Ohne gute Bewerbung kein hochkarätiger Job

IT-Berater im Vorstellungsgespräch

Freddy Staudt ist freier Journalist in München.
Gute Berater in der IT sind gefragt, zum Beispiel für SAP. Ihr gebündeltes Know-how in puncto Projekte, Branchen, Prozesse und Technologie macht sie zu begehrten Bewerbern. Trotzdem ist ihr Fachwissen kein Freibrief für einen Job und steile Karriere. Auch für diese Spezialisten im Consulting gelten Regeln, die sie im Zuge ihrer Bewerbung beherzigen sollten. Welche, lesen Sie hier.

Kaum ein Mitarbeiter ist so begehrt und so rar wie IT-Berater, die Know-how in Sachen Branchen, Prozesse sowie Technik in einer Person vereinen - siehe SAP-Berater. Doch wer glaubt, mit diesen Qualifikationen und Kenntnissen die Karriereleiter spielend erklimmen zu können, erlebt oft ein böses Erwachen. IT-Berater dieses Kalibers sind nicht umsonst hochbezahlt. Sie werden in einem mehrstufigen Bewerbungsverfahren besonders genau ausgewählt. Dr. Thomas Biber, Geschäftsführer der auf SAP-Positionen spezialisierten Personalberatung Biber & Associates, beschreibt den typischen Verlauf von Bewerbungsprozessen und gibt die entscheidenden Tipps zum Vorstellungsgespräch.

Bewerbungsprozess in drei Akten

In den meisten Fällen läuft der Bewerbungsprozess für einen gehobenen IT-Beraterjob laut Biber in drei Gesprächen ab: Ein erstes Telefonat führt ein Personalberater, anschließend folgt ein Telefonat mit dem Fachvorgesetzten der offenen Stelle. Das Finale bildet das persönliche Vorstellungsgespräch beim Arbeitgeber. Daran nehmen neben dem Fachvorgesetzten auch die Personalabteilung und oft auch ein Vertreter des Managements teil.

Auch für begehrte IT-Berater steht im Vorstellungsgespräch viel auf dem Spiel.
Auch für begehrte IT-Berater steht im Vorstellungsgespräch viel auf dem Spiel.
Foto: OlegDoroshin - shutterstock.com

Der Charakter des ersten Gesprächs mit dem Personalberater ist eher informell. "Bewerber sollten sich aber bewusst sein, dass dieses Gespräch bereits mitentscheidet, ob sie für zukünftige Jobangebote erste Wahl sein werden", gibt Biber zu bedenken. Es ist also sehr viel besser, einen Rückruf oder Termin auszumachen, um das Gespräch konzentriert zu führen, als in einem ungeeigneten Augenblick zu telefonieren.

Personalberater mit von der Partie

Wichtig ist schon hier die absolute Verlässlichkeit. Das heißt: Einen versprochenen Rückruf muss man wirklich vornehmen und zum vereinbarten Termin bereit sein. Ein seriöser Personalberater wird Bewerber, die bereits hier Schwierigkeiten machen, eher nicht für einen Topjob ansprechen und seinem Kunden vorschlagen. Ebenso ist es möglich, als stellensuchender IT-Berater selbst die Initiative zu ergreifen und einen auf IT-Beraterjobs spezialisierten Personalberater auf sich aufmerksam zu machen.

Inhaltlich geht es in einem solchen Gespräch in rund 15 bis 20 Minuten um die Eckpunkte des eigenen Lebenslaufs, fachliche Skills sowie berufliche Karrierevorstellungen. Der Personalberater sendet dann unter Rücksprache mit dem Bewerber die Bewerbungsunterlagen an das Zielunternehmen weiter. Tipps für die Erstellung der Bewerbungsunterlagen, speziell für SAP-Berater, finden Sie hier.

Kurze und präzise Antworten am Telefon

Der erste direkte Kontakt mit dem ausschreibenden Unternehmen findet heute oft als Telefonat statt. Hier klärt in der Regel der Fachvorgesetzte, in selteneren Fällen die Personalabteilung, ob das notwendige fachliche Wissen über die Branche, die Prozesse sowie die eingesetzten Technologien, zum Beispiel Module von SAP, vorhanden ist. "Es geht darum, ob der Berater grundsätzlich zur offenen Stelle passt", erklärt Biber. Ein solches Gespräch dauert rund eine halbe bis maximal eine Stunde.

