IT-Firmen wollen mehr Frauen ansprechen

Ina Hönicke ist freie Journalistin in München.
Viele Frauen halten IT-Jobs für trocken. Dabei erfordert die Arbeit für Beratungs- und Softwarehäuser eine hohe emotionale Intelligenz.

Das Interesse der Studentinnen an der IT ist gering. Informatikabsolventinnen bilden immer noch eine Minderheit, 17 Prozent der Studienabschlüsse im Fach Informatik stammten im vergangenen Jahr von Frauen. Der Anteil weiblicher IT-Profis in den Unternehmen sieht ähnlich niedrig aus. Laut der Bundesagentur der Arbeit schwankt er zwischen 16 und 20 Prozent. Während Frauen in der Beratungsbranche noch eher zu finden sind, sieht es in reinen Computer- oder Ingenieurberufen schlechter aus. Als Gründe nennen die Arbeitsmarktexperten: Die IT-Branche hat es bis heute nicht geschafft, Absolventinnen für eine Tätigkeit in der Branche zu begeistern und das meist völlig falsche Bild von der Tätigkeit des Informatikers zu korrigieren.

Diese Erfahrung hat auch Edmund Küpper gemacht. Küpper ist Vorstandsvorsitzender des Münchner Software- und Beratungshauses sd&m: "Da spukt noch das Bild des einsamen Hackers in den Köpfen herum." Dabei sei die Aufgabe einer Informatikerin genauso interessant wie die einer Architektin. Dennoch sei das Image der Architektin wesentlich besser. Als Beispiel für die Vielfalt des IT-Jobs nennt er den Softwareeinsatz in einem neu konstruierten Auto, dessen Qualität nur durch das Zusammenspiel von Dutzenden von Softwareexperten gesichert sei. Küpper: "In der Software eines Autos stecken Leidenschaft, Emotionen und Diskussionen. Aber man sieht es nicht." Er bedauert es überaus, dass ein Beruf, in dem emotionale Intelligenz sowie Team- und Kommunikationsfähigkeit so entscheidende Rollen spielten, bei jungen Frauen so trocken und teilweise langweilig herüberkomme.

Aufklärungsarbeit in Schulen leisten

Seit Januar hat sd&m 272 IT-Berater und Software-Experten rekrutiert, weitere Einstellungen sind geplant. Wie seine Mitbewerber veranstaltet das Unternehmen auch eigene Bewerbertage für Informatikerinnen, die auch zur Rekrutierung weiblicher IT-Profis führen. "Das Problem selbst löst es aber nicht", fährt er fort. Die Unternehmen müssten sich viel früher engagieren und etwa in den Schulen Aufklärungsarbeit zu leisten. Küpper: "Die Begeisterung für den Beruf des Informatikers muss bei den Mädchen geweckt werden – und zwar, bevor sie sich für eine berufliche Richtung entscheiden."

Doch keine Regel ohne Ausnahme. Annette Bunz begeisterte die Technik von Anfang an. Die Diplominformatikerin, die seit einem knappen Jahr bei sd&m als Softwareingenieurin arbeitet, empfand es als großen Vorteil, an einer Mädchenschule unterrichtet zu werden. Bunz: "Am Mathematik-Leistungskurs haben 23 und nicht, wie häufig in gemischten Klassen, nur drei Mädchen teilgenommen." Das Interesse für naturwissenschaftliche Fächer blieb, die Begeisterung auch: "Die Branche ist innovativ, sie entwickelt sich ständig weiter, Neues gehört zur Tagesordnung." Sie empfindet es als Vorteil, Software für Kunden unterschiedlicher Branchen entwickeln und damit ihr Branchenwissen zu erweitern.

Schwerer Aufstieg

Zwar sind die Einstiegschancen in die IT für qualifizierte Frauen gut, die Aufstiegschancen aber weniger. Nur wenige Unternehmen eröffnen wie sd&m ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, Teilzeit oder auch teilweise von zuhause aus zu arbeiten. In den obersten Führungsetagen sind Frauen in der IT kaum zu finden. Auch bei sd&m ist der Vorstand eine Männerdomäne. Karin Schweigkofler gehört als Geschäftsbereichsleiterin mit Kundenverantwortung zu den 13 Prozent Frauen, die bei dem Softwarehaus als Führungskraft tätig sind. Laut Schweigkofler ist die Möglichkeit, noch eine Karrierestufe höher zu steigen, bei dem Unternehmen zwar durchaus gegeben, doch steht zumeist die Familienplanung im Wege: "Frauen stehen fast immer vor der Entscheidung, sich für den Job oder eine Familie zu entscheiden." Ihrer Meinung können Mitarbeiter, die über Kunden- oder Personalverantwortung verfügen, nicht einfach für längere Zeit zu Hause bleiben. Die Managerin: "Nach der Elternzeit im Unternehmen wieder in die alte Position einzusteigen, ist in jedem Unternehmen schwer."

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