iSCSI: Angebot trifft auf kleine Nachfrage

Kriemhilde Klippstätter ist freie Autorin und Coach (SE) in München.
Mit dem Netzprotokoll lassen sich kostengünstige und performante Speichernetze für Wintel-Server aufbauen. Bisher bleiben die Hersteller aber auf ihrem breiten Angebot sitzen.

Der Markt wächst stark, aber von einer kleinen Basis aus", klagt Malte Rademacher, EMCs Marketing-Chef für Deutschland, Osteuropa und den Nahen Osten. "Die Akzeptanz und das Bewusstsein der IT-Verantwortlichen für iSCSI sind noch nicht so ausgeprägt." EMC wird wohl nicht umhinkommen, in den kommenden Monaten Aufklärungsarbeit beim Kunden zu leisten, denn "das Produktangebot ist der Nachfrage voraus".

Hier lesen Sie ...

  • wo iSCSI schon eingesetzt wird;

  • wofür sich das Protokoll besonders eignet;

  • wo die Vorteile liegen.

  • warum das Interesse der Anwender noch bescheiden ausfällt.

Speicherprotokolle im SAN, Vorhersage für Deutschland.
Speicherprotokolle im SAN, Vorhersage für Deutschland.

Obwohl iSCSI-Lösungen ziemlich viele Vorteile und kaum Nachteile besitzen, obwohl das Angebot an iSCSI-Produkten recht umfangreich ist und obwohl Microsoft den Aufbau von iSCSI-Speichernetzen stark fördert, ist der große Durchbruch noch nicht da und wird wohl auch noch auf sich warten lassen. Die Marktforscher der IDC beispielsweise erwarten 2005 bis 2009 für Deutschland zwar ein Wachstum des iSCSI-Marktes um jährlich 78 Prozent. Von den für 2009 prognostizierten gesamten Speichernetzumsätzen in Höhe von 842 Millionen Dollar werden aber lediglich 118 Millionen oder 14 Prozent auf iSCSI entfallen. Das ist nur unwesentlich mehr, als die Analysten den altgedienten Ficon-Netzen für Mainframes vorhersagen, die dann immerhin noch neun Prozent des Marktes auf sich vereinigen könnten. Der Löwenanteil geht auch 2009 mit knapp 650 Millionen Dollar (77 Prozent) weiter an die Lieferanten von Fibre-Channel-Equipment.

iSCSI als Add-on

Eine mögliche Erklärung für die zögerliche Umsetzung liefert Guido Klenner, Business Manager Online Storage bei Hewlett-Packard (HP): "Das normale LAN als Speichernetz zu nutzen ist nicht so einfach und auch nicht so billig. Man benötigt einen Leitungsdurchsatz von 100 Mbit/s, damit Backup und Restore vernünftig funktionieren, und NIC-Karten für die Umsetzung. Beides kostet Geld." Laut Klenner haben Mittelständler derzeit keine Ambitionen, sich ein IP-Speichernetz aufzubauen: "Wir verkaufen an kleine und mittlere Kunden noch immer viel Speicher, der direkt am Server angeschlossen ist." Bei HP fragen hauptsächlich große Unternehmen iSCSI-Lösungen nach, die im Rechenzentrum bereits über ein Fibre-Channel-Netz verfügen und dieses durch ein IP-Netz ergänzen. "Vor allem, um die Außenstellen anzubinden", beschreibt der Manager das, was schon von Beginn an als ein Haupteinsatzgebiet für iSCSI galt.