Thomas Biber: "Nicht weil jemand IT-Berater ist, wird er eingestellt und gut bezahlt."
Thomas Biber: "Nicht weil jemand IT-Berater ist, wird er eingestellt und gut bezahlt."
Foto: Biber & Associates

Bewerber sollten die Gesprächsführung ihrem Ansprechpartner überlassen und sich bei Antworten auf das Wesentliche konzentrieren. Bei Telefonkonferenzen entstehenden durch technische Gegebenheiten und die ungewohnte Gesprächssituation oft Pausen. Hier schadet es nicht, diese anzusprechen und beispielsweise nachzufragen, ob man mit seinen Ausführungen fortfahren soll. Ansonsten kommen kurze, präzise Antworten zu den eigenen Qualifikationen und Erfahrungen am besten an; der Bewerber kann anbieten, weiter ins Detail zu gehen. Wichtig ist es, von einem ungestörten Ort mit guter Verbindung zu telefonieren, um Irritationen aufgrund technischer Probleme auszuschließen.

Wenn diese zweite Stufe genommen ist, lädt das Unternehmen zum persönlichen Vorstellungsgespräch. Dazu treffen sich die Beteiligten in der Regel vor Ort beim Unternehmen. Anwesend sind von Unternehmensseite meist ein Verantwortlicher der Personalabteilung und der potenzielle zukünftige Vorgesetzte. Oft ist auch der Geschäftsführer oder jemand aus der Führungsebene zugegen.

Im Bewerbungsgespräch mit Vorbereitung und Interesse punkten

Die zwei wichtigsten Regeln für das Vorstellungsgespräch lauten: "Seien Sie vorbereitet" und "Zeigen Sie Interesse":

  • Vorbereitet sein heißt in diesem Zusammenhang, dass man sich mit dem Unternehmen auseinandergesetzt hat. Es ist zum Beispiel unverzichtbar, die Webseite angesehen zu haben. "Der Bewerber muss das Geschäftsmodell des Unternehmens verstehen beziehungsweise Fragen hierzu im Gespräch klären", mahnt Biber. Bei Rückfragen im Vorfeld des Gesprächs kann hier auch gerne der zuständige Personalberater angesprochen werden. Vorbereitete Anwärter bringen zu dem Gespräch vollständige Bewerbungsunterlagen und einen Stift für Notizen mit. Sie haben sinnvolle Fragen vorbereitet, beispielsweise nach den Details der Tätigkeit oder der organisatorischen Eingliederung der Stelle.

  • Interesse zeigen bedeutet in erster Linie: pünktlich sein. Es geht um viel bei einem Beraterjob. Da ist man besser eine Stunde zu früh als fünf Minuten zu spät vor Ort. Ein weiteres Zeichen für starkes Interesse ist die Kleidung. Kandidaten sollten zu Vorstellungsgesprächen immer im Business-Outfit erscheinen, unabhängig davon, welche Kleidung am späteren Arbeitsplatz üblich ist.

Bestimmte Fragen können Zweifel am ernsthaften Interesse des Bewerbers säen. Dazu gehören Forderungen nach komplizierten oder ungewöhnlichen Sonderkonstruktionen bei Urlaub, Heimarbeit, Kostenerstattungen oder Gehaltsbausteinen. Eine andere Stolperfalle sind übertriebene Ansprüche bei der Übernahme von Auslagen wie Umzugskosten oder Fahrtengeld beziehungsweise die Frage nach einem Firmenwagen, obwohl man die Tätigkeit komplett vom Büro aus erledigt.

Diskussionen über nicht gängige Zusatzleistungen nehmen zu viel von der wertvollen Gesprächszeit in Anspruch und hinterlassen einen unangenehmen Eindruck. Hier ist dringend zu empfehlen, Augenmaß zu wahren. Biber weiß, dass Unternehmen alleine aus Gründen der Fairness all ihren Mitarbeitern ungefähr dieselbe Vertragskonstruktion anbieten müssen. Das bedeutet aber nicht, dass überhaupt kein Verhandlungsspielraum besteht. Was im Einzelfall realistische Forderungen sind, sollte man besser vorab mit dem Personalberater ausloten.

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