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IT-Forschung: Aus dem Krankenhaus direkt ins Web

04.10.2007
Von pte pte
Parallel zur IT macht die Medizintechnik große Schritte in die Zukunft. Medizinische Leuchtturmprojekte dienen inzwischen als Taktgeber für das Internet von morgen.

Komplizierte medizinische Eingriffe werden immer öfter mit modernsten computergestützten Instrumenten durchgeführt. Von Dokumentationstätigkeiten bis hin zur OP-Lampe, die sich per Sprachbefehl einschalten lässt, reichen die technischen Entwicklungen, die das Krankenhaus der Zukunft mit prägen werden. Für neue Märkte sind Themen wie Proteomics, Telemonitoring, Expertensysteme und -datenbanken, Spracheingabe für Dokumentationstätigkeiten oder Datenzugriff von überall aus besonders interessant, so ein Resümee einer Studie des Forschungsprojekts für aktuelle und zukunftsorientierte Informations- und Medientechnologie und deren Nutzung in Baden-Württemberg (Fazit).

Chris Löwer hat für das Handelsblatt die Fortschritte im Unfallkrankenhaus Berlin-Marzahn (UKB) untersucht: Während man in vielen Operationssälen vor lauter Technik kaum Bewegungsfreiheit hat, so ein erstes Fazit, hat man hier "freie Bahn". Monitore, Lampen und Geräte an beweglichen Armen können so positioniert werden wie es passt. "Dazu muss teilweise noch nicht mal Hand angelegt werden - die Lage des OP-Tisches etwa lässt sich mit einfachen Sprachkommandos verändern, und mit einem beherzten 'OP-Lampe an!' kommt Licht in die sehr aufgeräumte Szenerie", so das Handelsblatt. Die komplizierte OP-Technik ist vernetzt und kann wahlweise per Touchscreen oder Spracheingabe gesteuert werden.

Klaus Radermacher vom Lehrstuhl für Medizintechnik der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen sieht gegenüber der Zeitung einen klaren Trend hin zu einer intelligenten OP-Umgebung. "Sprach- und Gestenerkennung, interaktive Navigationssysteme und sensorgesteuerte Miniaturroboter werden den OP-Saal zu einem intelligenten Assistenten machen." Daneben lassen sich auch zeitaufwändige Dokumentationstätigkeiten im Gesundheitswesen durch Sprachtechnik vereinfachen, meint Lupo Pape, Geschäftsführer von Semanticedge in Berlin. "Moderne Diktiersoftware ersetzt zum Beispiel das aufwendige Abtippen von Tonbanddiktaten über Krankheitsbilder oder Visiten", sagt Pape. Darüber hinaus sieht er die Sprachtechnik als wirksames Mittel zur Serviceverbesserung und Vorqualifizierung für Kundenanfragen etwa bei Krankenkassen: "Standardprozesse wie Adressdaten- und Bankverbindungsänderung oder die Identifizierung eines Anrufers über die Eingabe der Kundennummer könnten hier ohne Wartezeit und rund um die Uhr abgearbeitet werden", weiß der Sprachdialogexperte.

Das Krankenhaus der Zukunft soll aber noch mehr können, geht es nach Alexander Cavallaro, Radiologe am Universitätsklinikum Erlangen. Mit Kollegen arbeitet der 41-jährige Mediziner an einem Entwicklungsprogramm zum medizinischen Einsatz von Informationstechnologie, das weltweit einmalig ist, berichtet die Wirtschaftswoche. Mediziner der Uni Erlangen, Forscher des Siemens-Konzerns, Wissenschaftler der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität sowie der Fraunhofer Gesellschaft wollen "ein rechnergestütztes Assistenzsystem für die Erkennung und Diagnose von Krankheiten entwickeln."

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