SaaS ist nicht genug

IT as a Service: Was CIOs dafür tun müssen

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Cloud-basierte Lösungen allein reichen nicht, um IT-Organisationen agiler zu machen und Buisness-Anforderungen besser zu unterstützen. CIOs brauchen einen Plan für ein IT-as-a-Service-Modell, der über technische Aspekte hinausgeht.

Warum entsteht in vielen Unternehmen eine Schatten-IT? Wie kommt es, dass IT- und Fachabteilungen oft völlig unterschiedliche Vorstellungen vom Nutzen einer Cloud-Computing-Lösung haben? Diese Fragen stellt sich der US-amerikanische Cloud-Experte und Berater Philippe A. Abdoulaye. Seine Antwort: Das Problem sind die Cloud-Anbieter, die den Aspekt einer "Business Vision" komplett ignorierten. Sie sähen in niedrigen IT-Kosten und einer beschleunigten Bereitstellung von Applikationen schon Wachstumstreiber für das Geschäft. Die Fachabteilungen hingegen trieben ganz andere Sorgen um: Sie möchten schneller auf Marktveränderungen reagieren können und bräuchten dazu agile und kollaborative Umgebungen, die Business- und IT-Anforderungen gleichermaßen abdecken.

Berater Abdoulaye: "Das Problem sind die Cloud-Anbieter".
Berater Abdoulaye: "Das Problem sind die Cloud-Anbieter".
Foto: Philippe A. Abdoulaye

Von den CIOs verlange diese Entwicklung ein Umdenken, so Abdoulaye. Sie müssten die IT-Organisation zu einem strategischen Partner des Business umbauen und dazu ein "IT as a Service"-Modell (ITaaS) entwickeln. Aus seiner Beratungspraxis empfiehlt der Experte dazu 3 Schritte:

1. Erfinden Sie Ihre CIO-Rolle neu, denken Sie über Technologien hinaus

Der Graben zwischen IT- und Fachabteilungen ist mit dem Cloud-Paradigma nicht kleiner, sondern größer geworden, argumentiert Abdoulaye. IT-Anbieter definierten Technologie als alleinigen Wachstumstreiber für das Business und degradierten damit die CIOs zu bloßen "Bereitstellern" von IT-Tools. Um aus dieser Ecke herauszukommen, müssten CIOs ihr Rollenverständnis neu definieren und sich zu einem "Business Strategy Facilitator" entwickeln, der zu einer übergreifenden Enterprise Value Chain beiträgt (siehe Abbildung). In diesem Modell komme es darauf an, IT-Services so zu managen, dass der Nutzwert für die Fachabteilungen von Anfang an transparent wird.

Das Modell einer Digital Enterprise Value Chain kann IT- und Business-Anforderungen unter einen Hut bringen.
Das Modell einer Digital Enterprise Value Chain kann IT- und Business-Anforderungen unter einen Hut bringen.

2. Entwickeln Sie die Vision einer Virtual Computing Capability und nutzen Sie die Kostenvorteile der Cloud

Auf dem Weg zu ITaaS gilt es, das hergebrachte Data Center in eine "Virtual Computing Capability" (VCC) zu tansformieren, rät Abdoulaye. Damit ließen sich IT-Kosten senken und IT-Prozesse optimieren (siehe Abbildung).

In diesem Kontext sollten CIOs mit ihren IT-Teams vor allem diese Aspekte diskutieren:

  • Welcher Aufwand ist zu erwarten, wenn Anwendungen, Software- und Hardware-Konfigurationen für ein VCC-Modell angepasst werden?

  • Wie werden Anforderungen bezüglich Security, Backup oder Disaster Recovery berücksichtigt?

  • Wie soll die übergreifende VCC-Architektur aussehen? Hier geht es vor allem um einen kosteneffizienten IaaS-Layer. Der PaaS-Layer (Platform-as-a-Service) stellt eine Delivery-Plattform zur Verfügung, die es ermöglicht, Applikationen schneller bereitzustellen.

  • Wie wird das operationale Management und die Kontrolle des VCC sichergestellt?

Das klassische RZ wird zur Virtual Computing Capability (VCC).
Das klassische RZ wird zur Virtual Computing Capability (VCC).
Foto: Philippe A. Abdoulaye

3. Überdenken Sie die Zusammenarbeit mit dem Business, institutionalisieren Sie DevOps un machen Sie Ihre Organisation agiler

DevOP-Ansätze sind aus Sicht von Abdoulaye der geeignete Weg, um eine agile und kollaborative Plattform aufzubauen. Allerdings sollten diese nicht darauf beschränkt bleiben, die Kommunikation zwischen Anwendungsentwicklung und IT Operations zu verbessern und Softwareentwicklungsprozesse zu automatisieren. Vielmehr gelte es, DevOPs-Prinzipien und -Prozesse auch auf Business-Aspekte anzuwenden. Auf diese Weise lasse sich die Zusammenarbeit in der gesamten Organisation verbessern, Entscheidungen könnten schneller fallen und das Unternehmen als Ganzes agiler werden.

Der Berater empfiehlt deshalb: Gründen Sie eine ITaaS-Taskforce, bestehend aus IT- und Business-Mitglieder und diskutieren Sie folgende Punkte:

  • Aufbau einer erweiterten DevOps-Strutkur, die nicht nur die Anwendungsentwicklung berücksichtigt, sondern die gesamte digitale Strategie des Unternehmens (siehe Abbildung).

  • Nutzen von DevOps-Prinzipien, -Prozessen, Best Practices und Tools auch für Business-Aufgaben.

  • Einrichtung eines Change Advisory Board, in dem Business- und IT-Manager gemeinsam Prioritäten setzen und den Umbauprozess überwachen.

Erweitertes DevOPs Operating Model
Erweitertes DevOPs Operating Model
Foto: Philippe A. Abdoulaye

Aufbau einer "Continous Delivery Platform", die sowohl die Logik als auch die Infrastruktur bereitstellt, um Anwendungen schneller auszuliefern.