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IT-Arbeitslose zur Hackerlaufbahn gezwungen

14.02.2008
Von pte pte
Angriffe von Cyber-Kriminellen werden künftig vermehrt von Zentralamerika, Indien, China und Afrika aus erfolgen. Zu diesem Ergebnis kommen die Forscher des IT-Sicherheitsspezialisten F-Secure http://www.f-secure.com , die den geografischen Wandel der Internet-Kriminalität seit 1986 untersucht haben. Laut den Aufzeichnungen lässt sich ein Wandel im Ursprung der Angriffe von Europa und Nordamerika hin zu Schwellenländern feststellen. Vor allem die Länder der ehemaligen Sowjetunion wie Russland, Weißrussland und die Ukraine, aber auch Brasilien und China entwickeln sich immer mehr zu Brennpunkten der weltweiten Internet-Kriminalität.

"Grundsätzlich stimme ich mit der Einschätzung von F-Secure überein. Ich glaube allerdings, dass sich die Ursprungsorte der Internet-Kriminalität künftig nicht komplett verlagern werden, sondern dass vielmehr ein Angleichungsprozess stattfindet", meint Magnus Kalkuhl, Virenanalyst bei Kaspersky Labs http://www.kaspersky.com , auf Anfrage von pressetext. Entscheidend werde in Zukunft auch sein, ob in den jeweiligen Ländern genügend IT-Infrastruktur für derartige Angriffe zur Verfügung stehen. "Insbesondere Indien ist in dieser Hinsicht im Moment weit vorne", ergänzt Kalkuhl.

Ein Grund für diese globale Verlagerung der Ursprungsorte von Internet-Kriminalität ist laut F-Secure die enorme Zunahme der Internetnutzung. Diese wächst derzeit in Asien am stärksten, an zweiter Stelle liegt Afrika. Da die Entstehung von Arbeitsplätzen im IT-Bereich dieser Entwicklung aber deutlich hinterherhinke, seien viele begabte Computerspezialisten in diesen Regionen dazu gezwungen, ihr Talent auf illegale Weise einzusetzen. Internet-Kriminalität stelle für sie oftmals die einzige Möglichkeit dar, um ihren Lebensunterhalt aufzubessern. "Brasilien etwa hat heute bereits über zwei Mio. Internetnutzer", erklärt F-Secure-Analyst Hyppönen. "Zeitgleich hat seit 2003 die Internet-Kriminalität in Brasilien, China und den früheren Mitgliedsstaaten der Sowjetunion dramatisch zugenommen", stellt Hyppönen fest.

Erschwerend komme nach Auffassung der Security-Spezialisten hinzu, dass es in vielen Ländern noch lange Zeit dauern wird, bis sich die veralteten Rechtssysteme auf die neuen Entwicklungen am IT-Sektor einstellen. Außerdem könnten Cyber-Kriminelle in Regionen, die gerade einen politischen Wandel durchleben und in denen es Sicherheitsprobleme gibt, der strafrechtlichen Verfolgung viel leichter entgehen. "Derartige Ausmaße von Cyber-Kriminalität sind nur dort vorstellbar, wo staatliche Behörden die Urheber der Angriffe nicht mit der nötigen Hartnäckigkeit verfolgen", stellt auch Kalkuhl abschließend fest. (pte)