Webscale & DevOps

IT der Zukunft: Schnell, flexibel, preiswert

Hermann Gouverneur ist CTO bei der Atos IT Solutions and Services GmbH.
Die fortschreitende Digitalisierung stellt sowohl Wirtschaft, als auch Gesellschaft vor gänzlich neue Herausforderungen. Wie IT-Unternehmen darauf reagieren sollten, erfahren Sie hier.

Wir befinden uns in einer Zeit der großen Veränderung - die Ära der Digitalisierung ist angebrochen. Soziale Netzwerke, Big Data, Cloud Computing, sowie mobile und vernetzte Services sind die Basis für massive Umbrüche in der Arbeits- und Lebenswelt. In seiner aktuellen Trendanalyse "Ascent Journey 2018" erläutert Atos diese "3. Digitale Revolution".

Die umfassende Digitalisierung zwingt zum Umdenken - auch in der IT-Branche. So können Webscale und DevOps das Business in die Zukunft führen.
Die umfassende Digitalisierung zwingt zum Umdenken - auch in der IT-Branche. So können Webscale und DevOps das Business in die Zukunft führen.
Foto: sakkmesterke_shutterstock.com

Disruptiv ist das neue "spezialisiert"

Nach der Entwicklung der ersten elektronischen Rechner in den vierziger Jahren und der Erfindung des Internets in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts werden heute alle Lebensbereiche digital abgebildet. Bis 2018 werden 25 Milliarden Geräte vernetzt sein - PCs, Telefone, Maschinen, Haushaltsgeräte. Diese technologischen Entwicklungen - so der Ascent Bericht - treffen auf eine Reihe wirtschafts- und gesellschaftspolitischer Megatrends, wie beispielsweise die Globalisierung und die Notwendigkeit zu nachhaltigem Wirtschaften. IT und digitale Technologien dienen nicht mehr länger dazu Geschäftsmodelle nur zu unterstützen, sondern werden evidenter Teil der Produkte selbst.

So entstehen neue Geschäftsmodelle als Ausgangspunkt der kreativen Zerstörung bestehender Märkte. Ein derzeit sehr populäres Beispiel ist Uber, die Plattform für die Bereitstellung von Fahrdiensten. Dieser Service hieß früher "Mitfahrzentrale". Doch das Unternehmen aus dem Silicon Valley hat ihn als globale, digitale und kundenorientierte Dienstleistung radikal neu erdacht und setzt damit das traditionelle Taxi-Gewerbe massiv unter Druck. Es ist zu erwarten, dass in den nächsten Jahren eine Vielzahl solcher disruptiven Ideen die globalen Märkte und unsere Lebens- und Arbeitsweisen massiv verändern werden.

Disruptive Geschäftsmodelle und -ideen sind ein wesentliches Merkmal des Zeitalters der Digitalisierung.
Disruptive Geschäftsmodelle und -ideen sind ein wesentliches Merkmal des Zeitalters der Digitalisierung.
Foto: phoenixman_shutterstock.com

IT-Business vor der Transformation

Bei der Diskussion um die digitale Revolution gerät eines etwas aus dem Blick, nämlich die IT-Bereitstellung aus der Rechenzentrumsinfrastruktur - dem Rückgrat der schönen neuen Welt. Für den Anwender mag die Welt immer virtueller erscheinen, aber tatsächlich erbracht wird die Leistung immer noch in und aus der physischen Welt. Besonders die Anbieter von riesigen, schwankenden Web-Leistungen haben in den letzten Jahren den Fokus darauf gelegt, die Entwicklung und Bereitstellung der Leistungen zu optimieren und mit Webscale-Computing und DevOps neue Ansätze entwickelt. Diese Ideen werden die Arbeit in IT-Abteilungen und Rechenzentren fast aller Unternehmen und Service-Provider künftig komplett verändern.

