Trotz Fachkräftemangel

IT-Gehälter steigen kaum

08.04.2013
Von 
Peter Ilg ist freier Journalist in Aalen.
Zwischen zwei und drei Prozent sind die IT-Gehälter 2012 gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Wäre der Mangel an Computerprofis so groß wie beklagt, müsste der Zuwachs deutlich höher ausfallen, folgert die IG Metall aus ihrer Gehaltsstudie.

Das Ergebnis der Studie „Entgelt in der ITK-Branche 2013", für die die IG Metall rund 32.000 Gehaltsdaten ausgewertet hat, überrascht. „Unternehmen und Verbände beklagen einen IT-Fachkräftemangel, und dann sind die Gehälter 2012 gegen-über dem Vorjahr nur um durchschnittlich zwei Prozent gestiegen", sagt Juan Carlos Rio Antas, der im IG-Metall-Vorstand für die ITK-Branche zuständig ist. Einkommenssteigerung und beklagter Facharbeitermangel ständen im Widerspruch: Gäbe es ihn tatsächlich, müssten die Gehälter explodiert sein. Sind sie aber auch im vergangenen Jahr nicht.

Ordentliche Arbeitsbedingungen sind ein Anliegen von Gewerkschaften. Angemessene Vergütung ein anderes. Die Studie zeigt in dem Punkt einen Erfolg für die IG Metall. Denn während die Entgelte in nicht tarifgebundenen Betrieben um 1,4 Prozent stiegen, sicherten die Tarifverträge eine doppelt so hohe Gehaltssteigerung. Laut Rio Antas fallen etwa die Hälfte der ITK-Beschäftigten unter einen Tarifvertrag, oder ihre Arbeitgeber wenden diesen an. Das sind in Summe etwa 430.000 Beschäftigte. Von diesen hatten Mitarbeiter in Call-Centern sowie kaufmännische Angestellte in Vertrieb und Verwaltung höhere Einkommenszuwächse als Berater, Softwareentwickler oder Projekt-Manager. Letztere befinden sich aber von Anfang an in einer anderen Gehaltsliga (ab 50.000 Euro). Auch Softwareentwickler (ab 40.300 Euro) und Berater (ab 42.600 Euro) beginnen von einem höheren Level als Kundenbetreuer im Call-Center (34.100 Euro).

Vertriebsleiter verdienen am üppigsten

Wer langfristig plant, sollte allerdings im Vertrieb anfangen und aufsteigen. Dort liegen die Einstiegsgehälter im Durchschnitt nur bei 43.400 Euro. Vertriebsleiter aber führen das Ranking unter den IT-Führungskräften mit 111.750 Euro an. Dann folgen Führungskräfte in Beratung (98.800 Euro), im Rechenzentrum (96.300 Euro) und Software Engineering (95.800 Euro).

Auch Ausbildungsvergütungen und Anfangsgehälter wurden analysiert. Wer sich zum Fachinformatiker oder Informatikkaufmann ausbilden lässt, kann im ersten Jahr mit monatlich 740 und im dritten Jahr mit 877 Euro rechnen. Das entspricht einem Plus von 3,4 Prozent gegenüber 2011. Gesunken sind indes die Gehälter nach Ausbildungsabschluss um durchschnittlich 5,3 Prozent. Der Fachinformatiker findet sich nun bei 32.720 Euro im Jahr wieder. Wer an einer Berufsakademie in einem dualen Studiengang Informationstechnik oder Wirtschaftsinformatik studierte, erhielt 2012 im ersten Ausbildungsjahr durchschnittlich 884 Euro, dann 993 und 1153 Euro. Gegenüber dem Vorjahr sind diese Ausbildungsvergütungen um zwei Prozent gestiegen, die Einstiegsgehälter der dualen Absolventen um 7,4 Prozent gesunken. Das Einstiegsgehalt dieser Informationstechniker lag bei 41.174 Euro, das der Wirtschaftsinformatiker bei 38.525 Euro.

Topgehälter für IT-Profis in München

„Wir stellen eine Beschäftigungsverschiebung in Richtung Mittelstand fest", sagt Rio Antas. Dort werde kaum schlechter bezahlt als in Konzernen. Unterschiede gebe es dagegen eher regional: zwischen Ost und West etwa oder zwischen Provinz und Ballungszentren. München ist eine der Städte, in denen IT-Experten sehr gut verdienen. Was Branchen angeht, entlohnen Industrien wie Automotive, Medizintechnik oder Maschinenbau ähnlich gut wie die ITK-Branche selbst. Für 2013 geht die IG Metall weiter von einem moderaten Anstieg der IT-Gehälter aus.

Auf der CeBIT präsentierte Alexander Schneider von der IG Metall die aktuelle Gehaltsstudie: