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IT-Einsatz in Deutschland und den USA – ein Vergleich

09.07.2007
Instant Messaging, Collaboration, Monitoring – amerikanische CIOs haben ihren deutschen Kollegen auf vielen Gebieten Einiges voraus. Geht es aber um die Abwicklung von B-to-B-Geschäftstransaktionen, glänzen die hiesigen CIOs.

Eine wissenschaftlich fundierte Bestandsaufnahme in Sachen Informationstechnik wagt der "German Business and Information Technologies Survey 2006/2007", den die Professoren Francis Bidault von der European School of Management and Technology und Oliver Günther von der Humboldt-Universität, Berlin, herausgebracht haben. Der deutschen Befragung, die 2006 begann und in diesem Jahr beendet wurde, liegen 168 Interviews mit CIOs zugrunde. Den Ergebnissen wurden Vergleichsdaten aus den USA gegenübergestellt, die von 2005 stammen. Die Wissenschaftler weisen ausdrücklich auf die unterschiedlichen Erhebungszeiträume als mögliche Schwäche der Erhebung hin.

Prioritäten deutscher CIOs

Eine Frage beschäftigt sich mit den Technologieplänen deutscher IT-Entscheider. Dabei sagten 31 Prozent, sie möchten in nächster Zeit Portalwerkzeuge anschaffen, weitere 51 Prozent haben ihre Web-Portale schon eingerichtet. Mit 29 Prozent liegen die Anschaffungspläne für Content-Management-Produkte an zweiter Stelle, 39 Prozent sind hier bereits aktiv geworden. 24 Prozent wollen zudem in Business Intelligence investieren, zusätzlich zu den 33 Prozent, die dies bereits getan haben. Großes Interesse wird außerdem Speichernetzen entgegengebracht, 23 Prozent der Befragten wollen Mittel für SANs bereit stellen.

Vergleichsweise wenig soll dagegen in die Anschaffung von E-Commerce-Produkten, Groupware oder drahtlose Netze gesteckt werden – aber nur, weil hier jeweils mindestens 70 Prozent der Befragten aussagen, bereits kräftig investiert zu haben.

Der Untersuchung zufolge sind die befragten Unternehmen, die zu zwei Dritteln mehr als 100 Millionen Dollar jährlich erwirtschaften, sämtlich im Web aktiv. Eine weitere Gemeinsamkeit: Eine Mehrheit von 60 Prozent hat in den letzten drei Jahren seine Investitionen in Sicherheit kräftig aufgestockt.

Vergleich Deutschland - USA

Im Vergleich zu US-Unternehmen gibt es signifikante Unterschiede, was die Adaption aktueller IT-Trend angeht. Während in den USA bereits 48 Prozent der Unternehmen in Instant Messaging (IM) investiert haben und weitere 20 Prozent konkrete Pläne hegen, haben sich dafür hierzulande nur sieben von 100 Firmen entschieden, weitere 16 Prozent bereiten den Einsatz vor.

Instant Messaging, Identity Management, RFID und Biometrie haben in den USA einen höheren Stellenwert als bei uns.
Instant Messaging, Identity Management, RFID und Biometrie haben in den USA einen höheren Stellenwert als bei uns.
Foto: ESMT, HU

Auch bei Identity-Management-Lösungen haben die Amerikaner einen Vorsprung: 20 Prozent haben Software angeschafft und weitere 30 Prozent planen diesen Schritt – in Deutschland sind es nur elf beziehungsweise 20 Prozent (siehe CW-Serie zum Thema Identity Management). In Sachen RFID und Biometrie sind die US-CIOs ebenfalls weiter, wenngleich mit einem geringeren Vorsprung als bei den anderen genannten Themen.

IT am Arbeitsplatz

Einig sind sich die CIOs diesseits und jenseits des Atlantiks in der Einschätzung, dass Manager "intelligentere Informationen am Arbeitsplatz" benötigen, weshalb Business Intelligence ein wichtiges Thema bleibe. Dass verbesserte Tools für die Entscheidungsunterstützung auf den Markt kommen, glauben aber vor allem die Amerikaner (78 Prozent) - ihre deutschen Kollegen sind nicht ganz so zuversichtlich (55 Prozent). Dafür erwarten die Deutschen, dass mehr IT-Verständnis am Arbeitsplatz ein absolutes Muss ist (86 Prozent), während die US-Kollegen diesbezüglich entweder weniger anspruchsvoll oder schlicht besser bedient sind - 60 Prozent äußerten sich hier unzufrieden.