So ist beispielsweise die Rechenzentrumsinfrastruktur derzeit ein gut gehütetes Geheimnis in vielen Unternehmen - die Designs, der Einsatz und die Konfiguration werden immer noch als Wettbewerbsvorteil angesehen. Aber sind sie es wirklich? Oder verhindern nicht komplexe Architekturen die notwendige Flexibilität und Skalierbarkeit? Google, Facebook, Amazon & Co. haben eine neue Sichtweise entwickelt: Zu den größten technischen Herausforderungen der globalen Webservice-Provider gehört es, mit den extrem hohen, schwer prognostizierbaren Zahlen der Webaktivitäten umzugehen. Eine individualisierte Rechenzentrumsumgebung können sich diese Player daher schlichtweg nicht leisten.

Stattdessen setzen sie auf eine standardisierte Infrastruktur mit einfachen x86-Servern sowie vorkonfigurierten Standardnetzwerk- und Speichertechnologien. Die darüber liegende Softwareebene verwaltet die Hardware kosteneffizient, verzichtet also dank intelligenter Verteilung beispielsweise auf redundante Backup-Server. Je einfacher die vorkonfigurierte Struktur ist, desto einfacher ist sie auch zu betreiben. Dank der einheitlichen Basis kann die Lastverteilung mit geringem Aufwand auf der "intelligenten" und schneller änderbaren Softwareebene konfiguriert werden.

Webscale & DevOps im Fokus

Ziel des Webscale-Ansatzes ist es, die Kosten und den Aufwand bei steigenden, beziehungsweise schwankenden, Anforderungen unter Kontrolle zu halten um flexibel auf die geschäftlichen Notwendigkeiten reagieren zu können. Für die Atos Scientific Community ist das Thema sehr eng verknüpft mit DevOps. Dieser Trend verfolgt auf der Anwendungsebene ein ähnliches Ziel: DevOps führt Anwendungsentwicklung und IT-Betrieb näher zusammen. Üblicherweise sind diese Bereiche von unterschiedlichen Zielen getrieben: In der Entwicklung geht es um schnelle Anpassung der Anwendung, während sich die Verantwortlichen für den Betrieb um Stabilität sorgen und daher möglichst wenig und wenn, nur sehr kontrolliert verändern wollen. Vereinfacht dargestellt arbeitet die eine Seite die Nächte durch, um die geforderten neuen Features möglichst schnell bereitzustellen. Die andere Seite will erst einmal jede Menge Abnahme-Tests sehen, um die Einspielung des Codes beim nächsten Patchday einige Tage oder Wochen später sicherzustellen.

Die Automatisierung und Standardisierung von Prozessen ist das wesentliche Ziel der DevOps-Initiative.
Die Automatisierung und Standardisierung von Prozessen ist das wesentliche Ziel der DevOps-Initiative.
Foto: Vasin Lee - shutterstock.com

Die DevOps-Initiative zielt nun darauf ab, diese beiden Bereiche näher aneinander zu rücken: Um dem Druck der immer kürzer werdenden Release-Zyklen gerecht zu werden, müssen sich Entwicklung und Betrieb auf gemeinsame Ziele, Instrumente und Abläufe einigen. Nur hierdurch wird es möglich, Prozesse zu automatisieren und zu standardisieren und damit gefahrlos kontinuierlich Veränderungen an den Anwendungen vorzunehmen.

IT-Standardisierung ist die Zukunft

In den nächsten Jahren erwarten uns einige relevante Veränderungen in der Erstellung, Anpassung und Bereitstellung - nicht nur von Web-Services. Je mehr gesellschaftliche und wirtschaftliche Bereiche digitalisiert werden, desto wichtiger ist die Industrialisierung der Entwicklung und des Betriebs. Je geringer der Individualisierungsgrad ist, desto ausgeprägter die Automatisierung und desto agiler können Anwendungen angepasst werden. Die Infrastrukturen bleiben aber trotzdem stabil. Webscale- und DevOps-Ansätze sind wichtige Schritte auf dem Weg hin zu skalierbaren, effektiven und gleichzeitig kosteneffizienten Architekturen.