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IT-Arbeitsmarkt: CAD/CAM-Jobs und Behörden lassen hoffen

30.01.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Jahresbilanz 2002 auf dem IT-Arbeitsmarkt fällt ernüchternd aus: Die Zahl der IT-Stellenangebote ist gegenüber dem Vorjahr um 64,5 Prozent zurückgegangen. Einziger Lichtblick sind CAD/CAM-Jobs und der öffentliche Dienst als Arbeitgeber. Hier ist der Einbruch weniger dramatisch.

Auch am Ende des Jahres gab es noch keine klaren Anzeichen dafür, dass mit einer Erholung auf dem Arbeitsmarkt zu rechnen ist. Laut Analyse von Adecco erschienen im Jahr 2002 nur noch 23738 IT-Stellenangebote in den untersuchten 40 Tageszeitungen und der CW, im Jahr zuvor waren es 66817 Offerten. Weniger dramatisch sieht die Entwicklung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt für Fach- und Führungskräfte aus. Hier gingen die Jobofferten um 44 Prozent auf 168 822 Stellen zurück. Am stärksten ist der Einbruch in der Telekommunikationsindustrie. Hier reduzierte sich die Zahl der Angebote auf 703, nachdem sie sich im Jahr 2001 noch auf 4974 belaufen hatte.

Auch die größten Arbeitgeber für Computerfachleute, die IT-Beratungs- und Softwarehäuser, haben sich überdurchschnittlich stark bei den Einstellungen zurückgehalten. Nach den 19248 ausgeschriebenen Stellen von 2001 annoncierten diese Firmen ein Jahr später nur noch 5582 freie Positionen. Bei Banken (443 Jobs, 2001: 1971) und Versicherungen (528 Jobs, 2001: 1246) sieht es ebenfalls schlecht aus. Mehr Möglichkeiten gibt es in der klassischen Industrie. So meldeten die Elektrotechniker 1693 und die Maschinenbauer 1747 Jobs. Eine für diese Zeiten gute Nachricht kommt von den Behörden. Trotz Haushaltssperren und großer Finanzlöcher suchte der öffentliche Dienst immerhin 3190 IT-Experten. Damit ist Vater Staat im vergangenen Jahr zum zweitgrößten IT-Jobanbieter nach den Beratungs- und Softwarehäusern avanciert.

 Wenig Interesse an Netz- und Internet-Profis

Auch die Verteilung auf die einzelnen Berufe hat sich geändert. Jahrelang galten mit Abstand die meisten Offerten den Programmierern und den Anwendungsentwicklern. Nun stehen die CAD/CAM-Experten am besten da: Auf sie entfallen mittlerweile fast ein Viertel aller freien IT-Jobs, auf die Entwickler 20 Prozent, also rund 4800 Stellen. Die CAD-Experten kommen vor allem in Maschinen- und Fahrzeugbaufirmen, aber auch in Konstruktionsbüros oder in Hochschule und Forschung unter. Wer sich auf den IT-Vertrieb spezialisiert, konnte in diesem Jahr unter 2419 Stellenangeboten (2001: 7399) auswählen und wurde in erster Linie von Software- und Systemhäusern gesucht. Letztere hatten auch den größten Bedarf an System- und Datenbankspezialisten, die auch bei Behörden, Hochschulen und Forschungsinstituten gut unterkamen. Insgesamt reduzierte sich das Angebot für Datenbank- und Systemspezialisten von 10634 auf 3589 Jobs.

Noch empfindlichere Einbrüche mussten die Netzwerkfachleute (von 3273 auf 1004 Angebote) und Internet-Profis wie Web-Master oder Content-Manager hinnehmen (von 4090 auf 689). Vertreter beider Gruppen werden in den meisten Branchen nur noch vereinzelt nachgefragt - die Ausnahme bildet auch hier wieder der öffentliche Dienst. Der Anteil der Jobofferten, in denen ein akademischer Abschluss verlangt wird, ist mittlerweile auf 84 Prozent gestiegen. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten spielen formale Qualifikationen wieder eine größere Rolle, und Personaler sehen zuerst auf die Abschlüsse. Interessant ist, dass mittlerweile über ein Viertel der Unternehmen ein Ingenieurstudium als Qualifikation voraussetzt, ein Jahr zuvor betrug dieser Anteil nur 16 Prozent. Ansonsten wünschen sich die Firmen in erster Linie Informatiker. Fast ein Drittel der Anzeigen wenden sich an sie. 17 Prozent der Offerten sprechen ganz allgemein DV-Spezialisten an, und nur in drei Prozent der Fälle werden Wirtschaftsinformatiker gesucht.

Nordrhein-Westfalen verweist Bayern auf den zweiten Platz

Wer in der IT-Branche Fuß fassen will, hat zurzeit noch am ehesten gute Chancen in Nordrhein-Westfalen. Das Kohle- und Stahlland ist auf dem Weg Richtung Hightech-Standort. 4745 Stellen, also fast ein Fünftel des Angebots, waren in dieser Region frei. Nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen in den letzten Jahren mit Bayern entfallen jetzt auf das südliche Bundesland 16 Prozent der Angebote, 13 Prozent auf Baden-Württemberg und fast zehn Prozent auf Hessen. 15 Prozent der Ausschreibungen kommen aus dem Osten der Republik, was einem Plus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.(hk)