Bemerkenswert ist auch der unterschiedliche Kenntnisstand, den deutsche und amerikanische CIOs über das Verhalten der Unternehmenskunden zu haben glauben. Immerhin 38 Prozent der Amerikaner meinen, das Kaufverhalten der Kunden zu verstehen – hierzulande sind nur 31 Prozent dieser Meinung. Ebenfalls 38 der Amerikaner glauben außerdem, die Erwartungen der Kunden bezüglich der zu entwickelnden Produkte zu kennen. In Deutschland glauben nur 23 Prozent daran. Dafür fühlen sich die Deutschen weit überlegen, wenn es darum geht, die Produkte ihrer Wettbewerber zu kennen. 53 Prozent sind der Meinung über die Konkurrenten Bescheid zu wissen, aber nur 37 Prozent der US-Kollegen.

Das Thema Collaboration ist in den USA wie in Deutschland auf der Tagesordnung, allerdings eilen auch hier die Amerikaner eines Nasenspitze voraus. Beispielsweise nutzen in den Staaten 63 Prozent der Firmen Teleconferencing, weitere 13 Prozent hegen konkrete Pläne. In Deutschland ist erst die Hälfte so weit, zusätzlich befinden sich 14 Prozent in der Planung. Ähnlich sieht es bei der Internet-basierenden Collaboration aus: 60 Prozent der US-Firmen sind aktiv, in Deutschland dagegen nur 50 Prozent.

Telekonferenzen und Web-basierende Collaboration sind in den USA stärker verbreitet als bei uns
Telekonferenzen und Web-basierende Collaboration sind in den USA stärker verbreitet als bei uns
Foto: ESMT, HU

Ein aus Datenschutzgründen heikles Thema ist hierzulande das Monitoring von Arbeitsprozessen, Workflows oder des Kundenverhaltens. Beispielsweise scannen 60 Prozent der US-Firmen permanent ihre Serviceproduktivität, bei uns tun das nur 35 Prozent. Das Missverhältnis scheint sich aber zu verringern, da in Deutschland weitere 25 Prozent entsprechende Pläne hegen, in den USA aber nur 14 Prozent.

Auch die Produktivität der Beschäftigten wird in den Staaten stärker beobachtet: 50 Prozent der Firmen haben ein automatisiertes Monitoring eingeführt, weitere 15 Prozent haben es vor. In Deutschland sind 29 Prozent so weit, zusätzliche 30 Prozent streben ein solches Systeme an.

Dass IT breitere Kontrollmöglichkeiten auf allen Ebenen bietet, darin sind sich Amerikaner (62 Prozent) und Deutsche (55 Prozent) weitgehend einig. Umstrittener ist indes, ob sie flachere Hierachien ermöglicht und zu einer personellen Ausdünnung im mittleren Management führt. 35 Prozent der Amerikaner sind davon überzeugt, aber nur 22 Prozent der Deutschen.

B-to-B-Transaktionen: Deutschland dominiert.

Wer nun denkt, dass die Amerikaner durchweg technikaffiner sind, dem sei gesagt, dass sich die Verhältnisse weitgehend umkehren, wenn es um Web-basierende Business-to-Business-Transaktionen geht. Auf die Kommunikation mit Handelspartnern via Internet setzen 60 Prozent der deutschen Firmen (oder hegen entsprechende Pläne), aber nur 49 Prozent der US-Firmen. Mit EDI sind 56 Prozent der deutschen Unternehmen vertraut (USA: 45 Prozent). Elektronisches Sourcing und Procurement-Management ist bei 54 Prozent der deutschen Unternehmen ein aktuelles oder geplantes Thema, aber nur bei 29 Prozent der US-Firmen.

Auch bei E-Payment und XML hat Deutschland einen Vorsprung. Dagegen sind die US-Kollegen leicht voraus, wenn es um Bedarfsplanung (Demand Planning and Peplenishment), kollaborative Planung, das Management von Partnerbeziehungen, kollaboratives Forecasting und E-Compliance geht. (hv)