Web

 

Ist HPs PC-Sparte wirklich profitabel?

27.02.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - HP hat für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2002/03 unter anderem bekannt gegeben, das PC-Geschäft des Unternehmens weise erstmals wieder einen Gewinn auf. Die Personal Systems Group (PSG) hatte bei einem Umsatz von 5,14 Milliarden Dollar einen minimalen Gewinn von 33 Millionen Dollar erwirtschaftet - ein 155stel des Absatzes. Nun rechnet ein Analyst vor, auch dieser Gewinn sei lediglich buchhalterischen Veränderungen bei der Erstellung der Bilanz zuzuschreiben.

Andrew Neff von Bear Stearns sagte nach Bekanntgabe der Ergebnisse, HP habe einige Ausgaben inklusive solcher für Forschung und Entwicklung aus diversen Produktbereichen herausgenommen und sie in einem separaten Unternehmensbereich bilanziert. Neffs Berechnungen zufolge könnten durch diese bilanzielle Berechnungsänderung bis zu 40 Millionen Dollar pro Geschäftsquartal aus der PC-Division herausgerechnet werden. Würde die PSG-Einheit weiter mit diesem Betrag belastet werden, hätte sich für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres im PC-Geschäft von HP kein, wenn auch nur minimaler, Gewinn errechnet, sondern ein geringfügiger Verlust.

HP hat auf Neffs Kalkulationen sofort reagiert und gesagt, dass die PC-Division auch dann einen Gewinn verbuchen würde, hätte das Unternehmen seine Verrechnungsmodalitäten nicht geändert. HP-Pressesprecherin Rebecca Robboy hierzu: "Egal, ob alte oder neue Definition, unser PC-Geschäft ist profitabel - ohne Wenn und Aber." Neff blieb trotz dieser Aussage bei seiner Meinung. Durch die veränderten Berechnungsmodalitäten hätte HP die Profitabilität des PC-Geschäfts steigern können. In Zukunft könnte das Unternehmen auch in anderen Geschäftseinheiten durch die andersartige Bilanzierung leichter operative Gewinne vorweisen.

HP machte keine Angaben dazu, wie profitabel das PC-Geschäft sein würde, hätte es die bilanztechnischen Modifikationen nicht gegeben. Neff sagte allerdings, HP habe angedeutet, der Gewinn würde dann größer als zehn Millionen Dollar sein.

Die Diskussion um die minimalen Gewinne oder Verluste von HPs PC-Geschäft sind zu verstehen vor dem Hintergrund, dass nach wie vor Zweifel bestehen daran, ob und wie erfolgreich die Fusion von HP und Compaq sich entwickelt. Hierzu lässt Firmenchefin Carleton Fiorina verständlicherweise nichts unversucht, um aus der Verschmelzung eine Erfolgsgeschichte zu wirken. In diesem Zusammenhang kommt den beiden HP-Computerbereichen eine wichtige Rolle zu. Doch sowohl die PSG als auch die Enterprise Systems Group (ESG) wiesen bislang erhebliche Verluste auf, die - mit kleinen, aber abnehmenden Gewinnen aus der Servicesparte - die Division Imaging & Printing und hier vor allem das Geschäft mit Ersatzkomponenten wie Druckerkartuschen ausgleichen müssen. Insofern ist es nachvollziehbar, dass mit den 33 Millionen Dollar Gewinn in der Sparte PSG Hoffnungen auf eine Trendwende verbunden sind.

Allerdings zeigen auch die Marktforschungs-Ergebnisse von Gartner Dataquest, dass HP bei PCs und Servern 2002 im Vergleich zum Vorjahr teilweise erheblich Marktanteile verloren hat. Und dies sowohl in punkto Umsatz als auch bezüglich der ermittelten Stückzahlen abgesetzter Systeme. (jm)