefangen vom Gourmet-Dinner über eine Partie Golf bis zum "Erlebniskochen".

Nach Ansicht von Wafa Moussavi-Amin, Analyst und General Manager bei der IDC Central Europe GmbH, manifestiert sich der Trend zur Industrialisierung der IT vor allem in der Virtualisierung von Plattformen. Die Unternehmen hätten im vergangenen Jahr weltweit 140 Milliarden Dollar für ungenutzte Server-Kapazität verschwendet, wobei nicht einmal so sehr die Hardwarekosten als vielmehr die Server-Management-Aufwände ins Gewicht gefallen seien. "Dieses Geld fehlt, um Innovationen umzusetzen", monierte der IDC-Manager.

Den impliziten Vorwurf an die IT-Manager wollte Jürgen Kaesberg, IT-Chef der Dr. Johannes Heidenhain GmbH, nicht unwidersprochen lassen: "Der Grund für die vielen kleinen Server ist doch, dass die Softwarequalität so schlecht ist. Die Applikationen stören sich gegenseitig und brauchen deshalb jeweils eine eigene Maschine", klagte er: "Wir lösen Softwareprobleme mit Hardware."

Drei Aspekte der IT-Industrialisierung

Fast alle Finanzdienstleister plädieren für IT-Industrialisierung, aber wenige tun es tatsächlich, weiß Deutsche-Bank-CIO Wolfgang Gaertner.
Fast alle Finanzdienstleister plädieren für IT-Industrialisierung, aber wenige tun es tatsächlich, weiß Deutsche-Bank-CIO Wolfgang Gaertner.
Foto: Joachim Wendler

Den Blick auf die Industrialisierung der Abläufe lenkte hingegen Wolfgang Gaertner, CIO Personal und Corporate Banking, Deutsche Bank AG: "Die Prozesse End-to-End anzuschauen, lernen die Banken gerade erst", hat er festgestellt. In einer Fraunhofer-Studie aus dem vergangenen Jahr hätten 77 Prozent von 219 befragten Finanzinstituten die Frage, ob die Banken die IT-Industrialisierung zur Prozessoptimierung nutzen sollten, mit "ja" beantwortet. Aber, so der Deutsche-Bank-CIO, "nur wenige tun es tatsächlich".

Zur Industrialisierung gehören aus Gaertners Sicht vor allem drei Themenkomplexe:

  • Standardisierung und Automatisierung von Prozessen,

  • Reduzierung der Wertschöpfungskette mit Fokus auf Kernkompetenzen sowie

  • globale Fertigungsnetzwerke.

Standardisierung und Automatisierung beginnt für Gaertner beim "Aufräumen" der End-to-End-Prozesse. Das Mittel zum Zweck ist für ihn eine Service-orientierte Architektur (SOA). Sie sei das erste "IT-Thema", das nicht nur IT-intern, sondern auch mit den Geschäftsbereichen diskutiert werde: "Es gibt eine echte Nachfrage dafür." Der Grund sei, dass die IT die Vorteile der SOA zunächst nicht auf der technischen Ebene herausgestellt, sondern über die Abwicklungsprozesse erläutert habe. "Das Thema SOA wird ganz stark aus der Prozessperspektive getrieben", resümiert der Deutsche-Bank-Manager.