BVSI aufgelöst

IT-Freiberufler formieren sich neu

Susanne Köppler ist freie Autorin in München.
Der Bundesverband Selbständiger in der IT e.V. (BVSI) vertrat seit 1997 freiberufliche IT-Experten in beruflichen, fachlichen und wirtschaftlichen Belangen. Doch wenn IT-Freiberufler nun online nach dem Verband suchen, landen sie in einer Sackgasse.

"Den BVSI gibt es nicht mehr". So einfach und klar formuliert es Michael Grüne, ehemaliger ehrenamtlicher Leiter des Arbeitskreises Projektmanagement beim BVSI. Heute ist er Gründungs- und Vorstandsmitglied des Deutschen Bundesverbands Informationstechnologie für Selbständige e.V., kurz DBITS.

Ehemalige Mitglieder schließen sich zusammen

Bereits im Dezember 2011 habe es eine Mitgliederversammlung des BVSI gegeben, in der sich abzeichnete, dass sich ein großer Teil der Mitglieder nicht mehr optimal vertreten gefühlt habe, sagte Grüne im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE. Die Versammlung blieb nicht ohne Folgen. Danach verließen knapp 25 Prozent der Mitglieder den Verband. Aus dieser Bewegung heraus habe sich, so Grüne, die Idee eines neuen Verbundes entwickelt. Ehemalige ehrenamtlich Aktive des BVSI schlossen sich danach zusammen und machten sich Gedanken darüber gemacht, wie ein neuer, besserer Verbund für IT-Freiberufler auszusehen hätte.

Michael Grüne, Gründungs- und Vorstandmitglied des DBITS: "Unsere Satzung ist für jeden transparent auf unserer Webseite einzusehen"
Michael Grüne, Gründungs- und Vorstandmitglied des DBITS: "Unsere Satzung ist für jeden transparent auf unserer Webseite einzusehen"
Foto: Michael Grüne

Der wichtigste Aspekt liegt wohl in der Transparenz. "Unsere Satzung ist für jeden transparent auf unserer Webseite einzusehen, was beim BVSI nicht der Fall war. Diesen Zustand haben wir stets bemängelt" , erklärt Grüne.

Politische Interessenvertretung

Der Vorstand des DBITS hat ambitionierte Ziele. Er will eine politische Interessensvertretung für IT-Freiberufler sein. Der Verband wird sich mit Themen beschäftigen, die die Selbständigkeit in der IT-Branche erschweren. Stichworte sind die Scheinselbständigkeit, die wie ein Damoklesschwert über allen Freiberuflern schwebe, und die Diskussion, ob Freiberufler Gewerbetreibende sind, oder umgekehrt, so Grüne.

"Auf Grund der Thematik Scheinselbständigkeit wird von den Unternehmen immer häufiger versucht, Freiberufler als Angestellte in die Arbeitnehmerüberlassung zu drängen", erklärt Grüne und gibt an, dass diese Probleme jeden Selbständigen betreffen.

Mehrwert für Mitglieder

Neben der politischen Interessenvertretung will DBITS auch einen Mehrwert anbieten, wie es Freiberufler bereits vom BVSI kennen. So kann jedes Mitglied das "IT Freelancer Magazin" kostenlos beziehen, sich von einer Internetagentur seinen Webauftritt gestalten lassen oder zu vergünstigten Konditionen eine Profiloptimierung von Karriereberaterin Svenja Hofert erhalten.

Der neue Freiberuflerverband steht in den Startlöchern.
Der neue Freiberuflerverband steht in den Startlöchern.
Foto: Sven Hoffmann - fotolia.com

Geplant sind weitere Kooperationen beispielsweise mit Rechtsanwälten. Hierbei will sich der Verbund nicht nur auf einen verlassen, sondern verschiedene Richtungen abdecken, sowohl fachlich als auch geografisch. "Wir sind bundesweit engagiert, daher ergibt es keinen Sinn, nur einen Standort für Rechtsberatung in Deutschland zu haben", beschreibt es Grüne.

Ziele des DBITS

Grüne wünscht sich, dass die Mitgliederzahl innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre die Gesamtstärke erreicht, die der BVSI hatte. Fragen nach der Zukunft beantwortet das Vorstandsmitglied zurückhaltend und weist darauf hin, dass der Vorstand und das Gründungsteam des DBITS ehrenamtlich arbeiten und es daher kaum möglich sei, "innerhalb eines Jahres einen riesigen Verband aus dem Boden zu stampfen".

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Das schadet aber den ambitionierten Zielen keinesfalls: Im Entstehungsprozess des Verbandes haben sich die Gründungsmitglieder die Satzungen anderer Freiberuflerverbände angesehen und die Erkenntnisse daraus mit in ihre Überlegungen einbezogen. Sie sind zu dem Schluss gekommen, dass allgemeine Freiberuflerverbände nicht auf die IT-Branche ausgelegt sind. Und IT-spezifische Verbände wie Bitkom seien für "Einzelkämpfer" schlicht zu groß. "Uns ist daran gelegen, dass wir die Interessenvertretung für IT-Freiberufler sind" , so Grüne.

Auf einen Blick

  • Mehr Informationen finden Sie unter www.dbits.it.

  • Der Mitgliedsbeitrag beträgt 10 Euro pro Monat für die ersten 12 Monate, danach 20 Euro pro Monat.

  • Mitglied werden kann jede volljährige natürliche Person, die selbständig / freiberuflich tätig ist oder als Gesellschafter einer GmbH agiert. Freiberufler / Gesellschafter von Firmen, mit dem Ziel Freiberufler zu vermitteln (Recruiter), können nicht Mitglied werden.

  • Zu den Leistungen des Verbandes zählt die Unterstützung in allen fachlichen, technischen und organisatorischen Belangen.

 

Kai-Ulrik Bräutigam

Es ist falsch anzunehmen, dass jemand sofort scheinselbstständig ist, wenn man beim Kunden vor Ort arbeitet und auch das Equipment des Kunden nutzt. Davon steht nichts im Gesetz. Es gibt keine gesetzlichen Kriterien zur Feststellung der Scheinselbstständigkeit! Es kommt immer auf den Einzelfall an.
http://www.felser.de/blog/13-r...

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