Deutscher Markt für Sourcing-Berater

ISG vor KPMG und Accenture

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Wirtschaftsprüfer und Managementberater drängen immer stärker ins IT-Sourcing vor. Lünendonk hat sich den Markt in einer Studie näher angesehen.

Wie die Analysten von Lünendonk, Kaufbeuren, beobachten, erwirtschaften klassische Wirtschaftsprüfer und Managementberater zunehmend Umsatz mit IT-Sourcing. Daher widmet Lünendonk dem Segment erstmals eine eigene Studie. Unter dem Titel "Der Markt für ICT-Sourcing-Beratung" stellen die Consultants die Wettbewerber dar und prognostizieren deren Entwicklung.

Diese ist optimistisch. 26 IT-Sourcing-Beratungen haben sich an der Studie beteiligt. Das Marktvolumen einzuschätzen, bezeichnet Lünendonk als schwer. Die Zahlen schwanken von 100 Millionen Euro bis 26 Milliarden Euro - eindeutige Definitionen gibt es offenbar noch nicht. Lünendonk selbst sieht das Volumen "im unteren dreistelligen Millionenbereich". Die 26 Befragten rechnen für das ausgehende Jahr mit einem Plus von knapp sechs Prozent, für 2015 erwarten sie ein Wachstum von gut sieben Prozent.

Lünendonk unterteilt den Markt in vier Segmente: Erstens reine, auf IT-Sourcing-Beratung spezialisierte Unternehmen, zweitens Managementberatungen mit IT-Sourcing-Beratung im Portfolio sowie drittens Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften mit IT-Sourcing-Beratung und viertens IT-Beratungen mit IT-Sourcing-Beratung.

Als wichtigster Wettbewerber im deutschen Markt gilt ISG: Auf die Frage "Wen sehen Sie als größte Konkurrenz?" nannten 12 der 26 Umfrageteilnehmer ISG. Es folgen KPMG mit sechs und Accenture sowie Deloitte mit jeweils fünf Nennungen. Jeweils vier Stimmen erhalten Capgemini, Microfin und Navisco.

Sourcing-Strategie und Ausschreibungs-Management

Die konkreten Arbeitsfelder der IT-Sourcing-Berater beziehen sich meist auf die Beratung bei der Sourcing-Strategie und das Ausschreibungs-Management. Außerdem unterstützen sie bei Transformation und Umsetzung von Sourcing-Strategien und bei der Wahl des Providers. Definition und Monitoring von SLAs (Service Level Agreements) und Unterstützung bei der Vertragsverhandlung zählen ebenfalls zu ihren Aufgaben.

Zum überwiegenden Teil (52 Prozent) sind es Konzerne ab 10.000 Mitarbeitern, die IT-Sourcing-Berater hinzuziehen. Allerdings erwarten Sabine Muth von der Data Group und Klaus Nötzold von Sepicon künftig verstärkt Nachfrage aus dem Mittelstand, wie sie cio.de gegenüber sagten. Generell beobachten sie seit ein bis zwei Jahren das vermehrte Auftreten von Sourcing-Beratern.

Nach den Worten beider Praktiker kursiert unter ihren Kunden derzeit vor allem ein "Lieblings-Buzzword", und das lautet SMAC: Social Media, Mobility, Application, Cloud. Laut der Lünendonk-Studie besteht auch Unterstützungsbedarf beim IT-Servicemanagement, bei SAP und IT-Security.

Der CIO wählt den IT-Sourcing-Berater aus

Die Auswahl des IT-Sourcing-Beraters ist in erster Linie CIO-Sache. Fast jeder Studienteilnehmer (96 Prozent) sagt, der CIO/IT-Leiter sei "immer" oder "häufig" an der Wahl beteiligt. Außerdem reden Vorstand beziehungsweise Geschäftsführung (73 Prozent) und Chief Financial Officer (CFO) mit (63 Prozent). Nach Beobachtung von Nötzold (Sepicon) fällt die Wahl nicht unbedingt auf den Billigsten, sondern auf den Flexibelsten. Wichtigstes Kriterium seien die Referenzen des Beraters.

Fazit: Bei der IT-Sourcing-Beratung handelt es sich derzeit um einen "versprengten Markt" (Muth), in dem Definitionen und Begrifflichkeiten noch nicht klar abgegrenzt sind. Lünendonk kündigt jedenfalls an, das Segment weiter beobachten und vergleichbare Studien wieder auflegen zu wollen.